In einem Elitegrab in Lchashen in Armenien machten Archäologen bereits in den 1950er Jahren eine bemerkenswerte Entdeckung. Der außergewöhnliche Fund stammt aus der Bronzezeit, ist außergewöhnlich gut erhalten und gilt laut LiveScience als eines der frühesten bekannten Zeugnisse für Transportmittel. Die optische Gestaltung weckt Assoziationen mit dem Wilden Westen.

Ungewöhnliches Transportmittel fasziniert die Wissenschaft

In den 1950er Jahren stießen Bauarbeiter in der damaligen Sowjetunion im Zuge der Absenkung des Wasserspiegels des Sevan Sees in Armenien auf einen ausgedehnten antiken Friedhof. Mit mehr als 500 Gräbern und Hunderten von Grabbeigaben handelt es sich um einen archäologischen Fund von herausragender historischer Bedeutung. Besonderes Aufsehen erregte der Nachweis von zwei- und vierrädrigen Wagen sowie von Bronzemodellen von Streitwagen.

Als besonders außergewöhnlich gilt der sogenannte Lchashen Wagen, der sich durch einen bemerkenswert guten Zustand auszeichnet und in seinem Aussehen an einen Planwagen aus dem Wilden Westen erinnert. Die Konstruktion mit Speichenrädern auf Achsen verweist auf ein hohes Maß an technischer Innovationskraft in der frühen Bronzezeit. Der Wagen ist etwa zwei Meter lang, und jedes der hölzernen Räder bestand aus zwei miteinander verbundenen Holzplatten und erreichte eine Höhe von rund 160 Zentimetern. Diese Details beschreibt der Historiker Christoph Baumer in seinem Werk „History of the Caucasus“ als eindrucksvolles Zeugnis frühbronzezeitlicher Technik.

Auch interessant

Nach Einschätzung der Wissenschaftler wurde der Wagen laut dem Artikel vermutlich als symbolisches Transportmittel für einen verstorbenen Häuptling gefertigt, der auf diese Weise auf seiner Reise in die jenseitige Welt begleitet werden sollte.

Wunderwerk der Technik: Details überraschen Forscher

Nach heutigem Forschungsstand ist insbesondere die komplexe Rahmenkonstruktion des Wagens bemerkenswert. Mindestens 70 einzelne Bauteile wurden mithilfe eines ausgefeilten Zapfen-Schlitz-Systems aus passgenau bearbeiteten Holzelementen und Bronzebeschlägen miteinander verbunden. Allein der Rahmen des Baldachins erforderte mindestens 600 Zapfenlöcher sowie eine äußerst präzise handwerkliche Ausführung. Der Archäologe Stuart Piggott bezeichnete diese Konstruktion in einer Studie als ein technisches Meisterwerk der Bronzezeit.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Insgesamt konnten an der Fundstelle die Überreste von sechs Wagen aus Eichenholz freigelegt werden. Jeder dieser Wagen verfügte über vier Räder, die auf zwei Achsen montiert waren. Vier Exemplare zeigten die charakteristische Bauweise des besonders gut erhaltenen Lchashen-Wagens. Dieser ist heute im Geschichtsmuseum Armeniens in Eriwan ausgestellt und zugänglich.