„Schattenwölfe“ waren in den vergangenen Jahrtausenden nur in der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ zu sehen – nicht aber in der realen Welt. In der Serie adoptieren die Kinder von Lord Eddard Stark gleich sechs Welpen, die im späteren Serienverlauf als überdimensionierte Wölfe so manchen ihrer Feinde an der Kehle packen. Doch nun könnte die zum Ende der letzten Eiszeit ausgestorbene Art tatsächlich in die echte Welt zurückkehren, das behauptet zumindest ein Unternehmen.

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Das amerikanische Start-Up Colossal Laboratories & Biosciences, meldet, dass seine Wissenschaftler den Schattenwolf erfolgreich wieder zum Leben erweckt haben. „Die erfolgreiche Geburt von drei Schattenwölfen ist ein revolutionärer Meilenstein des wissenschaftlichen Fortschritts“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Schattenwölfe aus „Game of Thrones“: Forscher erschaffen „Super-Wolf“

Die zwei im Oktober geborenen männlichen Tiere, Remus and Romulus, und das im Januar geborenes Weibchen Khaleesi seien bester Gesundheit. Laut Colossal erschufen die Forscher ihr Genom, indem sie die DNA moderner Grauwölfe mit der aus Fossilien geborgenen DNA von Schattenwölfen veränderten. Als Leihmütter trugen schließlich domestizierte Hunde die Wolfswelpen aus.

Grauwolf mit Schreckenswolf-Genen
Dieses undatierte Foto von Colossal Biosciences zeigt wohl die zwei Welpen Romulus und Remus. © DPA Images | Uncredited

In Deutschland hat sich die Bezeichnung „Schattenwolf“ erst durch die „Game of Thrones“-Serie verbreitet. Der wissenschaftlich korrekte Name für die Art lautet Aenocyon dirus und lässt sich aus dem Lateinischen mit „schrecklicher Wolf“ übersetzen.

Aenocyon dirus lebte bis vor 13.000 Jahren auf dem Amerikanischen Doppelkontinent und war mit durchschnittlich 68 Kilogramm etwa doppelt so schwer wie der heutige Europäische Grauwolf. Auch das weiße Fell setzte Aenocyon dirus von seinem heutigen Verwandten ab, mit dem er zuletzt vor 6 Millionen Jahren einen Vorfahren teilte.

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Ist der Schattenwolf wirklich ein Schattenwolf?

An dem Projekt von Colossal, das auch an der Wiederbelebung des Wollhaarmammuts und des Tasmanischen Tigers arbeitet, mehren sich allerdings die Zweifel.

So berichtet etwa das Wissenschaftsmagazin „New Scientist“, dass die Colossal-Forscher nur 20 von etwa etwa 19.000 Genen der DNA des Grauwolfs manipulierten, um die vermeintlichen Schattenwölfe zu erschaffen. Tatsächlich handelt es sich also um gentechnisch veränderte Grauwölfe, die einige Gene jener vor etwa 12.000 Jahren ausgestorbenen Art tragen.

Unabhängige Fachleute kommentieren die Präsentation der Tiere kritisch. Es handle sich nur um Hybrid-Grauwölfe mit einigen womöglich schattenwolfähnlichen Eigenschaften, erklärte Nic Rawlence von der neuseeländischen Universität Otago. Dass die speziellen Eigenheiten tatsächlich von Schattenwölfen stammten, sei lediglich eine Vermutung, betonte der Zoologe. 

Schattenwolf oder Grauwolf: Unabhängige Experten sind skeptisch

„Um etwas wirklich wieder aufleben zu lassen, müsste man es klonen, sagte Rawlence. „Das Problem ist, dass wir ausgestorbene Tiere nicht klonen können, weil die DNA nicht gut genug erhalten ist.“ Selbst wenn man das Genom sequenziere, lasse sich die DNA nicht in ausreichend großen Stücken extrahieren, wie das bei einem lebenden Tier möglich sei.

Viel sinnvoller als der Ansatz des Unternehmens sei es, Technologien und Wege dafür zu entwickeln, die das Aussterben von Arten verhindern. Also das zu erhalten, was wir noch haben. 

Philip Seddon, ebenfalls von der Universität Otago, spricht zwar von erstaunlichen technologischen Fortschritten, aber: „Die süßen Welpen Romulus, Remus und Khaleesi sind keine Schattenwölfe - sie sind genetisch veränderte Grauwölfe.“ Beide Arten seien nicht einmal nahe verwandt, der letzte gemeinsame Ahne habe wahrscheinlich vor rund sechs Millionen Jahren gelebt. 

os/dpa