Las Vegas zählte jahrzehntelang zu den Städten, die viele Menschen in die Kategorie „muss ich mal gesehen haben“ einordnen. Entweder, weil die schillernde Welt der Unterhaltung lockte, oder die Versuchung, in einem der unzähligen Casinos viele grüne Dollarscheine zu verzocken. Doch das war einmal. Derzeit kämpft der Mythos Las Vegas eher darum, seine Anziehungskraft nicht zu verlieren. Denn die Metropole steckt in einer tiefen Krise.

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Nach Angaben der Las Vegas Convention and Visitors Authority, dem Messezentrum der Stadt, besuchten 2025 rund 38,5 Millionen Menschen die Stadt im US-Bundesstaat Nevada – 7,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Las Vegas ist ein prominentes Beispiel angesichts schwacher Tourismuszahlen im gesamten Land, in dem die Zahl der ausländischen Touristen 2025 nach Daten der International Trade Administration um 4,2 Prozent sank – obwohl der Tourismus weltweit boomt.
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„Der wirtschaftliche Erfolg hier in Las Vegas hängt stark vom Konjunkturzyklus der US-Wirtschaft ab“, sagte Andrew Woods, Direktor des Zentrums für Wirtschafts- und Unternehmensforschung an der Universität von Nevada, gegenüber der „New York Times“. „Wir sind oft ein Indikator, manchmal sogar ein Vorbote dessen, wohin sich die US-Wirtschaft entwickelt, ob sie wächst oder schrumpft.“
Las Vegas in der Krise: 3.000 statt wie sonst üblich 20.000 Dollar Umsatz pro Tag
Den Einbruch bei den Besucherzahlen bekommen nicht nur große Hotelbetreiber am berühmten Las Vegas Strip zu spüren. „Im Vergleich zum letzten Jahr läuft es so schlecht, dass es fast zum Erliegen gekommen ist“, sagte Fernanda Orozco, Filialleiterin eines Souvenirladens, gegenüber der „NYT“. Früher, so Orozco, habe man samstags 21.000 Dollar (17.600 Euro) Umsatz gemacht, im Sommer 2025 seien es eher 3.000 (2.500 Euro) Dollar gewesen.
Ein Grund für die Las-Vegas-Krise: die Machtgebärden von Donald Trump. Unter anderem löst die teils menschenverachtende Einwanderungspolitik des US-Präsidenten in Kombination mit den verschärften US-Visa-Bestimmungen bei vielen potenziellen Urlaubern Angst aus. Was, wenn bei der Einreise irgendwas schiefläuft? Erst im Dezember hatte die US-Grenzschutzbehörde vorgeschlagen, dass Touristen bei der Einreise künftig ihre Social-Media-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenlegen müssen.
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Mit der Androhung, Kanada annektieren und das Land zum „51. Bundesstaat“ machen zu wollen, schoss sich Trump im Mai 2025 zudem ein Eigentor. Kanadier sind traditionell die größte ausländische Besuchergruppe in Las Vegas. Auf die Annexionsfantasien des US-Präsidenten reagierten viele Kanadier mit einer Reisestornierung. Der Anteil der Kanadier an ausländischen Touristen sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 23 Prozent, was zu einem Verlust von satten vier Milliarden US-Dollar für die US-Wirtschaft führte, berichtet „The Independent“.
Hinzu kommen die teils krassen Preissprünge in Restaurants, Hotels und für Unterhaltungsshows in Las Vegas. Konnte die Casinostadt in der Vergangenheit vor allem in Sachen günstige All-you-can-eat-Restaurants und preiswerte Unterkünfte punkten, setzt die Stadt inmitten der Mojave-Wüste in den vergangenen Jahren immer mehr auf Exklusivität. Was auch die Preise zum Explodieren brachte.
US-Amerikaner in Las Vegas: „Der Mittelstand hat diese Stadt aufgebaut“
„Der Mittelstand hat diese Stadt aufgebaut. Aber jetzt kann er sich diese Stadt nicht mehr leisten“, zitiert „Business Insider“ einen US-Amerikaner, der seit 25 Jahren zweimal im Jahr zum Zocken nach Las Vegas fliegt. Ob er diese Tradition fortführen wird, sei aktuell ungewiss. „Der Mindesteinsatz an den Blackjack-Tischen liegt meist bei 25 Dollar. Wenn du nicht in den ersten Runden gewinnst, ist es mit einem schmalen Budget aus“, sagt er. Früher habe er stundenlang auch mit niedrigen Einsätzen spielen können.
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Der Deutsche Thomas Stüttgen erzählte gegenüber der „NYT“, er habe 100 Dollar für ein Frühstück ausgegeben, das ihn in Deutschland wahrscheinlich nur 30 Dollar gekostet hätte. Auch die Hotels haben ihre Preise deutlich angezogen, so kostet ein normales Doppelzimmer mittlerweile im Schnitt mindestens 183 Dollar (153 Euro) pro Nacht. Hinzu kommen Resortgebühren und damit Hotel-Extrakosten für W-Lan, Fitnessstudio und andere Zusatzleistungen von bis zu 50 Dollar pro Nacht. Viele Urlaubswillige entscheiden sich daher auch aus Preisgründen gegen den Spaßtrip nach Nevada.
Einnahmen beim Glücksspiel sinken seit 1990er Jahren um mehr als die Hälfte
Zumal die Faszination Glücksspiel zumindest in Bezug auf Las Vegas deutlich abgenommen hat. So seien die Einnahmen beim Glücksspiel im Vergleich zu den 1990er Jahren auf weniger als die Hälfte gesunken, sagte Timothy Fong, Co-Direktor des Gambling Studies Program an der University of California in Los Angeles, gegenüber der „NYT“.
Große Hoffnungen liegen in diesem Jahr auf den Mega-Sportevents, wie der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer und dem Formel-1-Grand-Prix im November. Zudem haben viele Hotels und Casinos auf das Wegbleiben der kanadischen Gäste reagiert und akzeptieren mittlerweile kanadische Dollar, um mehr Service bieten zu können. Sogar den derzeit schlechten Wechselkurs gleichen viele Anbieter aus, indem sie die Währung 1:1 in US-Dollar tauschen. Ob das alles am Ende ausreicht, um Las Vegas aus der Krise zu holen?






