Was klingt wie der Beginn eines apokalyptischen Tierhorrorfilms, ist in Wahrheit ein hochpräziser Plan der US-Regierung: Milliarden sterilisierter Fliegen sollen per Flugzeug über Mexiko und dem Süden von Texas abgeworfen werden, zur Abwehr eines winzigen, aber hochgefährlichen Schädlings. Das berichtet die amerikanische Nachrichtenagentur „Associated Press“.

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Zielobjekt der ungewöhnlichen Attacke sind demnach die Larven der sogenannten Schraubenwurmfliege. Die Larven ernähren sich von lebendigem Fleisch und können bei Rindern, Wildtieren, Haustieren schwere bis tödliche Infektionen auslösen. Ein erneuter Ausbruch dieser Art wäre verheerend, besonders für die US-Rinderwirtschaft.
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Fliegen im Kampf gegen das fleischfressende Insekt
In den 1960er- und 70er-Jahren hatte die Methode bereits Erfolg: Damals züchteten die USA und Mexiko über 94 Milliarden männliche Fliegen, sterilisierten sie mittels Bestrahlung und ließen sie frei. Da die Weibchen nur ein einziges Mal in ihrem Leben paarungsbereit sind, bleiben ihre Eier unbefruchtet und es gibt weniger Larven. Mit jeder unfruchtbaren Paarung stirbt die Population ein Stück weiter aus. „Es handelt sich um eine außergewöhnlich gute Technologie“, sagt Edwin Burgess, Parasitologe an der Universität von Florida, gegenüber der Nachrichtenagentur.
Bis vor kurzem schützte eine Fliegenfabrik in Panama die Länder nördlich davon – mit kontinuierlichem Nachschub an sterilen Tieren. Doch Ende vergangenen Jahres wurde der Schädling erneut in Süd-Mexiko gesichtet. Die Reaktion der US-Behörden folgte prompt.
USA tätigt Millioneninvestitionen in neue Fliegenfabriken
Bis 2026 will das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) „Associated Press“ zufolge eine neue Produktionsstätte im Süden Mexikos in Betrieb nehmen. Bereits bis Ende dieses Jahres soll in Texas ein Verteilzentrum entstehen, um bei Bedarf Fliegen aus Panama zu importieren. Das Ziel: die wöchentliche Produktionskapazität auf bis zu 400 Millionen sterile Insekten zu steigern.
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Rund 29,5 Millionen Dollar nimmt die US-Regierung dafür in die Hand, heißt es in dem Bericht. Die Panama-Fabrik schafft derzeit rund 117 Millionen Fliegen pro Woche – zu wenig, um einer neuen Ausbreitung effektiv entgegenzuwirken.
Das ist das Problem mit der Fliegenart
Was die Schraubenwurmfliege so gefährlich macht: Im Gegensatz zu den meisten anderen Fliegenarten legt sie ihre Eier nicht in Aas, sondern in offene Wunden oder Schleimhäuten lebender Tiere. „Ein 500 Kilogramm schweres Rind kann daran innerhalb von zwei Wochen sterben“, wird Michael Bailey von der American Veterinary Medical Association von der Nachrichtenagentur zitiert.
Die Larven verursachen schwere Gewebeschäden, fressen sich durch lebendes Fleisch und erzeugen beim Wirt qualvolle Schmerzen. Es habe „wie verrottendes Fleisch“ gerochen, erinnert sich Don Hineman, ein pensionierter Rancher aus Kansas, an frühere Fälle auf der elterlichen Farm gegenüber „Associated Press“.
News aus den USA
Fliegen-Abwurf aus der Luft – trotz Risiken
In der Praxis ist das Züchten von Fliegen in Massenproduktion komplexer, als es klingen zuerst mag. Die Weibchen müssen gezielt zur Eiablage angeregt werden, die Larven benötigen eine nährstoffreiche Umgebung. In Panama basiert das Futter heute auf einer Mischung aus Ei-Pulver, Rinderblutplasma und roten Blutkörperchen. Sobald die Larven reif sind, verwandeln sie sich – wie Schmetterlinge – in eine Art „Kokon“. In der Fabrik werden sie dazu in Sägemehlbetten gelegt. Sicherheitsvorkehrungen sind dabei unerlässlich: Kein fortpflanzungsfähiges Tier darf entkommen.
Die Verteilung der Fliegen erfolgt schließlich aus Leichtflugzeugen, die Kisten voller Insekten in die Luft abwerfen. Auch wenn das Prinzip seit den 1950er Jahren bewährt ist, bleibt es nicht ohne Risiko. Erst im Juni stürzte ein Flugzeug nahe der guatemaltekischen Grenze ab – drei Menschen kamen ums Leben.
ef










