Seit Jahren warnen Forscher in den USA vor einem Horrorszenario: einem gigantischen Erdbeben entlang der San-Andreas-Verwerfung, das in Kalifornien Millionenstädte wie San Francisco oder Los Angeles verwüsten könnte. Nun hat eine neue Studie entdeckt, dass das als „The Big One“ gefürchtete Erdbeben auch durch ein anderes Mega-Beben ausgelöst werden kann. Forscher sorgen sich vor einer Kettenreaktion, die unvorstellbare Zerstörung entlang der US-Westküste anrichten würde.

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Die Wissenschaftler untersuchten in der Studie mithilfe von Sedimentproben vergangene Erdbeben der weiter nördlich gelegenen Cascadia-Verwerfung. Die Erdschichten zeigten jedoch durch die Jahrtausende hinweg immer wieder die Ablagerungen von zwei zeitlich nah beieinander liegenden Mega-Beben. Die überraschten Studienautoren kamen zu dem Schluss: zwei der gefährlichsten Erdbebenzonen Nordamerikas stehen miteinander in Verbindung. Die Studie erschien bereits letzten Monat in der Fachzeitschrift „Geosphere“.
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Die mögliche Kettenreaktion werde die „größte Katastrophe der nordamerikanischen Geschichte“ sein, warnte Chris Goldfinger, Hauptautor der Studie und emeritierter Professor an der Oregon State University, gegenüber der „New York Times“. An der Cascadia-Verwerfung, die vom nördlichen Kalifornien bis zur kanadischen Vancouver-Insel reicht, schiebt sich die kleinere Juan-de-Fuca-Platte unter die Nordamerikanische Platte. Die dabei entstehende Spannung entlädt sich früher oder später in einem gigantischen Erdbeben. Weiter südlich verläuft fast über die gesamte Länge Kaliforniens die San-Andreas-Verwerfung: Dort trifft die Pazifische auf die Nordamerikanische Erdplatte.
Die Stärke eines möglichen Mega-Erdbebens entlang der Cascadia-Verwerfung könnte auf der Richterskale eine Stärke von über 9 erreichen. Zum Vergleich: das Erdbeben vor der japanischen Küste 2011 besaß eine Stärke von 9,0 bis 9,1. Und wie in Japan könnte es bei einer größeren Spannungsentladung auch zu einem zerstörerischen Tsunami mit bis zu 30 Meter hohen Wellen kommen, wie es in einem Beitrag der geologischen Fakultät der Pennsylvania State University heißt.
„Die Auswirkungen eines Erdbebens der Stärke 9 im pazifischen Nordwesten lassen sich kaum überschätzen“, zitiert ein Statement den Studienleiter Goldfinger. „Die Möglichkeit, dass es anschließend zu einem San-Andreas-Erdbeben kommt, ist daher filmreif.“
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Entdeckung der Doppel-Beben gelang durch Fehler
Die Entdeckung der Doppel-Beben begann mit einem Irrtum: 1999 gab ein Mitglied einer Forschungsexpedition versehentlich falsche Koordinaten für ihr Forschungsschiff ein. Per Autopilot landete das Schiff über Nacht nicht in der Nähe der Cascadia-Verwerfung, sondern südlich von Cape Mendocino – im Gebiet der San-Andreas-Verwerfung. Verärgert, aber neugierig, entnahm der an der Expedition beteiligte Geologe Goldfinger dort trotzdem eine Sedimentprobe.
In dieser entdeckten die Forscher seltsame doppelte Schichten aus Sand und Schluff – Spuren uralter Unterwasser-Erdrutsche, sogenannter Turbidite. Radiokarbon-Datierungen zeigten, dass viele dieser Doppelschichten entlang der Küste zeitgleich entstanden waren – zu viele, um Zufall zu sein.
Nach Ausschluss anderer Ursachen wurde klar: Der erste Teil jeder Doppelschicht stammte von einem Beben an der Cascadia-Verwerfung, der zweite von einem kurz darauf folgenden San-Andreas-Beben. Manche Ablagerungen deuteten sogar darauf hin, dass die zweite Erschütterung nur Minuten oder Stunden nach der ersten stattfand – womöglich bebte also fast die gesamte US-Westküste gleichzeitig.
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Katastrophales Beben innerhalb der nächsten 50 Jahre möglich
Eine Kettenreaktion, die auch Goldfinger selbst sorgt: „Ich komme ursprünglich aus der Bay Area. Wenn ich in meiner Heimatstadt Palo Alto wäre und der Cascadia-Sturm ausbrechen würde, würde ich wahrscheinlich Richtung Osten fahren. Für mich besteht ein sehr hohes Risiko, dass als nächstes der San Andreas ausbricht.“
Laut der US-Behörde „U.S. Geological Survey“, (USGS) die zu Naturkatastrophen in den USA forscht, bestehe in den kommenden 30 Jahren eine 60 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein Beben der Stärke 6,7 oder mehr in der Region Los Angeles auftreten könnte. Im Raum der San Francisco Bay Area liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei rund 72 Prozent, dass ein ähnlich starkes oder stärkeres Ereignis bevorsteht. Solche Beben wären zwar regional begrenzt, könnten aber schwerwiegende Schäden anrichten.
Noch seltener, aber potenziell katastrophaler, ist ein sogenanntes Megathrust-Beben entlang der Cascadia-Verwerfung. Dem USGS zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Stärke 9 oder mehr dort in den nächsten 50 Jahren bei 10 bis 15 Prozent, manche Modelle gehen sogar von bis zu 37 Prozent für ein Ereignis mit einer Stärke von über 8 aus. Während also an der San-Andreas-Verwerfung die Erschütterungen häufiger, aber begrenzter auftreten, birgt die Cascadia-Zone das Risiko eines sehr viel selteneren, dafür jedoch verheerenden Bebens, das auch die San-Andreas-Verwerfung erfassen könnte.










