Er wird wegen seiner Größe von gerade mal 1,85 Metern auch der „Kleine Tümmler“ genannt — Die Rede ist von dem Schweinswal. Schweinswale zählen zu den Zahnwalen und gehören zu der Familie der Delfine. Am liebsten halten sie sich in kühlen und recht ruhigen Gewässern, wie der Nord- oder Ostsee, auf. Mit ein bisschen Glück gelingt es dem einen Segler oder der anderen Spaziergängerin mal einen Blick auf den kleinen Tummler zu werfen, wenn diese mit rollender Bewegung kurz auftauchen.

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Seit mehreren Jahren versuchen Tierschützerinnen und Tierschützer die Population der Schweinswale in der Ostsee zu erhalten und den Lebensraum der Tiere zu schützen, etwa WWF, der NABU und BUND. Doch offenbar reichen die Mühen der Naturschutzverbände nicht aus. Zwar zählen die Schweinswale weltweit nicht zu den gefährdeten Arten, jedoch ist eine Subpopulation der Ostsee vom Aussterben bedroht.

Die größte Bedrohung der Schweinswale ist dabei der Mensch. Weil die Tiere sich oft in Netzten von Fischern verfangen, sterben unzählige Tiere als Beifang. Zudem führt der allgemeine Rückgang der Fischbestände durch den Klimawandel dazu, dass die Tiere in der Ostsee schwerer an Nahrung kommen, als beispielsweise in anderen Gewässern. Hinzu kommt, dass sie aus ihren Lebensräumen aufgrund der Verlärmung der Meere vertrieben werden. 

Die Leiterin der Landesstelle Ostseeschutz des Naturschutzbundes (NABU), Dagmar Struß, sagte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, dass gerade in Regionen, in denen es im Meer laut sei – etwa aufgrund von Schiffslärm oder anderen Geräuschkulissen – die Tiere noch schlechter ernährt seien. Denn bei der kleinsten Störung verhielten sich Schweinswale am Meeresboden sehr still und warteten ab, bis die Störquelle wieder verschwunden sei. Normalerweise müssten die Tiere rund um die Uhr nach Nahrung suchen und gerade diese Störungen verhindern dies. 

Neben zahlreichen Gründen für Aussterben: Stellnetze häufigste Todesursache 

Struß sagte in dem Gespräch weiter: „Die Population geht stark zurück.“ Die Anzahl der Gewöhnlichen Schweinswale, auch Phocoena phocoena genannt, in der westlichen Ostsee seien allein zwischen 2016 und 2022 von ungefähr 42.000 auf knapp 14.000 Tiere zurückgegangen. Eine weitere Population in der inneren Ostsee nahe der Region um Rügen und am Darß sei ebenso vom Aussterben bedroht, wie das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund mitteilte. Dort lebten sogar nur noch etwa 100 bis 1.000 Gewöhnliche Schweinswale.

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Die kleinen Wale leben überwiegend als Einzelgänger oder im Zweierverband. In seltenen Fällen konnten auch Schulen von bis zu maximal sieben Tieren gesichtet werden, wie es auf der Homepage der Ostsee heißt. Dort ist auch die Rede davon, dass der größte Feind der Schweinswale sogenannte Stellnetze seien. Bis heute gibt es zu genau dieser Art des Fischens keine eindeutigen Regelungen, die insbesondere Schweinswale schützen könnten. Neben den bereits genannten Gründen, kommt auch die Verschmutzung der Ostsee hinzu.

„Die Stellnetz-Problematik liegt ganz vorne, aber gleichzeitig ist es so, dass die Lebensräume auch immer weniger werden“, so die Expertin des NABU. Um zu verhindern, dass unzählige Tiere sich in Zukunft verheddern und ertrinken, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund nun ein Gerät, das verhindern soll, dass Schweinswale als Beifang enden. Durch das Aussenden von Klicklauten sollen Tiere gewarnt werden und nicht den Netzen zum Opfer fallen. Neben den Naturschützern fordern auch die Experten des Meeresmuseums andere Fangmethoden zu entwickeln und umzusetzen, um den ungewollten Tod der Tiere zukünftig zu verhindern. 

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Gibt es eine Lösung für das Problem? Was Experten fordern

Dem NDR zufolge gibt es laut Experten und Umweltverbände eine effektive Lösung für das Problem: Einen stärkeren Schutz der Ostsee. Es würde nicht ausreichen nur einzelne Zonen zu schützen, in denen nicht mehr gefischt werden darf oder ruhige Zonen, in denen der Mensch keinen Unterwasserlärm mehr verursachen dürfe, heißt es weiter. NABU-Expertin Struß fordert beispielsweise einen „Nationalpark Ostsee“. „Alle, die in irgendeiner Form negative Einflüsse auf die Ostsee haben, müssen sich ein Stück weit zurücknehmen.“ Sie geht noch weiter, der Schweinswal stehe exemplarisch für den Zustand der Ostsee und für ihre Schutzbedürftigkeit. 

mit dpa