Der Schweizer Filmproduzent und mehrfache Oscar-Preisträger Arthur Cohn ist tot. Er starb im Alter von 98 Jahren in Jerusalem. Das sagte der Chefredakteur der jüdischen Zeitschrift „Tachles“, Yves Kugelmann, der dpa nach einem Gespräch mit Cohns Angehörigen. Kugelmann war Anfang der Woche noch in Jerusalem, wie er berichtete, konnte Cohn aber nicht mehr persönlich treffen.

Mehrfacher Oscar-Gewinner Arthur Cohn ist tot – seine Beerdigung wird live gestreamt

Ein langjähriger Mitarbeiter von Cohn, Pierre Rothschild, verschickte per E-Mail eine Todesanzeige, die auch der dpa vorliegt. Er habe selbst mit Cohns Familie gesprochen, sagte er der dpa. In der Anzeige hieß es unter der Todesnachricht über Cohn: „Ein Mann mit Visionen und Kreativität, voller lebendiger Güte, ein Hüter Zions.“ Die Beerdigung soll nach diesen Angaben am Samstagabend stattfinden und auf einem YouTube-Kanal live gestreamt werden. 

Der vielfach ausgezeichnete Produzent lebte seit einigen Jahren bei seinem Sohn Emanuel, einem Schauspieler, in Jerusalem. Er war davor jahrzehntelang in Basel tätig gewesen.

