Damit dürften die Ermittler wohl nicht gerechnet haben. Bei einer Razzia in Remscheid, Nordrhein-Westfalen, hat die Polizei ein gigantisches Waffenlager ausgehoben – und dabei überraschende Funde gemacht. Spezialeinsatzkräfte stürmten am Sonntag das Haus eines 59-Jährigen aus Kasachstan, nachdem zuvor rund ein Jahr lang gegen ihn und zwei weitere Verdächtige (34, 37) ermittelt worden war.

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Im Keller stießen die Fahnder dann auf etwas, das wohl als bizarr beschrieben werden kann: Eine Art Museum, vollgestopft mit Kriegswaffen, Hand- und Mörsergranaten und Uniformen aus dem Zweiten Weltkrieg, dazu Hitlerbilder, Ferngläser, Fahnen. Auch Waffen und Gegenstände aus sowjetischer Produktion habe der 59-Jährige gehortet, heißt es von der Staatsanwaltschaft, sowie Waffen aus späteren Produktionsjahren. Es ist wohl einer der größten Waffenfunde in der Geschichte des Bundeslandes.
Und dabei war längst noch nicht jedes Schießeisen überhaupt entdeckt. Als die Beamten sich am Montag über den Grundriss des Hauses beugten, wurden sie stutzig. Müsste da nicht noch ein Raum sein, hinter einem Tresor? Tatsächlich. Am Dienstagnachmittag fanden die Ermittler einen versteckten Mechanismus, der die Tür zu einem Geheimraum öffnete – und der es sprichwörtlich in sich hatte: Gewehre, Pistolen und MPs, dazu 500 Schuss scharfe Munition, Gewehre mit Zielfernrohr und Schalldämpfer und zwei Handgranaten.
Alles funktionstüchtig, sagt das Landeskriminalamt. Ein besonders gefährlicher Fund: Eine der Granaten war instabil, musste auf einem Feld im Stadtgebiet gesprengt werden. Nicht weit entfernt von einem Supermarkt.

Waffenhandel über einen gewöhnlichen Kiosk
Das Waffenhaus hatte aber noch mehr Geheimnisse zu bieten. Der Grundriss deutete auf einen weiteren versteckten Raum hin – diesmal hinter einer Vitrine versteckt. Und auch der: Bis zur Decke vollgestopft mit Kriegsgerät. Ein „massives Depot schwerer Infanteriewaffen“ habe man dort entdeckt, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Wolf-Tilmann Baumert dem „Spiegel“. Rund ein Dutzend Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Kisten mit Munition, 90 weitere Waffen und: eine Mine. „Mit dem, was in diesem Raum allein lagert, hätten Sie eine gesamte Bundeswehrkompanie ausstatten können.“
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Eine stichprobenartige Überprüfung zeigte, dass die Waffen scharf sind oder verbotene scharfe Bauteile enthalten. Die Sprengmittel sollten noch am Mittwoch kontrolliert gesprengt werden.

Auf die Spur der Waffenhändler kamen die Ermittler nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft bereits im Mai 2024. Die Ermittlungen wurden anschließend deutlich ausgeweitet, auch die europäischen Ermittlungsbehörden Europol und Eurojust waren beteiligt. Im Zuge von Ermittlungen im Bereich der Organisierten Kriminalität hätten sich Hinweise ergeben, sagte Staatsanwalt Baumert dem „Spiegel“. Hinweise auf einen „Kiosk am Remscheider Markt“, an dem Waffen und Drogen zu beziehen seien.
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Verdeckte Ermittler machten sich ans Werk, wurden Kunden des Kiosks, erstanden im Dezember 2024 einen Revolver und später vier Maschinenpistolen aus russischer und tschechoslowakischer Produktion. Der Betreiber des Kiosks sitzt schon in Untersuchungshaft, 100 Gramm Kokain hatte man bei ihm entdeckt.

Viele Fragen offen
Unklar ist, wie der 59-Jährige überhaupt an dieses gewaltige Arsenal gekommen ist und wie lange er für seine Sammlung gebraucht hat. „Allein von der schieren Masse her brauchen Sie viel Zeit oder exzellente Kontakte, um das zusammenzutragen“, sagte Baumert dem „Spiegel“. Überraschend: Der Verdächtige war zuvor weder polizeilich aufgefallen, noch scheint er einer rechtsextremen Gesinnung anzuhängen oder im Reichsbürgermilieu unterwegs zu sein. Aktuell sitzt er in Untersuchungshaft, schweigt zu seinem Arsenal.
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Seine Festnahme erfolgte am Sonntagabend, da kam er gerade aus einem östlichen Nachbarland zurück. Zur Gefahrenabwehr hatten die Ermittler zugeschlagen, offenbar stand eine Waffenlieferung durch EU-Länder kurz bevor.
Nun wird das Haus des Kasachen gründlich durchsucht. Nicht ausgeschlossen, dass die Ermittler noch auf weitere Geheimräume stoßen. Oder Kundenlisten. Ermittelt wird wegen gewerbs- und bandenmäßigem Handeln mit Kriegswaffen. Und wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Es drohen bis zu zehn Jahre Haft.








