Wissenschaftler haben in der Region Yorkshire einen bereits in den 1870er Jahren entdeckten Steinsarkophag einer detaillierten Untersuchung unterzogen. Das Objekt stammt aus der Zeit der Römischen Herrschaft in England und weist ein ungewöhnliches Bestattungsritual auf. Darüber hinaus gelang es den Teilnehmern eines Forschungsprojekts, in einer umgebenden Gussmasse unerwartete Abdrücke zu identifizieren, die womöglich DNA-Spuren enthalten.
Ungewöhnliches Bestattungsritual der Römer entdeckt
Die Fundstätte in York zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Bestattungsform aus. Der Tote, der in einen Steinsarg gelegt wurde, wurde zusätzlich in flüssigen Gips eingebettet. Der Gips, ein verarbeitetes Mineral, wurde in flüssigem Zustand über den Körper gegossen und verhärtete anschließend, sodass ein detaillierter Abdruck des Leichnams entstand. Durch dieses Verfahren konnten unter Umständen auch organische Materialien wie Kleidung oder ein Leichentuch konserviert werden.
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Die entstandenen Gips-Abdrücke der Toten erinnern an Pompeji, wo ähnliche „Skulpturen“ von Leichen entstanden, als die Bewohner von Asche bedeckt wurden. Wissenschaftler füllten die Hohlräume, in denen einst die Toten lagen, aus, wodurch detailgetreue Abbilder der Opfer des Vesuvausbruchs entstanden. Ähnlich ist es auch in York, wie das Team des Projekts „Seeing the Dead” berichtet.
Archäologen enthüllen außergewöhnliche Abdrücke
Beim Entfernen der umgebenden Sargverkleidung entdeckten die Forscher unerwartet einen deutlich erkennbaren Handabdruck. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Gips auf etwa 150 Grad Celsius erhitzt und anschließend in flüssiger Form über den Körper gegossen wurde, wie Maureen Carroll, römische Archäologin an der University of York, in einem Blogbeitrag des Forschungsprojekts erläutert. Die nachgewiesenen Fingerabdrücke widersprechen jedoch dieser Annahme.
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Stattdessen gehen die Wissenschaftler nun davon aus, dass die Gipsmischung eher die Konsistenz einer weichen Paste hatte, die mit der Hand aufgetragen wurde. Laut Carroll stellen die Abdrücke ein bemerkenswertes Zeugnis der engen und persönlichen Beziehung dar, die in der römischen Kultur zwischen den Lebenden und ihren Verstorbenen bestehen konnte. Zudem hoffen die Forscher, aus den Abdrücken weiterführende Informationen zur Person zu gewinnen, die für die Bestattung verantwortlich war. Im günstigsten Fall lassen sich anhand möglicher erhaltener DNA Reste sogar Aussagen zum genetischen Geschlecht treffen.






