Der Amazonas-Regenwald gilt als einer der wichtigsten Faktoren im Kampf gegen die Klimakrise. Er speichert riesige Mengen an CO₂, reguliert das globale Klima und beheimatet eine unvergleichliche Artenvielfalt. Brasilien hat in den letzten Jahren Erfolge bei der Reduzierung der Abholzung erzielt: Die Entwaldungsrate ist seit 2022 um mehr als 30 Prozent gesunken, heißt es in einem Infoblatt zur brasilianischen Umwelt- und Klimapolitik vor der COP30 im November 2025.

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Zudem haben die Amazonasstaaten eine Allianz gegen Abholzung gebildet, und unter Präsident Lula da Silva bewegt sich das Land wieder auf ambitioniertere Klimaziele zu. Vizepräsident Geraldo Alckmin versprach auf der COP29 in Baku, die Emissionen bis 2035 auf 850 Millionen bis eine Milliarde Tonnen CO₂ zu senken.

COP30: Widersprüche zwischen Klimaambitionen und Realität

Doch die Vorbereitung der COP30 in Belém zeigt, wie groß die Widersprüche zwischen Klimaambitionen und Realität sein können. Um den Klimagipfel im November auszurichten, wird mitten durch geschützten Regenwald eine neue vierspurige Autobahn gebaut. Die Straße soll im Stadtteil Terra Firme von Belém nahe dem Campus der Bundesuniversität von Pará beginnen und über Ananindeua bis nach Marituba führen.

Laut einer Umweltverträglichkeitsstudie kreuzt die Strecke mehrere Flüsse und Bäche, darunter Murutucu, Aurá und Pau Grande, die in den Fluss Guamá münden. Zudem liegt die Straße nur 500 Meter vom Utinga State Park entfernt und führt durch ein Gebiet mit archäologischer Bedeutung, etwa die Stätte Engenho do Murutucu.

Die Straße soll den Verkehr für die mehr als 50.000 erwarteten Teilnehmer erleichtern, darunter führende Politiker aus aller Welt. Wissenschaftler warnen jedoch, dass die Rodung von Zehntausenden Hektar Wald das Gleichgewicht des Amazonasgebiets gefährdet, den Lebensraum zahlreicher Tierarten zerschneidet und künftige Abholzungen erleichtert, berichtet die BBC.

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Die betroffenen Anwohner sprechen gegenüber der BBC von Zerstörung ihrer Lebensgrundlage, ohne dass sie von der neuen Infrastruktur profitieren. Die Landesregierung hingegen wirbt damit, die Straße sei „nachhaltig“ – mit Wildtierbrücken, Fahrradwegen und Solarbeleuchtung.

Klimagipfel: Gäste sollen auf Kreuzfahrtschiffen unterkommen

Das Bauprojekt wurde bereits 2012 geplant, aber wegen massiver Umweltbedenken auf Eis gelegt. Im Rahmen der Vorbereitungen für den Klimagipfel nahm man es nun wieder auf, zusammen mit zahlreichen weiteren Infrastrukturmaßnahmen: Der Flughafen von Belém wird ausgebaut, neue Hotels entstehen und der Hafen wird modernisiert, um Kreuzfahrtschiffe für die Unterbringung von Konferenzgästen aufzunehmen. Ein weiteres Paradox.

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Denn während der Klimagipfel weltweit Lösungen für die Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad diskutieren soll, plant Brasilien, Tausende von Teilnehmern auf Kreuzfahrtschiffen unterzubringen. Diese Schiffe gelten als extreme Klimabelaster, da sie große Mengen an CO₂, Stickoxiden und Feinstaub ausstoßen. Eine Studie zeigt, dass allein durch die Unterbringung der Delegierten auf Kreuzfahrtschiffen zusätzliche 28.450 Tonnen CO₂ freigesetzt würden – eine Ironie, die nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Umweltaktivisten kritisieren.