Rund 700 Koalas sollen in den vergangenen Wochen im Budj Bim-Nationalpark im Südosten Australiens aus der Luft erschossen worden sein. Die Behörden im australischen Bundesstaat Victoria verteidigen ihr Vorgehen – nach einem durch Blitzschlag ausgelösten Feuer hätten sich viele Koalas in einem desolaten Zustand befunden. Verletzungen, Verbrennungen und Rauchvergiftungen seien weit verbreitet gewesen. Zudem hätten die Flammen zahlreiche Manna-Eukalyptusbäume zerstört – eine zentrale Nahrungsquelle der Tiere.

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„Verletzte und vertriebene Koalas wurden aus der Luft niedergeschossen – ohne Transparenz, ohne Rechenschaft, ohne Gnade“, beklagte die Animal Justice Party. „Das ist kein Tierschutz. Das ist kein Naturschutz. Das ist eine nationale Schande.“ Auch andere Gruppen äußerten Bedenken: Die Auswahl der Tiere sei aus der Distanz erfolgt – eine bislang nicht erprobte Methode.

Australien tötet 700 Koalas: Ein „Akt der Barmherzigkeit“?

James Todd, Biodiversitätschef im Department of Energy, Environment and Climate Action, sagte dem „Guardian“: „Die Alternativen waren, sie ihrem Leid zu überlassen oder proaktiv zu handeln.“ Im Gespräch mit dem Sender ABC schilderte er, dass viele Koalas keinerlei Reaktion mehr auf die Hubschrauber gezeigt hätten, als man versuchte, den Ernst der Lage aus der Luft zu bewerten. Stattdessen seien sie durch verbranntes, verfilztes oder fehlendes Fell und ungewöhnliches Verhalten aufgefallen.

Der Einsatz aus der Luft wurde gewählt, weil das Gelände selbst schwer zugänglich ist und zudem die Gefahr herabfallender Bäume nach dem Brand andere Methoden unmöglich machten. Erste Tests hätten laut Todd gezeigt, dass die Luftabschüsse präzise und human erfolgten. Ein Tierarzt bestätigte bei diesen Tests auch den schlechten Gesundheitszustand der Tiere.

Nach den Buschbränden in Australien
Ein Wildtierpfleger von der Organisation IFAW geht zwischen verbrannten Bäumen hindurch, um sich um Koalas zu kümmern, deren Lebensräume durch die Buschfeuer zerstört wurden. Der Internationale Tierschutzfonds (IFAW) fordert, Koalas als bedrohte Tierart einzustufen, nachdem im Sommer mindestens 5000 Koalas bei Buschbränden ums Leben gekommen sind. © picture alliance/dpa/IFAW/AAP | -

Versorgung der Koalas mit Futter soll nicht versucht worden sein

Dennoch stellen sich Experten Fragen. Juristinnen der University of Melbourne kritisierten im akademischen Magazin „The Conversation“, es sei nicht geprüft worden, ob eine Versorgung der Koalas mit frischem Futter – etwa durch abgeworfene Eukalyptusblätter – möglich gewesen wäre. Diese Maßnahme war nach den verheerenden Feuern 2020 in anderen Regionen bereits angewendet worden. Damals waren Karotten und Süßkartoffeln für eine vom Aussterben bedrohte Wallaby-Art im Bundesstaat New South Wales vom Hubschrauber aus abgeworfen worden.

Nicht alle Fachleute verurteilen die aktuelle Entscheidung jedoch. Die Wildtierökologin Desley Whisson von der Deakin University bezeichnete die Tötung als „politisch kostspielige, aber richtige Entscheidung“. Die Alternative wäre ein „langsamer, qualvoller Tod durch Hunger, Lungenerkrankungen, Vergiftungen oder Brandwunden“ gewesen, schrieb sie auf LinkedIn.

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Koalas sind in Australien bedroht

Dass die Emotionen vor allem im Internet so hochkochen, liegt auch daran, dass der Koala das wohl bekannteste Symbol der australischen Tierwelt ist. Zudem gerät ausgerechnet dieses ikonische Beuteltier zunehmend in Bedrängnis. Besonders an der dicht besiedelten Ostküste schrumpft der Lebensraum der Tiere rapide – durch Rodungen, Angriffe durch Hunde, Buschfeuer, Verkehrsunfälle und Krankheiten. Eine davon ist besonders fatal: Chlamydien. Sie machen Koalas unfruchtbar, lassen sie erblinden – und dezimieren ganze Populationen. Auch die Folgen des Klimawandels treffen die Tiere hart: Extreme Temperaturen und Dürreperioden verändern den Eukalyptus und machen seine Blätter trockener und schwerer verdaulich.

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Doch während Koalas in den Bundesstaaten New South Wales, Queensland und im Australian Capital Territory als gefährdet gelten, ist die Situation in Victoria und Südaustralien eine andere: Hier leben an einigen Orten sogar mehr Koalas als die verbliebenen Wälder ernähren können. Diese Tiere können durch Überweidung dann empfindliche Ökosysteme schädigen.