Die roten Umhänge und die weißen Hauben der sogenannten „Mägde“ aus der Serie sind zum Symbol des Widerstands geworden. Weltweit werden sie von Aktivistinnen getragen, um für die Rechte von Frauen und gegen die Einschränkung des Rechts auf Abtreibung zu demonstrieren. Margaret Atwoods Roman, auf dem die Serie beruht, liest sich rückblickend wie eine Vorwegnahme dessen, was in den USA gerade politisch passiert.

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Bereits vor Donald Trumps zweiter Amtszeit war Abtreibungsrecht in den USA eingeschränkt worden. Bücher wurden aus Schulbibliotheken verbannt, weil sie angeblich das „Christentum beleidigen“ oder „homosexuelle Propaganda“ betreiben. Auch Margaret Atwoods Buch traf der Bannstrahl, es verschwand vor allem in konservativen Bundesstaaten aus vielen Schulbibliotheken. Evangelikale Kräfte sind in den Vereinigen Staaten weiter auf dem Vormarsch. Für viele religiöse Fundamentalisten ist Trump der Auserwählte.

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Seit Trump zum zweiten Mal Präsident ist, führt seine Administration einen Feldzug  gegen alles, was sie unter dem Kürzel „DEI“ als „Diversity, Equity, Inclusion“ (deutsch: „Diversität, Chancengleichheit, Inklusion“) zusammenfasst. Darunter fallen Programme zur Förderung von Frauen oder zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, die Anerkennung unterschiedlicher Geschlechtsidentitäten oder andere Antidiskriminierungs-Ziele.

„The Handmaid‘s Tale“ wartet mit unverkennbaren Kostümen auf

In diesem aufgeheizten Klima startet nun zeitgleich in den USA und in Deutschland die sechste Staffel von „The Handmaid‘s Tale“. Als 2016 in den USA die erste Staffel beim Streaming-Portal Hulu online ging, war Donald Trump als US-Präsident gerade wenige Monate im Amt. Die Serie entwickelte eine besondere Bedeutung, da sie die Angst der Frauen vor der neuen Regierung in Bilder umsetzte. Jetzt, da am 8. April die letzte Staffel startet, ist Trump wieder wenige Monate im Amt. Wie wird die Serie dieses Mal auf die Gesellschaft zurückwirken? Bisher hielt sich der Widerstand gegen Trump in Grenzen, seine Gegner schienen bis auf wenige Ausnahmen wie Bernie Sanders, Senator aus Vermont, und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez in Schockstarre verfallen zu sein.

Streaming kompakt - «The Handmaid's Tale»
Die Reise von June Osborne (Elisabeth Moss, l.) nimmt eine unerwartete Wendung – Szene der sechsten Staffel der Serie „The Handmaid‘s Tale“© DPA Images | Steve Wilkie

Der fiktive autoritäre Staat Gilead in der Serie ist natürlich nicht mit den Vereinigten Staaten von heute zu verwechseln. Doch es gilt: Wehret den Anfängen! In der Serie tragen die Mägde oder Dienerinnen rote Kleider und Umhänge sowie weiße Hauben, die die Kostümbildnerin Ane Crabtree entworfen hat. Diese Bekleidungsstücke gelten seit der Erstausstrahlung der Serie im Frühjahr 2017 als weltweit sofort erkennbares Symbol des Frauenprotests gegen ihre Entrechtung. Tragen sie die Umhänge und die Hauben, brauchen sie keine Schilder mehr hochzuhalten. Jeder weiß sofort: Frauenrechte sind in Gefahr.

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Weil diese Kostüme der Dienerinnen zu einem weltweit wirkmächtigen Symbol wurden, hat das Smithsonian National Museum of American History in Washington 2019 ein Exemplar in seinen Bestand aufgenommen. Aktuell ist es jedoch nicht ausgestellt. Ob sie das je wieder werden, ist unsicher. Denn Donald Trump hat seinen Vize JD Vance zuletzt beauftragt, das Museum auf Linie zu bringen.

Warum die Geschichte mit dem Staffelfinale noch nicht zu Ende ist

Die erste wie auch die letzte Staffel der Serie wurden vor Trumps erstem und zweitem Amtsantritt gedreht. Doch ähnlich wie einst bei der Zeichentrickserie „The Simpsons“ prognostizieren Zuschauer immer wieder, dass sie die Zukunft vorwegnehme. War Gilead vielleicht das Vorbild für die Autoren des umstrittenen „Project 2025“? Die konservative Denkfabrik Heritage Foundation hatte einen Entwurf für die Politik der Trump-Regierung vorgelegt, der auch den Bereich Ehe und Familie berührt.

Dann sollten sich die konservativen Denker sehr genau die letzte Staffel von „The Handmaid“s Tale„ ansehen. Denn dort geht es um den Aufstand gegen diese fundamentalistische Diktatur. Wie erfolgreich er sein wird, erfahren die Zuschauer aber erst zum Serienfinale – in der zehnten Folge der Staffel.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht auserzählt. Auch Margaret Atwoods Roman „Die Zeuginnen“, der die Geschichte von Gilead fortführt, wird verfilmt. Die Dreharbeiten sollen demnächst beginnen.

Magenta TV strahlt die zehn Folgen von „The Handmaid‘s Tale“ aus. Episode eins bis drei sind ab sofort verfügbar, weitere Folgen werden jeweils dienstags veröffentlicht.

mit KNA