Rauchsäulen über den Städten, abgefackelte Busse, auf Flughäfen herrscht Panik: Am Sonntag ist Mexiko binnen weniger Stunden in einen Ausnahmezustand geraten. Bilder des Chaos überschwemmten die sozialen Netzwerke, Airlines sagten kurzfristig Flüge ab, Piloten mussten teils sogar noch vor der Landung wieder umkehren.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Auslöser der Eskalation: In einer spektakulären Polizeioperation wurde Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“, tödlich verletzt. Er galt als Boss des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación, einem der mächtigsten Kartelle des Landes. Die USA hatten für Hinweise zur Ergreifung des Drogenbarons eine Belohnung von 15 Millionen Dollar ausgesetzt. Medienberichten zufolge kamen bei dem Zugriff am Sonntag außerdem mindestens sechs weitere hochrangige Kartellmitglieder ums Leben.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Tötung von „El Mencho“ ist der bedeutendste Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle seit der Festnahme der Drogenbosse Joaquín „El Chapo“ Guzman und Ismael „El Mayo“ Zambada, die in den USA in Haft sitzen. Der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau begrüßte den Einsatz der mexikanischen Armee und bezeichnete „El Mencho“ als „einen der blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse“. Es sei „eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die Welt“, fügte er hinzu.

Auch interessant

Jalisco-Kartell der Neuen Generation: Das ist über die Gruppe bekannt

Das 2009 von „El Mencho“ gegründete Kartell Jalisco Nueva Generación gilt als besonders gewalttätig und ist eines der mexikanischen Drogenkartelle, die US-Präsident Donald Trump als terroristische Organisation eingestuft hat. Die US-Behörden legen dem Kartell zur Last, Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl aus Mexiko über die Grenze in die USA zu schmuggeln.

Laut dem US-Leitfaden zur Terrorismusbekämpfung hat sich das Jalisco-Kartell, auch bekannt als CJNG, zum wichtigsten Rivalen des Sinaloa-Kartells entwickelt. „El Mencho“, Gründer und Anführer der Gruppe, trieb die Expansion seines Kartells voran – vor allem durch Abkommen mit lokalen Banden außerhalb der Stammregionen Jalisco, Nayarit und Colima.

Auch interessant

Die US-Regierung schätzt die Mitgliederzahl des Kartells auf 15.000 bis 20.000, die jährlich Milliardeneinnahmen erwirtschaften. Ihre Aktivitäten reichen von Drogenhandel und Erpressung über Treibstoffdiebstahl und Entführungen bis hin zu illegalem Holzeinschlag und Bergbau sowie Menschenschmuggel.

Das Kartell schreckt dabei vor brutalen Methoden nicht zurück. Es setzt auf extreme Gewalt und Einschüchterung seiner Gegner, verübt öffentliche Hinrichtungen, stellt Leichen offen zur Schau und verbreitet Aufnahmen der Gräueltaten in sozialen Netzwerken. Auch Vertreter des Staates – Politiker, Richter und Polizisten – wurden in der Vergangenheit wiederholt zu Opfern. Aufgrund dieser grausamen Bilanz stufte das US-Außenministerium das Kartell im vergangenen Jahr offiziell als ausländische Terrororganisation ein.

„El Mencho“: Vom Bauernsohn zum gefürchteten Drogenboss Mexikos

Nemesio Oseguera Cervantes, 1966 als Sohn armer Bauern in Mexiko geboren, wanderte als Teenager nach Kalifornien aus. Dort wurde er bereits als junger Mann zweimal wegen Drogenhandels angeklagt. Nach seiner zweiten Festnahme kehrte er nach Mexiko zurück, arbeitete Berichten zufolge zeitweise als Polizist und heiratete 1996 Rosalinda González Valencia – eine Nichte des einflussreichen Bandenchefs Armando Valencia. Das berichtet unter anderem die „New York Times“.

