In Südostasien ist das Kauen von Betelnüssen eine uralte Tradition. Die Frucht der auch als Arekapalme bekannten Pflanze wird dort für ihre psychoaktiven Eigenschaften geschätzt: sie macht wacher, euphorischer und entspannter.

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Konsumenten der Betelnuss lassen sich vor allem an der rot-bräunlichen Färbung ihrer Zähne erkennen. Für Archäologen war die verräterische Zahnfärbung an Skeletten deshalb lange der einzige Hinweis auf die Existenz der Kulturpraxis in der Vergangenheit.

Doch neue Untersuchungen zeigen nun, dass das Kauen der Betelnuss auch ohne die Zahnfärbung in Skeletten nachgewiesen werden kann. Ein internationales Forschungsteam entdeckte in Zahnbelägen aus einer bronzezeitlichen Grabstätte in Nong Ratchawat, Zentral-Thailand, die bislang ältesten direkten biomolekularen Hinweise auf den Konsum der Betelnuss. Davon berichten die Forscher in einer Studie, erschienen im Fachjournal „Frontiers in Environmental Archaeology“.

Archäologen finden Beweise für 4000 Jahre alten Konsum der Betelnuss

Mithilfe moderner Analysemethoden konnten in drei Proben aus dem Zahnstein einer 4000 Jahre alten Person die Wirkstoffe Arecolin und Arecaidin identifiziert werden – Substanzen, die typisch für die Betelnusspalme sind. „Wir zeigen, dass Zahnstein chemische Signaturen des Konsums psychoaktiver Pflanzen über Jahrtausende hinweg bewahren kann, selbst wenn konventionelle archäologische Beweise völlig fehlen“, kommentierte Co-Autorin Dr. Shannon Tushingham die Ergebnisse in einem Statement.

Betelnüsse werden heutzutage zusammen mit anderen Zutaten in einem Blatt eingerollt und gekaut.
Betelnüsse werden heutzutage zusammen mit anderen Zutaten in einem Blatt eingerollt und gekaut.

„Im Wesentlichen haben wir eine Methode entwickelt, das Unsichtbare sichtbar zu machen – und Verhaltensweisen und Praktiken freizulegen, die 4.000 Jahre lang in Vergessenheit geraten waren“, so die stellvertretende Kuratorin für Anthropologie an der California Academy of Sciences.

Auch wenn intensiver Gebrauch typischerweise zu dunkel verfärbten Zähnen führt, fehlten bei der untersuchten Person sichtbare Spuren. Die Forscher vermuten, dass alternative Konsumformen, Mundhygiene oder der lange Erhaltungsprozess solche Verfärbungen unsichtbar gemacht haben könnten. Der Fundort selbst, ein bronzezeitliches Grabfeld, enthielt zudem andere Hinweise wie Steinperlen, die laut den Forschern vielleicht auf die soziale Stellung des Individuums hindeuten könnten.

Betelnüsse: Studie simuliert Kauprozess künstlich

Um herauszufinden, nach welchen Molekülen sie in den Zahnproben suchen müssen, experimentierten die Forscher zuvor mit der Zutatenmischung. „Wir verwendeten getrocknete Betelnüsse, rosa Kalksteinpaste, Blätter des Betelpfeffers und manchmal auch Senegalia-Catechu-Rinde und Tabak. Wir zermahlen die Zutaten mit menschlichem Speichel, um authentische Kaubedingungen zu simulieren“, erklärte Erstautor und Archäologe Dr. Piyawit  Moonkham den Prozess.

Moonkham betont, dass psychoaktive Pflanzen wie die Betelnuss nicht nur als „Drogen“ verstanden werden sollten, sondern als bedeutende Bestandteile spiritueller Praktiken, medizinischen Wissens und kultureller Identität.

Das Kauen von Betelnüssen – meist gemeinsam mit Blättern des Betelpfeffers, Kalkpaste und manchmal Tabak – ist in vielen süd- und südostasiatischen Kulturen tief verankert. Obwohl Gesundheitsrisiken wie Krebs oder Herzkrankheiten in Ländern wie Indien, Bangladesch, Myanmar, Thailand oder Vietnam bekannt sind, verliert die Praxis nur langsam an Popularität.