Tief in Brandenburg, mehr als eine Fahrstunde von Berlin entfernt, lenkt Norbert Schneeweiß seinen Wagen auf einen Feldweg. Die holprige Strecke führt vorbei an einem Hof, an einem großen Container, durch ein Tor ins Teichgebiet in Linum. Der Ort zählt zu den größten Rastplätzen für Kraniche. An manchen Tagen können bis zu 80.000 Vögel in den Gewässern hinter dem meterhohen Schilf nächtigen. Ehe sie am Morgen ausfliegen. An anderen Tagen zieht das Spektakel Touristen an, die mit Ferngläsern an Aussichtspunkten stehen. Doch unter den derzeitigen Umständen sind die Beobachter nicht erwünscht. Zu groß ist die Angst, dass auch Menschen das Virus – in welcher Form auch immer – weiter verbreiten könnten.
Ohnehin ist der große Teil der Tiere längst in Richtung Spanien unterwegs. Schneeweiß will heute das Zeitfenster bis zur Rückkehr der verbliebenen majestätischen Tiere nutzen, um in den Teichen nach toten Kadavern zu suchen – ein Kampf, um die Infektionswelle zu durchbrechen. Die Kadaver schnell zu entfernen, gilt als einzige effektive Möglichkeit, um Wildtiere zu schützen. Das hochansteckende Virus H5N1 beschäftigt Schneeweiß schon seit Tagen. Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe in Brandenburg haben er und freiwillige Helfer 1875 tote Kraniche eingesammelt. Würdelos mussten sie die Tiere auf Haufen stapeln, ehe sie in Container gepackt wurden, um sie zu entsorgen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Schneeweiß.




