Die 1942 in der Höhle Arene Candide in Ligurien entdeckten Skelettreste eines Jungen wurden erneut im Rahmen einer neuen Studie wissenschaftlich untersucht. Eine detaillierte Knochenanalyse mit dreidimensionalen Oberflächenmodellen bestätigte Verletzungen im Schulter- und Kopfbereich. Die Spuren an den Knochen deuten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen tödlichen Bärenangriff hin.
Auch interessant
Tod vor 28.000 Jahren: Rätsel um Steinzeit-Prinz gelöst
Der außergewöhnliche Fund eines Teenagers in einer Höhle im heutigen Norditalien fasziniert die Forschung seit der Entdeckung. Besonderes wissenschaftliches Interesse galt der aufwendig gestalteten Bestattung. Der Tote war auf einer Schicht aus rotem Ocker gebettet und mit einem Kopfschmuck aus mehreren Hundert durchbohrten Muscheln und Hirschzähnen versehen. Hinzu kamen Elfenbeinanhänger sowie eine Feuersteinklinge. Aufgrund dieses außergewöhnlichen Grabbefundes erhielt er den Beinamen „Il Principe“ (Der Fürst).
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Die sterblichen Überreste werden Freitag (30. Januar) im Archäologischen Museum von Ligurien aufbewahrt. Forschern wurde die Entnahme einzelner Knochen zur Rekonstruktion und Analyse gestattet, um die Todesursache des etwa 14 bis 17 Jahre alten Jugendlichen zu klären. In der im Dezember im Journal of Anthropological Sciences veröffentlichten Studie berichten die Wissenschaftler von schweren Verletzungen im Kopf- und Schulterbereich.
Die Befunde sprechen nach Einschätzung des Forschungsteams für einen tödlichen Bärenangriff. Eine etwa zehn Millimeter lange lineare Spur an der linken Schädelseite, die unterhalb der Muschelauflage lag, entstand zum Todeszeitpunkt und weist die charakteristische Form eines Klauenkratzers auf. Zusätzlich wurde am rechten Knöchel eine tropfenförmige Vertiefung festgestellt, die ebenfalls vor dem Tod entstand und vermutlich durch einen kegelförmigen Gegenstand wie einen Zahn verursacht wurde.
Auch interessant
Opfer erlag den Verletzungen Tage später
Im Zuge der Untersuchungen kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass der Steinzeit-Teenager den Angriff zunächst überlebte. Darauf weisen mikroskopische Anzeichen von beginnenden Heilungsprozessen am Knochen hin. Es wird angenommen, dass der Verletzte von Mitgliedern seiner Sippe im Rahmen der in der Steinzeit verfügbaren Möglichkeiten versorgt wurde.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Trotz der erheblichen Verletzungen scheinen zunächst keine großen Blutgefäße betroffen gewesen zu sein. Als mögliche Todesursachen nennen die Autoren der Studie eine sekundäre Hirnverletzung, innere Blutungen oder ein multiples Organversagen.
Verletzungen könnten von einem Braunbären oder einem Höhlenbären stammen
Obwohl Bären in der Regel die Nähe zum Menschen meiden, könnte es im Zusammenhang mit einer Jagd oder beim Sammeln von Pflanzen zu einer zufälligen Begegnung gekommen sein. Die Art der Verletzungen spricht entweder für einen Braunbären oder für den heute ausgestorbenen Höhlenbären.
Zudem vermuten die Wissenschaftler, dass das außergewöhnlich aufwendige Begräbnis Ausdruck eines rituellen Umgangs mit dem traumatischen Ereignis innerhalb der Gemeinschaft gewesen sein könnte. Damit sehen die Forscher das seit nahezu acht Jahrzehnten bestehende Rätsel um den Tod des steinzeitlichen Jugendlichen als weitgehend geklärt an.
Auch interessant
Die Grabstätte in der Höhle Arene Candide wird auf einen Zeitraum zwischen etwa 28.000 und 27.400 Jahren vor heute datiert. Für zukünftige Forschung erhoffen sich die Wissenschaftler die Genehmigung weiterführender Analysen, etwa eines Amelogenin-Tests am Zahnschmelz oder genetischer Untersuchungen, um das biologische Alter des Individuums noch präziser bestimmen zu können.










