Der britische Prinz Harry hat Boulevardmedien vorgeworfen, das Leben seiner Frau Meghan „zur Qual“ gemacht zu haben. Das Vorgehen der von ihm verklagten Zeitungen sei „schrecklich“ gewesen, sagte der 41-Jährige am Mittwoch in London in einem von ihm und anderen Prominenten angestrengten Prozess. Der jüngere Sohn von König Charles III. zeigte sich bei seiner Aussage vor dem High Court sehr bewegt und war offensichtlich den Tränen nahe.

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Der Prozess richtet sich gegen den Verlag der Bouilevardzeitung „Daily Mail“, dem illegale Informationsbeschaffung vorgeworfen wird. Zu den Klägern gehören neben Prinz Harry unter anderen Popstar Elton John und dessen Ehemann David Furnish sowie die Schauspielerinnen Elizabeth Hurley und Sadie Frost.
Eigentlich sollte der jüngere Sohn von König Charles III. (77) erst am Donnerstag aussagen. Dass ein Royal überhaupt vor Gericht auftritt, ist ein außergewöhnliches Ereignis. „Never explain, never complain“ (nie erklären, nie beschweren) sei die Vorgabe des Palasts gewesen, sagte der 41-Jährige gleich zu Beginn des Kreuzverhörs, in dem er zunächst dem Anwalt der Gegenseite Rede und Antwort stehen musste. Deswegen habe er sich nicht über die teils lange zurückliegende Berichterstattung beschweren können.
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Harry im Zeugenstand: Sohn von König Charles III. wirkt angespannt
Von dem Selbstbewusstsein, mit dem Harry das Gerichtsgebäude betreten hatte - er lächelte und zeigte der wartenden Presse einen Daumen hoch – war im Zeugenstand zunächst nichts mehr zu spüren. Harry wirkte angespannt. Der Richter musste ihn mehrfach ermahnen, nicht selbst die Argumentation zu übernehmen. „Ihre Rolle ist einfach, die Fragen so gut wie möglich zu beantworten“, sagte der Richter an den Royal gerichtet. Das Gericht müsse den Kontext verstehen und was es bedeute, 24 Stunden am Tag unter Beobachtung zu stehen, rechtfertigte sich Harry.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Unter anderem sollen Privatdetektive damit beauftragt worden sein, Telefongespräche und Mailbox-Nachrichten abzuhören, sogar Wanzen sollen zum Einsatz gekommen sein. Beim sogenannten Blagging sollen sich Journalisten und deren Helfer unter Angabe einer falschen Identität Zugang zu persönlichen Daten wie Krankenakten und Bankauszügen verschafft haben.
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Die Gegenseite argumentiert hingegen, die Informationen seien von Harrys Umfeld an die Presse gegeben worden. „Mein soziales Umfeld war nicht undicht, ich möchte das absolut klarstellen“, konterte Harry in unterkühltem Ton die Versuche von ANL-Anwalt Antony White, Zweifel an der Darstellung der Kläger zu säen.
Klage gegen „Daily Mail“. Darum ist die Beweislage schwierig
Die Beweislage ist schwierig: Im Fall von Prinz Harry hat das Anwaltsteam der Kläger 14 Zeitungsartikel vorgelegt, bei denen sie von einer illegalen Informationsbeschaffung ausgehen. Es geht darin unter anderem um die Beziehung zwischen Harry und seiner Ex-Freundin Chelsy Davy. Auf legalem Weg, so die Argumentation von Klägeranwalt David Sherborne, wäre es nicht möglich gewesen, an die teils intimen Informationen zu gelangen. Zudem will er anhand von Informationen zum Zahlungsverkehr eine enge Zusammenarbeit zwischen „Mail“-Journalisten und einschlägig bekannten Privatdetektiven aufzeigen.
Der Verdacht, dass ihn seine engsten Freunde und Mitarbeiter verraten haben könnten, hat Harry nach eigenen Angaben jahrelang schwer belastet. Das habe Misstrauen erzeugt und „mich unvorstellbar in Verfolgungswahn getrieben und isoliert“, so Harry laut einer schriftlichen Eingabe vor Gericht.
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Dass Harry bereit ist, ins Kreuzverhör genommen zu werden, bewies er bereits im Prozess gegen den „Mirror-Verlag“ – ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang für ein Mitglied der britischen Königsfamilie. Die Royals vermeiden solche Auftritte, um nicht ungewollt noch mehr aus ihrem Privatleben offenbaren zu müssen.
Doch der Prinz, der sich 2020 aus dem inneren Kreis der Royals löste und mit seiner Frau Herzogin Meghan (44) und den beiden gemeinsamen Kindern in den USA lebt, führt seit Jahren einen regelrechten Kreuzzug gegen die „Tabloid Press“, wie die britische Boulevardpresse genannt wird. Er will eigenen Angaben zufolge zeigen, dass die illegalen Methoden System hatten.
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Harry fürchtet, Schicksal seiner Mutter könnte Meghan treffen
Immer wieder hat Harry deutlich gemacht, dass er den Unfalltod seiner Mutter Prinzessin Diana 1997 in Paris den Paparazzi anlastet, die ihr und ihren Begleitern damals auf den Fersen waren. Mehrmals deutete er an, dass er befürchtet, seine Frau Meghan könne ein ähnliches Schicksal ereilen.
Auch den Austritt aus dem engeren Kreis der Königsfamilie und das Zerwürfnis mit Angehörigen auf beiden Seiten lastet er teilweise den Boulevardmedien an. Sie waren ihm seit seiner Kindheit auf Schritt und Tritt gefolgt.
In einer unmittelbar vor Harrys Aussage verbreiteten schriftlichen Einlassung betonte der Prinz, dass es ihm mit seiner Klage um „Wahrheit und Gerechtigkeit“ gehe - und das nicht nur für ihn selbst. „Diese Klage hat natürlich auch eine persönliche Komponente, motiviert durch Wahrheit und Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit, aber es geht nicht nur um mich“, erklärte der 41-Jährige. „Es gibt auch eine soziale Komponente, die all die Tausenden von Menschen betrifft, deren Leben aufgrund von Gier zerstört wurde.“
dpa












