Schlangen haben keinen guten Ruf. Das Negativ-Image, das der Schlange in unserer Kultur anhaftet, ist ein Erbe des Christentums. Im Alten Testament war eine Schlange die teuflische Verführerin, die Eva davon überzeugte, von der verbotenen Frucht zu essen. Die Folgen sind bekannt: Vertreibung aus dem Paradies, Arbeit, Elend – insgesamt ein ganz schlechter Deal, auf den sich Adams Frau eingelassen hatte.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Seit dem „Sündenfall“ lebt der Mensch im Zeichen der Ophidiophobie, also der abnormalen Angst vor Schlangen. Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Universität Uppsala sitzt diese Angst dem Menschen sogar in den Genen. Bereits sechs Monate alte Babys reagieren gestresst, wenn sie Bilder von Schlangen gezeigt bekommen. Frei nach Bob Marley: No Schlange, no cry.

Schwarzfärbung der Schlangen ist eine genetische Mutation

Umso beunruhigender sind die Meldungen von schwarzen Schlangen, die nach Berichten des Portals „Ruhr 24“ in den vergangenen Wochen vermehrt in Nordrhein-Westfalen gesichtet worden sein sollen. In Gärten, Kellern und sogar in Wärmepumpenanlagen sollen die Reptilien die Menschen erschreckt haben. Panisch hätten viele zu Spaten und Besen gegriffen, heißt es.

Kreuzotter Hendel
Die Kreuzotter ist die einzige giftige Schlangenart Norddeutschlands.© FMN | Sabine Hendel privat

„Viele Menschen wissen leider gar nicht, dass es bei uns auch heimische Schlangen gibt“, sagte Martin Maschka, Gründer der Wildnisschule Ruhrgebiet, dem Portal. Sein Rat: Einfach Abstand halten, auch wenn die Schlange schwarz wie die Nacht ist. Die Färbung bezeichnen Experten als Melanismus, eine Genmutation, bei der übermäßig viel schwarzer Farbstoff (Melanin) produziert wird. Für die Schlangen hat dies eher unangenehme Folgen. Sie werden häufiger von Fressfeinden wie Greifvögeln, aber auch von Menschen, entdeckt und vertilgt beziehungsweise getötet.

Begegnungen mit Giftschlangen in Deutschland sehr unwahrscheinlich

Die im Vergleich zu früher vermehrten Sichtungen von Schlangen hängen nach Ansicht von Experte Maschka vor allem mit dem Klimawandel zusammen. Die Bedingungen für eierlegende Schlangen wie die Ringelnatter (ungiftig, völlig harmlos) hätten sich dadurch verbessert. „Wir haben jetzt ungefähr ähnliche Bedingungen wie in Süddeutschland, wo ohnehin schon mehr Schlangenarten vorkommen“, sagt Maschka.

Ringelnattern lassen sich durch zwei halbmondförmige Flecken am Hinterkopf leicht von anderen einheimischen Schlangen unterscheiden. Ohnehin gibt es in Deutschland nur zwei Schlangenarten, die giftig und für den Menschen potenziell gefährlich sind – die Kreuzotter und die Aspisviper. Letzterer kann man lediglich im südlichen Schwarzwald über den Weg laufen. Auch dann sollte man eine Schlange keinesfalls töten. Es droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.