Emily Johnson ließ die Geschworenen keine Minute im Ungewissen darüber, wovon die Opfer von Hip-Hop-Mogul Sean „Diddy“ Combs ihnen in den nächsten Tagen berichten werden: „Von einigen der schmerzhaftesten Erfahrungen ihres Lebens. Von den Tagen, die sie in Hotelzimmern verbrachten, high von Drogen, in Kostümen, um die sexuellen Fantasien des Angeklagten zu befriedigen“, sagte die Staatsanwältin am Montag im Bundesgericht von Manhattan.

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Der 55-Jährige, der samt sechs seiner Kinder und Mutter Janice angestrengt den Worten lauschte, muss sich in fünf Fällen wegen Erpressung, Sexhandels und der Beförderung zum Zwecke der Prostitution verantworten.
Bei einer in frühestens acht Wochen denkbaren Verurteilung in allen Anklagepunkten drohen dem berühmten Mentor von Rap- und R&B-Künstlern wie Notorious B.I.G. und Mary J. Blige mindestens 15 Jahre Haft; möglicherweise sogar lebenslang.

In ihrem Eröffnungs-Statement des unter großem Medienandrang stehenden Verfahrens argumentierte die Anklage, dass es sich bei Combs über 20 Jahre um einen Serienvergewaltiger von Frauen und Kopf einer kriminellen Vereinigung gehandelt habe, bestehend aus Leibwächtern und hochrangigen Mitarbeitern, die dazu diente, seine sexuellen Gelüste zu befriedigen und den fortgesetzten Missbrauch zu vertuschen.
Combs hat danach zig Frauen zu tagelangen, von Drogen begleiteten Sexpartys gezwungen und sie anschließend mit Videos erpresst, die er von den Begegnungen aufgenommen hatte. Weigerten sie sich, an den unter dem Stichwort „Freak Offs“ bekannten Partys teilzunehmen, oder lösten sie anderweitig den Zorn des extrem launischen Multimillionärs aus, setzte es brutale Gewalt.
Alle Augen auf Cassie Ventura gerichtet
Wie im Fall Cassie Ventura, einer langjährige Freundin Combs. Ihr Leidensweg wurde durch eine Hotelüberwachungskamera 2016 weltbekannt. Auf den unerträglichen Bildern ist zu sehen, wie „Diddy“ Combs in Los Angeles eine Frau tritt und an den Haaren über den Flur zerrt, als sie versucht, einen „Freak Off“ zu verlassen. Ventura soll als Kronzeugin den Reigen der Anklägerinnen eröffnen.

Teny Geragos versuchte der absehbaren Wucht bereits im Vorfeld die Spitze zu nehmen. Combs Verteidigerin erklärte in seiner Erwiderung, dass der Sex zwischen ihrem Mandanten und besagten Frauen stets einvernehmlich gewesen sei. Die Anklage zeichne darum ein sehr unfaires Bild von dem Künstler. „Sean Combs ist ein sehr komplizierter Mann, aber dies ist kein komplizierter Fall“, sagte Geragos.
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Dass Combs einen „Swinger“-Lebensstil führte, bei dem er und seine Partnerinnen unter Drogen angelegentlich eine dritte Person einbezogen, stelle nichts Illegales dar. Den Fall Ventura spielte Geragos mit dem Hinweis herunter, es habe sich um die Folge eines Streits wegen Untreue gehandelt. Ventura (die bereit 2023 in einem Zivilverfahren eine achtstellige Summe als Schadensersatz erhielt) habe über elf Jahre mit Combs verbracht. „Es ging hier um häusliche Gewalt, nicht um Sexhandel.“

Zusatz-Argument für die Geschworenen: Die Frauen, die jetzt gegen Combs vorgingen, hätte vor allem pekuniäre Motive: „Fragen Sie sich selbst, warum sie diese Anschuldigungen gerade jetzt erheben. Was ist ihr Motiv? Für viele von ihnen ist die Antwort einfach: Geld.“
Vor der Mittagspause gab sich der einst mächtige Strippenzieher in der Unterhaltungsbranche zuversichtlich. Er ballte die Faust und lächelte seinen Kindern zu, von denen eines ihm mit den Händen ein Herz-Zeichen malte.

Über den Prozess wacht Richter Arun Subramanian. Gemäß den Vorschriften der Bundesgerichte sind Video- und Fotoaufnahmen im Gerichtssaal nicht gestattet. Combs sitzt seit September 2024 in Untersuchungshaft. Der aus dem New Yorker Stadtteil Harlem stammende Künstler weist alle Vorwürfe zurück. Auch jene, die in rund 50 Zivilklagen stecken, die eine texanische Anwaltskanzlei gegen Combs vorbringt.
Ob es Anfang Juli einen Schuldspruch gibt oder nicht hängt nach Einschätzung von Prozessbeobachtern davon ab, ob die Strategie von Combs Verteidigern aufgeht. Sie zielt darauf ab, die Glaubwürdigkeit der Opfer zu untergraben und ihre Erinnerungen als unzuverlässig erscheinen zu lassen.