Diese Prominenten sind 2025 gestorben

Mit nur 35 Jahren ist Tatiana Schlossberg, Umweltaktivistin und Enkelin von John F. Kennedy, gestorben.
Mit nur 35 Jahren ist Tatiana Schlossberg, Umweltaktivistin und Enkelin von John F. Kennedy, am 30. Dezember 2025 gestorben. © imago images / ZUMA Press | Sonia Moskowitz
Die französische Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot. Die frühere Schauspielerin starb am 28. Dezmeber 2025 im Alter von 91 Jahren in Saint-Tropez.
Die französische Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot. Die frühere Schauspielerin starb am 28. Dezmeber 2025 im Alter von 91 Jahren in Saint-Tropez.© AFP/dpa | Valery Hache
Uwe Kockisch
Schauspieler Uwe Kockisch am Set zur zweiten Staffel der ARD-Serie "Weissensee". Der als Commissario Brunetti der gleichnamigen ARD-Krimiserie bekannt gewordene Schauspieler Uwe Kockisch ist tot. Er starb am 23.12.2024 im Alter von 81 Jahren in Madrid.© Bernd Settnik/dpa | Bernd Settnik
Walter Schultheiß
Der Schauspieler Walter Schultheiß starb am 22. Dezember 2025 mit 101 Jahren.© SWR/Schwabenlandfilm/Sabine Hackenberg | SWR - Südwestrundfunk
Rosa von Praunheim wird 80
Der Regisseur Rosa von Praunheim starb am Mittwoch, 17. Dezember, in Berlin. Wenige Tage nachdem er seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Sechting geheiratet hatte.© picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Regisseur Rob Reiner
Hollywood-Regisseur Rob Reiner und seine Frau Michele sind am Sonntag, den 14. Dezember, tot in ihrem Haus aufgefunden worden. Ihr gemeinsamer Sohn Nick Reiner wurde als Tatverdächtiger festgenommen.© Rodrigo Reyes Marin/ZUMA Wire/dp | Rodrigo Reyes Marin
Ingrid van Bergen
Ingrid van Bergen starb im Alter von 94 Jahren in ihrem Zuhause in Niedersachsen. Sie sei friedlich eingeschlafen, sagte eine Vertraute.© Philipp Schulze/dpa | Philipp Schulze
Jimmy Cliff singt.
Der jamaikanische Reggae-Pionier Jimmy Cliff starb im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.© Wong Maye-E/AP/dpa | Wong Maye-E
Der deutsche Schauspieler Udo Kier ist im Alter von 81 Jahren gestorben.
Der deutsche Schauspieler Udo Kier ist im Alter von 81 Jahren gestorben.© Ralf Hirschberger/dpa | Ralf Hirschberger
Die Kessler-Zwillinge Alice und Ellen sind im Alter von 89 Jahren gestorben.
Die Kessler-Zwillinge Alice und Ellen sind im Alter von 89 Jahren gestorben.© Jörg Carstensen/dpa | Jörg Carstensen
Matthias Holtmann
SWR-Moderator Matthias Holtmann ist im Alter von 75 Jahren gestorben.© SWR/Tom Oettle | SWR - Südwestrundfunk
Der Schauspieler und Musiker Björn Andrésen (“Tod in Venedig“) starb vor dem 27. Oktober mit 70 Jahren.
Der Schauspieler und Musiker Björn Andrésen (“Tod in Venedig“) starb vor dem 27. Oktober mit 70 Jahren.© picture alliance / TT NYHETSBYR?N | Fredrik Sandberg/TT | picture alliance / TT NYHETSBYR?N | Fredrik Sandberg/TT
Die Schauspielerin June Lockhart ist am 23. Oktober 2025 im Alter von 100 Jahren gestorben.
Die Schauspielerin June Lockhart ist am 23. Oktober 2025 im Alter von 100 Jahren gestorben.© IMAGO | Everett Collection
Der frühere Gitarrist und Mitgründer der US-Band Kiss, Ace Frehley, ist Mitte Oktober im Alter von 74 Jahren gestorben.
Der frühere Gitarrist und Mitgründer der US-Band Kiss, Ace Frehley, ist Mitte Oktober im Alter von 74 Jahren gestorben.© Richard Drew/AP/dpa | Richard Drew
Menschen 83, Jack White
Der Musiker Jack White wurde am 16. Oktober 2025 tot in seinem Haus in Berlin gefunden. Er wurde 85 Jahre alt.© imago images/teutopress | via www.imago-images.de
Schauspielerin Diane Keaton lächelt.
Am 11. Oktober verstarb US-Schauspielerin Diane Keaton an den Folgen einer Lungenentzündung.© Chris Pizzello/Invision/AP/dpa | Chris Pizzello
"Goldene Feder" verliehen - Franz Josef Wagner
Der langjährige „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner starb im Alter von 82 Jahren.© Soeren Stache/dpa | Soeren Stache
Der Sohn der Musiklegenden Tina und Ike Turner ist in Los Angeles an Nierenversagen gestorben.
Der Sohn der Musiklegenden Tina und Ike Turner ist in Los Angeles an Nierenversagen gestorben.© Imago/UPI | IMAGO
Renowned primatologist Jane Goodall dies at 91: institute
Die berühmte Primatenforscherin Jane Goodall ist im Alter von 91 Jahren gestorben.© AFP | JOEL SAGET
Der Schauspieler Horst Janson, der als Freund von Tiffy und Samson in der „Sesamstraße“ zum Idol einer ganzen Kindergeneration wurde, stirbt am 28. Januar 2025 im Alter von 89 Jahren.
Der Schauspieler Horst Janson, der als Freund von Tiffy und Samson in der „Sesamstraße“ zum Idol einer ganzen Kindergeneration wurde, stirbt am 28. Januar 2025 im Alter von 89 Jahren.© dpa | Horst Ossinger
Der italienische Fotograf Oliviero Toscani, berühmt für seine Benetton-Werbemotive, stirbt am 13. Januar 2025 im Alter von 82 Jahren.
Der italienische Fotograf Oliviero Toscani, berühmt für seine Benetton-Werbemotive, stirbt am 13. Januar 2025 im Alter von 82 Jahren.© dpa | Daniel Bockwoldt

Arthur Cohn arbeitete mit 98 noch an einer Romanverfilmung

Arthur Cohn arbeitete im vergangenen Jahr noch an der Verfilmung des Romans „Der wiedergefundene Freund“ von Fred Uhlman. Er hatte das Drehbuch nach Angaben seines Sohnes Emanuel, der Schauspieler ist, 2022 weitgehend fertiggestellt. Im Mai 2025, drei Monate nach dem 98. Geburtstag seines Vaters, sagte Emanuel Cohn der Deutschen Presse-Agentur, das Projekt sei „etwas ins Stocken geraten“, sei aber weiter in Arbeit.

