An Ostern lodern in ganz Deutschland wieder die Osterfeuer – für sehr viele Menschen eine liebgewonnene Tradition. Die Flammen sollen die Wintergeister, und damit alles Böse, vertreiben – und den Frühling und die Wiederkehr der Natur begrüßen. Doch dem Wetterexperten Jörg Kachelmann ist diese Tradition ein Dorn im Auge. Er hält Osterfeuer für eine „bescheuerte“ Tradition, die für Umwelt und Gesundheit schädlich ist und beendet werden sollte.

In einem Interview mit der „MAZ“ bemängelte er generell „das Verbrennen von Wald, sei es über Holz, Hackschnitzel oder Pellets“. Nichts sei „gesundheits-, umwelt- und klimaschädlicher“. Zwar fänden Osterfeuer im Gegensatz zu Pelletöfen und Kaminen nur einmal im Jahr statt, während diese den ganzen Winter über Feinstaub erzeugten. „Wenn allerdings der Dreck aus den Osterfeuern bei einer kühlen Wetterlage auf eine hohe Grundverschmutzung führt, kommen wir dann schnell auf Dreckluft auf indisch-chinesischem Niveau“. Außerdem, ergänzt Kachelmann, würde bei Osterfeuer auch öfter „Müll verbrannt“. Dadurch werde das „Supergift Dioxin“ freigesetzt.
Kachelmann über Osterfeuer: Schädlicher als ein Jahr lang Autorennen zu fahren
Ein Osterfeuer sei noch „etwas dreckiger und klimaschädlicher als das Verbrennen riesiger Mengen von Schweröl“, so Kachelmann weiter. „Es ist in der Summe mehr Dreck, als ein Jahr lang ununterbrochen auf dem EuroSpeedway Lausitz ein Autorennen zu fahren.“ Für viele Asthmatiker seien solche Anlässe eine Katastrophe. Kachelmann geht in dem Interview sogar so weit, „einen Knick in der Lebenserwartung“ durch den „Boom des Waldverbrennens“ vorherzusagen.
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In den sozialen Medien finden Kachelmanns provokante Äußerungen viel Beachtung. „Rechte Kartoffelwürstchen mit ihrer traditionell vorgetäuschten Christlichkeit müssen sich wie erwartet sehr echauffieren“, schreibt der Meteorologe auf der Plattform X. Nutzerin Micariel etwa sieht in Kachelmanns Äußerungen einen Angriff auf christliche Traditionen und kommentiert. „Jetzt diffamiert Kachelmann nun schon alle Christen, die diese Tradition vollziehen. Wen diskriminiert er als nächstes? Franzosen, Spanier, Mexikaner, Buddhisten, Hindus?“ Nutzer Michael hingegen ist mit Kachelmann einer Meinung: „Ich brauche kein Osterfeuer“, schreibt er.
Falls Sie sich fragen, warum ich in den Trends stehe:
— Jörg @kachelmann anderswo: @realkachelmann (@Kachelmann) April 8, 2025
Es ist nur dashttps://t.co/gxO8Vt6pbz
Rechte Kartoffelwürstchen mit ihrer traditionell vorgetäuschten Christlichkeit müssen sich wie erwartet sehr echauffieren.
Wie schädlich sind die Osterfeuer aber nun wirklich für die Umwelt und die Gesundheit? Fakt ist: Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) produziert ein größeres Feuer mit Gartenabfällen innerhalb von sechs Stunden etwa so viel Rauch und Rußpartikel – darunter Feinstaub – wie 250 ältere Autobusse an einem Tag. Durch die unvollständige Verbrennung würden Gartenabfälle nicht komplett in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt, sondern es entstünden giftige Stoffe wie Kohlenmonoxid, Feinstaub oder zahlreiche andere organische Verbindungen mit krebserregender Wirkung.
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Osterfeuer: erhöhte Feinstaubbelastung und Wildtiere in Gefahr
Auch das Umweltbundesamt (UBA) weist darauf hin, dass ein Feuer im Freien mit zahlreichen Belastungen für die Umwelt und die Gesundheit verbunden ist. Die Verbrennung von Holz im Freien führe zu sehr hohen lokalen Schadstoffemissionen u. a. von Feinstaub, Kohlenmonoxid und organischen Verbindungen, darunter auch krebserzeugende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), die durch unzureichende Verdünnung direkt eingeatmet werden können.
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Insbesondere an Tagen mit austauscharmen Wetterlagen führe dies zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Luftqualität. So liefere das Verbrennen von Gartenabfällen einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Erhöhung der regionalen Hintergrundbelastung in Bezug auf Feinstaub (PM10) und könne daher lokal zur Überschreitung der Luftqualitätsgrenzwerte beitragen. Dies geschehe vor allem dann, wenn viele Lagerfeuer in einer Region gleichzeitig abgebrannt würden, wie durch sogenannte Brauchtumsfeuer oder Brenntage, heißt es auf der Internetseite des UBA.
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Auch für Wildtiere stellen die Osterfeuer eine große Gefahr dar, darauf weist die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ ausdrücklich hin. In den großen Holzhaufen für die Feuer suchten kleine Wildtiere wie etwa Igel, Mäuse oder Hasen gern Unterschlupf. Wird das Holz dann entzündet, bleibt den Tieren oft nicht mehr genug Zeit zur Flucht und sie verenden qualvoll in den Flammen.

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„Damit keine Tiere im Osterfeuer zu Tode kommen, sollte der Brennhaufen erst kurz vor dem Anzünden aufgeschichtet werden. Bereits im Vorfeld aufgeschichtetes Geäst sollte vor dem Anzünden unbedingt noch einmal umgeschichtet werden“, rät die Wildtierexpertin Eva Lindenschmidt. „Danach sollte man sich entfernen und eine Wartezeit von mindestens einer Stunde einhalten. So können sich die Kleintiere, die im Brennhaufen Unterschlupf gefunden haben, ohne Angst vor dem Menschen in Sicherheit bringen.“







