Forscher finden nur äußerst selten mehrere Dinosaurier der gleichen Art an einem Ort. Doch in der kanadischen Provinz Alberta offenbarte sich Paläontologen in einem versteinerten Flussbett ein wahres Massengrab von Artgenossen. Bis heute wurden darin Tausende Fossilien ausgegraben, die vor 72 Millionen Jahren innerhalb nur eines Tages starben.

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Den Schauplatz des urzeitlichen Dramas, das Flüsschen Pipestone Creek, tauften Forscher passend auf den Namen „Fluss des Todes“. Die hier gefundenen Überreste stammen fast ausschließlich von nur einer Dinosaurierart: Pachyrhinosaurus. Der Pflanzenfresser lebte in der späten Kreidezeit in Nordamerika und erreichte laut dem britischen Naturkundemuseum eine Länge von bis zu acht Metern.
Doch woran starben die Dinosaurier im Pipestone Creek so plötzlich und so zahlreich? In einer Episode der neuaufgelegten BBC-Serie „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ enthüllt ein Team aus Paläontologen ihre überraschende Erklärung für das Rätsel.
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Dinosaurier-Massengrab: Gigantische Herde wurde von Springflut überrascht
Wie die BBC im Vorfeld der Ausstrahlung berichtet, halten die Forscher eine Naturkatastrophe für die wahrscheinlichste Ursache des Massensterbens. Doch übliche „Verdächtige“, wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Asteroideneinschläge, scheinen nicht in Frage zu kommen.

Vielmehr sei eine riesige Karawane der Dinosaurier von einer Springflut überrascht worden, in der die schwerfälligen Tiere ertranken. Vermutlich ausgelöst von Monsun-artigen Regenfällen oder einem Hurrikan hätten die Wassermassen aus den nahegelegenen Bergen unaufhaltsam Bäume und Felsen vor sich hergeschoben. Forscher konnten auf Steinen aus dem Flussbett, die Abdrücke von Sedimentwirbeln erkennen, die durch schnell fließendes Wassers entstanden.
„Wir glauben, dass es sich um eine Herde auf einer saisonalen Wanderung handelte, die in ein katastrophales Ereignis verwickelt war, das, wenn nicht die gesamte Herde, so doch einen großen Teil davon auslöschte“, sagte die Leiterin der Ausgrabungen, Dr. Emily Bamforth, gegenüber der BBC. Sie vermutet, dass die Knochen von über 10.000 Exemplaren in dem kanadischen Wäldchen liegen könnten.
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Paläontologin: Bis zu 300 Knochen auf einem Quadratmeter
Mit seinem knöchernen Schild und drei Hörnern ist der Pachyrhinosaurus leicht als enger Verwandter des berühmten Triceratops erkennbar. Sein markantestes Merkmal war eine knöcherne Wulst auf dem Nasenbein. Laut Emily Bamforth wanderten die Dinosaurier in einer Hunderte Kilometer langen Herde vom Süden, wo sie den Winter verbrachten, in den Norden des Landes. Vor 72 Millionen Jahre war die Gegend wärmer und bot den Tieren durch dichte Vegetation reichlich Nahrung.

„Mehr als die Hälfte der weltweit bekannten Dinosaurierarten werden anhand eines einzigen Exemplars beschrieben. Wir haben hier Tausende von Pachyrhinosaurus“, sagte Bamforth. Sie schätzt, dass sich unter einem Quadratmeter bis zu 300 Knochen verbergen könnten. Bisher sei die ausgegrabene Fläche so groß wie ein Tennisfeld, doch das Knochenfeld könnte sich über einen Kilometer lang erstrecken.
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Ausgrabung: Einmalige Einblicke in Unterschiede innerhalb der selben Art
Das Knochenfeld bietet der Wissenschaft einen seltenen Einblick in die sogenannte intraspezifische Variabilität: die natürlichen Unterschiede zwischen Individuen derselben Art. So konnten die Forscher durch die Tausenden Fossilien erkennen, dass der Nackenschild eines jeden Pachyrhinosaurus einzigartig ist. Dadurch könnte er als Unterscheidungsmerkmal gedient haben.
Das Ausgrabungsfeld von Pipestone Creek wurde 1974 von dem örtlichen Lehrer Al Lakusta entdeckt. Lakusta war Hobby-Paläontologe und machte die Entdeckung während einer privaten Exkursion entlang des Baches. Dabei stieß er auf zahlreiche fossile Überreste, die sich später als die bedeutende Ansammlung von Dinosaurierknochen herausstellte.
Der Fundort gehört heute zu den bedeutendsten Dinosaurierfundstätten Nordamerikas und war ein Auslöser für die spätere Gründung des nahegelegenen „Philip J. Currie“-Dinosauriermuseums, für das Bamforth und andere Paläontologen tätig sind.









