Seit Jahren sorgen Erdbebenschwärme immer wieder für Aufregung an Italiens Supervulkan. Doch auch ein anderes Phänomen tritt in jüngerer Zeit wieder verstärkt auf: Von verschiedenen Orten im Gebiet der Phlegräischen Felder rund um den Ort Pozzuoli bei Neapel steigen Dampffontänen in den Himmel.
Bilder und Videos der Dampfwolken werden in sozialen Netzwerken rege geteilt. Anwohner sind besorgt: Sie deuten den Dampf als Anzeichen dafür, dass einer der gefährlichsten Vulkane der Welt Anstalten macht, wiederzuerwachen. Ob ihre Sorge berechtigt ist, erklärt der Vulkanologe Mauro di Vito im Gespräch mit dieser Redaktion.
- Forscher überrascht: Erdbeben – Bilder aus dem All zeigen katastrophalen Zusammenhang
- Vulkan-Gefahr: Santorini, Italien, Teneriffa – Hängen die Erdbeben zusammen?
- Santorini: Archäologie: Dieser Vulkan löschte schon einmal eine ganze Kultur aus
- Wissenschaftler alarmiert: Supervulkan bei Neapel: Neue Studie mit düsterer Prognose
- Deutschland: Experte erklärt, wo Vulkane ausbrechen könnten
Vulkanologe: Dampffontänen am Supervulkan haben simple Ursache
Das Phänomen der Dampffontänen ist Experten zufolge besonders nach Regenfällen zu beobachten, wenn das Wasser in den Untergrund sickert, dort von heißen Gesteinsschichten aufgeheizt und als Dampf wieder an die Oberfläche gedrückt wird. In den vergangenen Wochen hat es in der Region stark geregnet. Das führt dazu, dass die Dampfwolken derzeit besonders stark sind, wie auch Mauro Di Vito, Vulkanologe und Forscher am Institut für Geologie und Vulkanologie (INGV), betont: „Der stärkere Dampf ist den sinkenden Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit dieser Tage zuzuschreiben.“
Der Experte versucht, der Bevölkerung ihre Sorge vor einem drohenden Ausbruch zu nehmen. „Natürlich ist das Naturspektakel eindrucksvoll, aber es gibt keinen Grund zur Sorge“, so Di Vito gegenüber dieser Redaktion. Der zunehmende Dampf verursache allerdings ein praktisches Problem: Durch die hohe Feuchtigkeit komme es verstärkt zu Korrosion, weshalb Metallteile in Gebäuden häufiger als anderswo ersetzt werden müssen.
Experten verzeichnen immer wieder Schwarmbeben bei Neapel
Di Vito, der bis August Direktor des INGV war, weiß, wie sensibel die Anwohner auf jedes neue Phänomen rund um den Supervulkan reagieren. Neben den Dampffontänen sorgten in den vergangenen Tagen mehrere Schwarmbeben für Alarmstimmung. Nach Erschütterungen am Wochenende kam es auch am Montag zu einer Serie von Erdbeben. Insgesamt wurden 22 Erdstöße gemeldet, der stärkste mit einer Magnitude von 2,2. Zwar sind das keine schweren Beben, doch jederzeit könnte ein heftiger Erdstoß in den „Campi Flegrei“ folgen.
Jeder spürbare Erdstoß versetzt die Menschen in der Roten Zone – die im Falle eines Ausbruchs am stärksten gefährdet wäre – in Angst. Di Vito lässt sich von den Erschütterungen nicht beeindrucken. „Als Direktor des Instituts wurde ich bei jedem Beben mit einer Stärke über 1,5 geweckt und gerufen, die Lage zu kontrollieren. Viele dieser Erdstöße geschehen nachts – deshalb habe ich in meiner dreijährigen Amtszeit als Direktor wenig geschlafen“, scherzt Di Vito.
Lesen Sie auch: Forscher stoßen auf rätselhafte Risse unter Europas Supervulkan
Rund um den Supervulkan gilt Alarmstufe Gelb
Seit Jahrzehnten beobachtet der Forscher akribisch jede Entwicklung im Gebiet des Supervulkans. Messungen in der Altstadt von Pozzuoli zeigen seit 2005 eine Bodenhebung von einem Meter durch die unterirdischen Magmabewegungen. In wöchentlichen Sitzungen entscheidet der Zivilschutz auf Basis wissenschaftlicher Daten, ob die Alarmstufe angepasst werden muss.
Seit 2012 gilt die Warnstufe Gelb (früher: Grün). Bei einer Erhöhung auf Orange würden rund eine Million Menschen in der Gefahrenzone zur Evakuierung aufgefordert werden. Die höchste Stufe (Rot) würde eine Zwangsevakuierung auslösen. Laut Di Vito ist der Zivilschutz dauerhaft im Einsatz, um die Bevölkerung bestmöglich auf ein Evakuierungsszenario vorzubereiten.
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Im Falle eines Ausbruchs würde Alarmstufe 3 ausgerufen. Evakuierungsübungen finden regelmäßig statt – allerdings bleibt die Beteiligung der Bevölkerung unter den Erwartungen. „Wir beobachten den Supervulkan bis ins kleinste Detail, um der Bevölkerung zuverlässige Informationen zu geben. Die Menschen in der Region müssen jedoch auch selbst aktiv werden und an den Evakuierungstests teilnehmen. Fatalismus ist hier fehl am Platz“, warnt Di Vito.