Am Fuß eines markanten Felsvorsprungs im Norden Malawis haben Archäologinnen und Archäologen eine Entdeckung gemacht, die den Blick auf frühe menschliche Bestattungsrituale grundlegend verändert. In der Fundstätte Hora 1 stießen sie auf die Überreste eines rund 9500 Jahre alten Scheiterhaufens, samt verkohlter Knochen eines Menschen. Nach Angaben des Forschungsteams handelt es sich um die bislang älteste bekannte absichtliche Einäscherung in Afrika und zugleich um den weltweit ältesten sicher belegten Scheiterhaufen eines erwachsenen Menschen, wie sie in der im Fachblatt Science Advances veröffentlichten Studie schreiben.

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Die Spuren lagen unter einem natürlichen Felsüberhang, einem Ort, der schon seit Jahrzehnten als steinzeitliche Begräbnisstätte bekannt ist. Bereits in den 1950er-Jahren hatten Forscher dort menschliche Überreste entdeckt. Neue Ausgrabungen in den Jahren 2017 und 2018 brachten schließlich Ascheschichten und rund 170 Knochenfragmente zutage, vor allem von Armen und Beinen.
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Eine Frau, kurz nach dem Tod verbrannt
Die Analyse der Knochen ergab: Es handelte sich um eine erwachsene Frau, zierlich gebaut und etwa 1,50 Meter groß. Ihre Einäscherung erfolgte offenbar kurz nach dem Tod, noch bevor natürliche Zersetzungsprozesse einsetzten. Die Temperaturen auf dem Scheiterhaufen müssen laut Studie bei über 500 Grad Celsius gelegen haben. Um diese Hitze zu erreichen, waren mindestens 30 Kilogramm Totholz und Gras nötig und ständiges Nachlegen von Brennmaterial.
Ein Detail gibt den Forschern bis heute Rätsel auf: Schädel- oder Zahnreste wurden nicht gefunden. Da diese Teile bei Einäscherungen normalerweise erhalten bleiben, gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass der Kopf der Frau vor der Verbrennung entfernt wurde. Schnittspuren an einigen Knochen deuten zudem darauf hin, dass Teile des Körpers bearbeitet oder entfleischt worden sein könnten.
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Ein außergewöhnlicher Abschied
Besonders auffällig ist, dass diese Frau die einzige Person ist, die an der Fundstelle Hora 1 eingeäschert wurde. Alle anderen dort Bestatteten wurden in klassischen Erdgräbern beigesetzt. Warum ausgerechnet sie eine so aufwendige und ungewöhnliche Behandlung erhielt, bleibt offen. „Sie muss für ihre Gemeinschaft eine besondere Bedeutung gehabt haben“, erklärt eine der beteiligten Forscherinnen. Möglich sei ein Zusammenhang mit Erinnerungskultur oder Ahnenverehrung.
Einäscherungen sind bei Jäger-und-Sammler-Gesellschaften generell selten. Erst mit Sesshaftigkeit und komplexeren sozialen Strukturen wurden aufwendige Bestattungsrituale häufiger. Zum Vergleich: Der bislang älteste bekannte Scheiterhaufen weltweit stammt aus Alaska und ist etwa 11.500 Jahre alt, dort wurden die Überreste eines Kindes gefunden.
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Mehr als nur ein Feuer
Die Untersuchungen zeigen zudem, dass der Ort auch nach der Einäscherung weiter genutzt wurde. In den Jahrhunderten danach entzündeten Menschen immer wieder große Feuer an derselben Stelle – offenbar ohne weitere Bestattungen. Der Platz scheint eine besondere Bedeutung im sozialen Gedächtnis der Gemeinschaft gehabt zu haben.









