Die sogenannte Megafauna vergangener Erdzeitalter steht seit Jahrzehnten im Zentrum archäologischer Forschung, da lange Zeit direkte Nachweise dafür fehlten, wie frühe menschenähnliche Vorfahren große Tiere mit einem Körpergewicht von über 1000 Kilogramm verwerteten.

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Nun könnten neue Erkenntnisse Aufschluss geben: An einer archäologischen Fundstelle, der Olduvai-Schlucht in Tansania, wurde eine auffällige räumliche Anordnung von Knochenresten und Steinwerkzeugen entdeckt, die auf eine gezielte Zerlegung eines Großtieres vor etwa 1,8 Millionen Jahren hindeutet. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie veröffentlicht und liefern wichtige Hinweise auf die Ernährungsstrategien früher Homininen.

Räumliche Taphonomie: Forscher lösen Rätsel um Elefantenschlachtung

Für die Forschung stellte es lange Zeit ein ungelöstes Problem dar, wie Menschen vor etwa 1,8 Millionen Jahren mit der imposanten Megafauna interagierten. In diesen Lebensräumen existierte unter anderem Elephas (Palaeoloxodon) recki, eine Elefantenart, die doppelt so groß und schwer war wie der heutige afrikanische Elefant.

In der klassischen Archäologie werden Schlachtungsprozesse in der Regel durch Schnittspuren identifiziert, die Steinwerkzeuge auf Knochen hinterlassen. Bei Tieren dieser Größe fehlen solche Spuren jedoch häufig, was sich durch die enorme Muskelmasse und den umfangreichen Weichteilanteil erklären lässt, der die Knochenoberflächen vor direkten Eingriffen schützt.

Die räumliche Taphonomie befasst sich mit der Analyse der Lagebeziehungen zwischen Steinartefakten und Knochenmaterial innerhalb einer Fundstelle, um Rückschlüsse auf menschliche Aktivitäten zu ermöglichen. Durch den Vergleich mit weiteren Fundplätzen konnten die Forscher überzeugende Hinweise darauf gewinnen, dass frühe Menschen systematisch die Überreste großer Tiere zerlegten.

So gelang es Archäologen mithilfe der Methode, die Beteiligung von Homininen, höchstwahrscheinlich dem Homo erectus, an der Zerlegung eines eiszeitlichen Elefanten zu rekonstruieren.

Fund offenbart die Evolution des menschlichen Gehirns

Im Zentrum der Untersuchung stand nicht die Rekonstruktion prähistorischer Ernährungsweisen, sondern vielmehr die Entwicklung des menschlichen Gehirns sowie der sozialen Organisation. Die Forscher suchten dabei gezielt nach empirischer Unterstützung für die in der Wissenschaft etablierte „Hypothese des energieaufwendigen Gewebes“.

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Diese besagt, dass mit der Zunahme des Gehirnvolumens bei frühen Menschen ein deutlich erhöhter Bedarf an energiereicher Nahrung einherging, insbesondere an Fett und Protein. Große Säugetiere wie Elefanten stellen in diesem Zusammenhang äußerst konzentrierte Energiequellen dar. Bereits die Verwertung eines einzelnen Tieres konnte einen erheblichen Kalorienüberschuss erzeugen, der ausreichte, um eine Gruppe über einen längeren Zeitraum zu versorgen.

Die Zerlegung eines solchen Großtieres war jedoch eine erhebliche Herausforderung. Sie erforderte nicht nur geeignete und effektive Steinwerkzeuge, sondern auch ein hohes Maß an koordinierter Zusammenarbeit. Es ist anzunehmen, dass Teile der Gruppe den Kadaver gegen große Beutegreifer wie Säbelzahnkatzen oder Riesenhyänen sichern mussten, während andere Individuen mit der Gewinnung von Fleisch und Knochenmark beschäftigt waren.

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Neue Wahrnehmung von Umweltbedingungen durch den Menschen

Die Befunde legen nahe, dass frühe Menschen bereits vor etwa 1,8 Millionen Jahren ein beachtliches Niveau sozialer Organisation sowie ein ausgeprägtes Verständnis der Umweltbedingungen hatten. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Jagdstrategien in Abhängigkeit von der Gruppengröße variierten. Ein vergleichbares Muster findet sich bei heutigen Löwenpopulationen, bei denen kleinere Gruppen bevorzugt mittelgroße Beutetiere jagen, während größere Verbände auch in der Lage sind, deutlich wehrhaftere Tiere zu erbeuten.

Insgesamt interpretieren die Forschenden diese Entwicklung so, dass frühe Homininen große Tiere nicht ausschließlich als Bedrohung wahrnahmen, sondern zunehmend als entscheidende Ressource für ihr Überleben erkannten.