In der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden haben Archäologen ein wahrscheinlich mehr als 600 Jahre altes Schiffswrack entdeckt. Bei Untersuchungen des Meeresbodens vor Kopenhagen fanden Taucher des dänischen Wikingerschiffsmuseums das außergewöhnliche Schiff aus dem Mittelalter. „Der Fund ist ein Meilenstein für die maritime Archäologie. Es handelt sich um die größte uns bekannte Kogge“, zitiert ein Statement den maritimen Archäologen und Ausgrabungsleiter Otto Uldum.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Ende Dezember gaben Wissenschaftler des Wikingermuseums die Entdeckung der Kogge bekannt, die sie nach dem Fundort „Svælget 2“ tauften. Das ungefähr im Jahr 1410 erbaute Schiff sei 28 Meter lang, 9 Meter breit und 6 Meter hoch. Die Svælget 2 wurde wohl vor allem als Frachtschiff genutzt und habe als solches eine Ladung von um die 300 Tonnen fassen können. In der Pressemitteilung bezeichnen es die Archäologen als „mittelalterliches Super-Schiff“, das neue Einblicke in den umfassenden Handel in Nordeuropa des Mittelalters geben könnte.
Das Wrack der Kogge biete eine einzigartige Gelegenheit, sowohl die Konstruktion als auch das Leben an Bord der größten Handelsschiffe des Mittelalters zu verstehen, so Ausgrabungsleiter Uldum. Der fortschrittliche Schiffstyp war vor allem in den Hansestädten von Ostsee und Nordsee verbreitet. In einer Tiefe von 13 Metern hatte sich das Wrack unter dem Meeressand erstaunlich gut erhalten. In Vorbereitung auf die Anlegung einer künstlichen Halbinsel mit neuem Stadtviertel vor Kopenhagen fanden die Taucher das Schiff.
- Dank geheimer Fotos: Polizei findet prall gefülltes Schatz-Grab
- Polen: Archäologen lösen 400 Jahre altes Rätsel um „Vampirfrau“
- Unterwasser-Archäologie: Wrack von legendärem U-Boot aus Zweitem Weltkrieg gefunden
- Kannibalismus: Archäologen machen schaurige Entdeckung in Jamestown-Kolonie
- Altes Ägypten: Krebsoperationen schon vor 4300 Jahren?
Schiffswrack vor Kopenhagen liefert entscheidenden Beweis für Schiffskastell
Heutzutage wird die Kogge in den meisten Darstellungen mit einem sogenannten Schiffskastell abgebildet, einer Art Aufbau auf dem Vorder- und Hinterdeck, der der Verteidigung und dem Schutz vor dem Wetter diente. Obwohl diese Kastelle auch auf vielen historischen Zeichnungen abgebildet sind, konnten lange Zeit keine Beweise für die Existenz der Kastelle an Wracks gefunden werden – bis jetzt. Vor Kopenhagen legten die Taucher auch Spuren der Aufbauten frei. Auch seien außergewöhnlich viele Teile der Takelage noch vorhanden gewesen. „Das haben wir noch nie zuvor gesehen“, so Uldum.

Eine andere Premiere in dänischen Gewässern ist der Fund des frühesten Beispiels einer aus Ziegelsteinen gebauten Kombüse. Hier konnten die Seeleute an einem offenen Feuer kochen – auf einem Holzschiff eigentlich lebensgefährlich. Neben Ziegelsteinen und Fliesen entdeckten die Archäologen Kochtöpfe aus Bronze, Keramikschüsseln sowie Überreste von Fisch und Fleisch.
„Wir haben noch nie zuvor eine gemauerte Kombüse in einem mittelalterlichen Schiffsfund aus dänischen Gewässern gesehen. Sie zeugt von bemerkenswertem Komfort und Organisation an Bord. Die Seeleute konnten nun warme Mahlzeiten ähnlich denen an Land zu sich nehmen, anstatt der trockenen und kalten Nahrung, die zuvor das Leben auf See geprägt hatte“, erklärte Uldum.
Auch interessant
Rätsel um Ladung: Was transportierte die Kogge?
Ein großes Puzzlestück des Fundes fehlt den Forschern jedoch: die Ladung. Von der fehlt bisher jede Spur. Möglich sei es, dass sie aus dem Laderaum weggeschwemmt wurde, vermuten sie. Dass es zum Zeitpunkt des Untergangs voll beladen war, erklären sich die Archäologen mit dem im Schiff fehlenden Ballast. Weil die Ladung schwer genug war, brauchten sie wohl keine zusätzlichen Gewichte an Bord.

Die Größe des Schiffes verrät den Wissenschaftlern einen Umbruch in der Gesellschaft. Nur weil der Handel damals einen enorm großen Stellenwert hatte, konnten die riesigen Koggen überhaupt erst gebaut werden. „Ein Schiff mit solch einer großen Ladekapazität war Teil eines strukturierten Systems, in dem die Händler wussten, dass es einen Markt für die von ihnen transportierten Waren gab“, kommentierte Uldum.
„Sie ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass Alltagsgüter gehandelt wurden. Die Schiffbauer bauten so große Schiffe wie möglich, um sperrige Güter – Salz, Holz, Ziegel oder Grundnahrungsmittel – transportieren zu können“, sagt Otto Uldum. War zuvor der Handel auf Luxus-Güter beschränkt, konnten mit den Koggen nun auch gewöhnlichere Waren transportiert werden.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Kogge: Das machte den Schiffstyp so wichtig für die Hansestädte
Die Forscher bestimmten das Alter der Kogge, indem sie das im Schiffsrumpf verwendete Holz analysierten. Demnach stammt das Holz aus Pommern im heutigen Polen sowie den Niederlanden. „Die Planken bestanden aus pommerscher Eiche, während die Spanten – die Schiffsrippen – aus den Niederlanden stammten“, heißt es in der Mitteilung. Das lasse darauf schließen, dass die Planken importiert worden seien, während die Spanten am Bauort in den Niederlanden zugeschnitten wurden. Dort habe man das nötige Know-how gehabt.
Besonders machte die Kogge ihre besonders robuste und effiziente Bauart: Selbst bei schwerer Beladung konnte sie von einer erstaunlich kleinen Besatzung gesegelt werden. Laut den Archäologen seien die großen Exemplare gebaut worden, um die gefährliche Reise zwischen den Niederlanden und den Handelsstädten der Ostsee zu bewältigen.
Die Kogge besaß einen breiten, bauchigen Rumpf, einen flachen Boden und meist nur einen Mast mit einem großen Rahsegel. Ab dem 13. Jahrhundert setzte sich die Kogge zunehmend gegen ältere Schiffstypen durch und prägte den Seehandel Nordeuropas über Generationen. Eng verbunden mit der Kogge war der Aufstieg der Hanse, eines mächtigen Netzwerks von Kaufleuten und Städten, das den Handel im nördlichen Europa dominierte. Städte wie Lübeck, Hamburg, Bremen oder Danzig profitierten von gemeinsamen Handelsregeln, Schutzabkommen und wirtschaftlicher Zusammenarbeit.