Nemesio Oeguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“.
Nemesio Oeguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“.© AFP | ALFREDO ESTRELLA

Bald darauf schloss sich Oseguera einem Anführer des Sinaloa-Kartells an, führte dann eine Abspaltung, aus der in den 2010er-Jahren das Jalisco-Kartell der Neuen Generation (CJNG) entstand. Unter Osegueras Führung soll die Gruppe rasch Macht erlangt haben und durch Angriffe gegen Sicherheitskräfte und Einschüchterung ganzer Gemeinden berüchtigt geworden sein.

„La Jefa“: Das weiß man über die Ex-Frau des Drogenbosses

Wie das argentinische Nachrichtenportal „Infobae“ schreibt, war die 1963 geborene Rosalinda González Valencia, ein Schlüsselmitglied der kriminellen Organisation. Auch unter ihrem Alias „La Jefa“ (Die Chefin) bekannt, war Gonzáles Valencia bis 2018 mit „El Mencho“, dem meistgesuchten Drogenboss Mexikos, verheiratet.

2018 wurde „La Jefa“ im mexikanischen Zapopan (Jalisco) wegen des Verdachts auf Geldwäsche festgenommen. Nach Zahlung einer Kaution kam sie jedoch laut dem mexikanischen Nachrichtenportal „Reporte Indigo“ wieder auf freien Fuß. Die Behörden nahmen sie 2021 wegen des gleichen Vorwurfs erneut fest. Anders als beim ersten Mal blieb sie diesmal in Haft und wurde zwei Jahre später zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Mittlerweile ist „La Jefa“ jedoch wieder auf freiem Fuß.

Auch interessant

Leaks enthüllen Identität von El Menchos Freundin

Rund um die tatsächliche Identität und Rolle der letzten Lebensgefährtin des CJNG-Anführers „El Mencho“ ranken sich viele Rätsel. Sie soll erst durch einen massiven Hackerangriff der Guacamaya-Leaks-Gruppe auf die mexikanische Regierung im Jahr 2022 bekannt geworden sein. Durch ein durchgesickertes Dokument des Verteidigungsministeriums soll ans Licht gekommen sein, dass Guadalupe Moreno Carillo die letzte Partnerin von „El Mencho“ war.

Auch interessant

Sie soll rund 50 Jahre alt sein und möglicherweise selbst eine aktive Rolle im kriminellen Netzwerk spielen. In den Sedena-Dokumenten wird sie unter der Rubrik „Regionale Koordinatoren und Plaza-Bosse“ des CJNG aufgeführt. Da „El Mencho“ den offiziellen Unterlagen zufolge elektronische Kommunikationsmittel mied und stattdessen Briefe nutzte, deutet vieles darauf hin, dass auch seine letzte Lebensgefährtin ein Leben im Verborgenen führen musste.

„El Menchito“: Sohn von „El Mencho“ in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt

Der älteste Sohn von „El Mencho“, Rubén Oseguera González alias „El Menchito“, gilt als Schlüsselfigur im Fentanyl-Handel und als rechte Hand im Kartell. Er wurde mehrfach festgenommen, blieb jedoch seit Juni 2015 dauerhaft in Haft und wurde 2020 an die USA ausgeliefert. Dort verurteilte ihn ein Gericht am 7. März zu lebenslanger Haft plus 30 Jahren – vor allem wegen Waffenhandels und Drogenexport.

Auch interessant

Jessica Oseguera González, genannt „La Negra“, ist die älteste Tochter von „El Mencho“. Sie war das erste seiner Kinder, das wegen Geldwäsche im Umfeld des Jalisco-Kartells (CJNG) verhaftet wurde. Im Februar 2020 nahmen US-Behörden sie in Washington fest. Nach ihrem Geständnis, die Finanzgeschäfte für das Kartell mitgesteuert zu haben, wurde sie zu 30 Monaten Haft verurteilt. Im März 2022 kam Jessica Oseguera González wieder frei.

Die jüngste Tochter von „El Mencho“, Laisha Michelle Oseguera González, lebt offenbar seit 2022 in den USA. Sie wurde beschuldigt, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten zwei mexikanische Marinesoldaten entführt zu haben. Nach Angaben von „Illicit Investigations“ droht ihr jedoch keine Anklage in den USA. Nach der Festnahme ihres Freundes im November 2024 ist sie weiterhin auf freiem Fuß.

mit Agenturen