Es rumort an der Stralauer Allee in Berlin-Friedrichshain. In einem schicken Gebäude am Osthafen hat die chinesische Kurzvideoplattform TikTok ihren Sitz. Etwa 400 Beschäftigte arbeiten in der Berliner Dependance des Portals, das in der Regel nicht ohne das Beiwort „umstritten“ auskommt. Umstritten ist TikTok, eine Tochter des Konzerns ByteDance, vor allem deswegen, weil es einmal eifrig die Daten seiner Nutzer sammelt. Zum anderen aufgrund seiner Algorithmen, die darüber entscheiden, was Nutzer überhaupt zu sehen bekommen. Erst Anfang Mai wurde TikTok wegen Verstößen gegen die Europäische Datenschutzgrundverordnung zu einer Strafe von 530 Millionen Euro verurteilt.

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Dass die überwiegend jungen Nutzer keine Pornografie, Fake News oder exzessive Gewaltdarstellungen in ihre Feeds gespült bekommen, ist die Aufgabe der Beschäftigten im Bereich „Trust and Safety“. Als Content-Moderatoren sollen sie über die Einhaltung der unternehmenseigenen Standards sowie der gesetzlichen Vorschriften wachen und gegebenenfalls Inhalte löschen. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Berliner Standort in der Abteilung beschäftigt. Viele von ihnen könnten nun aber ihre Jobs verlieren, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Betroffen seien weiterhin auch 15 Mitarbeitende der Sparte „TikTok live“.

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TikTok will in großem Stil Künstliche Intelligenz einsetzen

Sie alle werden wohl Opfer einer neuen TikTok-Strategie. Die Plattform hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, bei der Prüfung und Moderation von Beiträgen verstärkt auf Künstliche Intelligenz und automatisierte Moderationen zu setzen. Schon im Oktober 2024 wurden knapp 500 TikTok Beschäftigte in Malaysia entlassen. Die Kündigung wurden ihnen per E-Mail mitgeteilt. „Wir nehmen diese Maßnahmen im Rahmen unserer laufenden Bemühungen vor, unser globales Betriebsmodell für die Moderation von Inhalten weiter zu stärken“, sagte ein TikTok-Sprecher damals. Viel kälter kann man einen sozialen Kahlschlag nicht abmoderieren.

Nun ist als offenbar Berlin an der Reihe, neben München und Düsseldorf einer der Standorte der Byte-Dance-Tochter in Deutschland. Während TikTok in der bayerischen Landeshauptstadt kürzlich die E-Commerce-Zentrale für Deutschland eröffnet hat, wird in Berlin der Rotstift angesetzt. In der Abteilung „Trust and Safety“ geht schon seit einiger Zeit die Angst um, denn bereits im vergangenen Jahr wurde 50 Beschäftigten gekündigt. Zuvor mussten sie allerdings die KI-Algorithmen trainieren, die sie ersetzen, als auch Beschäftigte in anderen Unternehmen, in die Teile der Tätigkeiten ausgelagert werden sollen. Kritiker sehen den Einsatz von KI bei der Moderation wegen mangelnder Transparenz und der Anfälligkeit für Fehlbewertungen jedoch kritisch.

In Deutschland nutzen monatlich 20,9 Millionen Menschen TikTok.
In Deutschland nutzen monatlich 20,9 Millionen Menschen TikTok.© dpa/dpa-tmn | Hannes P Albert

Für die TikTok-Beschäftigten stehen harte Wochen an. In Berlin wurde immerhin 2022 gegen erbitterten Widerstand ein Betriebsrat durchgesetzt. Immer wieder klagen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Unsicherheit, Druck und fehlende Mitbestimmung. Mit Hilfe der Gewerkschaft Verdi soll nun ein Sozialplan für die von Kündigungen betroffene Mitarbeiter erarbeitet werden. Nach Informationen dieses Portals besitzen bis zu 60 Prozent der in der Abteilung „Trust and Safety“ Beschäftigten keinen deutschen Pass. Für sie könnte ein Jobverlust gravierende Folgen haben. Nicht EU-Ausländern drohe gar eine Verlust der Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, heißt es.