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Cohns Credo war Qualität statt Glamour. Er war befreundet mit Hollywood-Stars wie Al Pacino, Michael Douglas und Jodie Foster. Große Schauspielerinnen wie Faye Dunaway oder Liv Ullmann bewunderten öffentlich seinen Charme. In seinen Filmen gab er aber meist unbekannteren Schauspielern und Regisseuren den Vorzug.

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Arthur Cohn wünschte dem Kino „weniger Spezialeffekte, Sex und Gewalt“

„Ich habe stets versucht, menschliches Kino zu kreieren und mich von der Emotionalität der Geschichte leiten zu lassen“, sagte Cohn nach der Auszeichnung in Berlin 2019 der Schweizer Zeitung „Blick“. „Ich wünsche dem heutigen Kino weniger Spezialeffekte, Sex und Gewalt, dafür mehr humanistische Werte.“

Cohn legte bei seinen Filmen Wert auf subtiles und poetisches Material. Paradebeispiel ist „Das etruskische Lächeln“ (2018) nach einem Roman von José Luis Sampedro, der bei der Berlinale begeistert gefeiert wurde. Es geht darin um einen kauzigen Schotten, der nach einem Leben auf einer entlegenen Insel aus Gesundheitsgründen zu seinem Sohn nach San Francisco zieht, zwar wenig mit dessen modernem Lebensstil anfangen kann, aber trotzdem wieder Lebensfreude findet.

Cohn behielt bei seinen Produktionen stets die Fäden vom Drehbuch bis zum endgültigen Schnitt in der Hand und produzierte meistens mit kleinem Budget. „Das etruskische Lächeln“ kostete zwölf Millionen Dollar. Das ist ein Bruchteil von dem, was Actionthriller kosten, die mit Budgets von mehr als 280 Millionen Dollar zu Buche schlagen können.

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Arthur Cohn: Für diese Filme erhielt er sechs Oscars

Für drei Dokumentarfilme bekam Cohn als Produzent gemeinsam mit anderen Nominierten Oscar-Trophäen, darunter im Jahr 2000 für „Ein Tag im September“ über den Anschlag einer palästinensischen Terrororganisation auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München. 1962 gewann er die Auszeichnung für „Nur Himmel und Dreck“. Darin geht es um eine ehemalige niederländische Kolonie in Südostasien. 1991 bekam er den Oscar für „American Dream“ über den Arbeitskampf von US-Fabrikarbeitern in den 1950er Jahren. 

Drei weitere von Cohn produzierte Filme wurden mit Oscars als beste fremdsprachige Filme gekrönt: das italienisch-deutsche Filmdrama „Der Garten der Finzi Contini“ (1972), den Antikriegsfilm „Sehnsucht nach Afrika“ (1977) und das Schach-Drama „Gefährliche Züge“ (1985). Nach den Oscar-Regeln gehen diese Trophäen aber nicht an den Produzenten, sondern an den Film als Ganzes und das Land, das ihn einreicht. 

Cohns Rat an junge Filmschaffende: „Weg von den Computern und Tablets!“

Cohn freute sich über die Renaissance des Dokumentarfilms. „Man will weg von diesem ‚fake‘ und zurück zur realen Welt, zu echten menschlichen Geschichten“, sagte er dem Schweizer „Tages-Anzeiger“ 2018. „Deshalb ist mein Rat an junge Menschen, insbesondere Dokumentarfilmer: Weg von den Computern und Tablets! Augen öffnen, Menschen zuhören, Geschichten aufnehmen!“

Cohns Mutter war am Kurfürstendamm in Berlin aufgewachsen, heiratete einen Schweizer Anwalt und zog deshalb nach Basel, wo Cohn geboren wurde. Er studierte internationales Recht und arbeitete dann jahrelang als Radiojournalist, ehe er über die Produktion von Drehbüchern im Film-Geschäft landete.

Cohn hat sein Privatleben immer privat gehalten. Er betrachtete seine Filme als sein Vermächtnis. Beim Film „Das etruskische Lächeln“ wirkte sein Sohn Emanuel als Schauspieler, seine Tochter Nurith als musikalische Leiterin mit.

dpa/viv