Erst Magdeburg, dann München – und jetzt Mannheim: Wieder ist ein Auto in einer deutschen Stadt in eine Menschenmenge gerast. In Mannheim, der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs, kamen dabei am Montagmittag zwei Menschen ums Leben. Elf weitere sollen teils schwer verletzt worden sein. Die Ermittler gehen nicht von einem politischen oder extremistischen Hintergrund aus. Sie konnte den Fahrer des Autos festnehmen, war in und um Mannheim mit einem schwer bewaffneten Großaufgebot im Einsatz. Was bislang bekannt ist und was nicht – ein Überblick.

Die aktuellen Entwicklungen lesen Sie in unserem Newsblog zur Todesfahrt von Mannheim.

Was ist über den Hergang der Todesfahrt von Mannheim bekannt?

Nach Angaben von Augenzeugen soll der Mann am Rosenmontag mit seinem Auto durch die Mannheimer Innenstadt gerast sein – und zwar vom Friedrichsring kommend in die Haupteinkaufsstraße „Planken“. Auf der Höhe des Paradeplatzes soll er mehrere Passanten an- oder umgefahren haben. In dem Gebiet findet derzeit ein Fasnachtsmarkt mit Buden und Fahrgeschäften statt.

Polizeieinsatz in Mannheim
Einsatzkräfte der Polizei und des Rettungsdienstes stehen nach der Todesfahrt in der Mannheimer Innenstadt. © DPA Images | Boris Roessler

Auf einem Video, das auf dem Messengerdienst Telegram geteilt wird, ist eine Szene aus der Mannheimer Innenstadt zu sehen, das eine Überwachungskamera aufgenommen hat. Es zeigt nach Recherchen unserer Redaktion offenbar die Amokfahrt, wenige Augenblicke, bevor der Täter mit dem dunklen Kleinwagen in Passanten rast. Die Tatzeit stimmt mit den Angaben der Polizei überein, auch das Fahrzeug auf dem Video passt zu den Bildern des mutmaßlichen Tatwagens. Der Ort ist die Einkaufsstraße Planken in Mannheim. 

Das Video zeigt, wie der Fahrer mit dem Kleinwagen mit hoher Geschwindigkeit die Einkaufsstraße entlang rast. Passanten am Straßenrand drehen sich um, schauen hinterher. Sie wirken irritiert. 

Am Nachmittag hieß es dann, das Tat-Auto sei kurz vor der Rheinbrücke nach Ludwigshafen gestoppt und der Fahrer festgenommen worden. Die Innenstadt soll noch bis in die Abendstunden abgeriegelt bleiben. In Baden-Württemberg wurden als Reaktion auf die Todesfahrt in Mannheim mehrere Fastnachtszüge abgesagt. 

Was wissen wir über den mutmaßlichen Täter?

Bei dem Tatverdächtigen soll es sich um Alexander S. handeln, deutscher Staatsbürger und 40 Jahre alt, wohnhaft in Rheinland-Pfalz. Wie Andreas Stenger, Präsident des Landeskriminalamtes bestätige, hat sich S. vor seine Festnahme mit einer Schreckschusspistole in den Mund geschossen. Er musste im Krankenhaus behandelt werden. Wie der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Abend sagte, gebe es beim Tatverdächtigen keine Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund. Es gebe Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Täters, weshalb sich die Ermittler auf diesen Aspekt konzentrierten, teilte der zuständige Staatsanwalt in Mannheim mit.

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Bei dem Täterfahrzeug handelt es sich offenbar um einen älteren Kleinwagen mit Ludwigshafener Kennzeichen. Die Nachbarstadt Mannheims liegt auf der anderen Rheinseite in Rheinland-Pfalz.

Was ist über die Opfer bekannt?

Zwei Personen wurden getötet: eine 83-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann. Elf Personen wurden außerdem teils schwer verletzt. Unter den Schwerverletzten soll auch ein Kind sein. Die Universitätsklinik Mannheim teilte nach Angaben des „Mannheimer Morgen“ mit, sie behandele nach dem Vorfall drei Menschen. Die zwei Erwachsenen und das Kind seien „mit hoher medizinischer Dringlichkeit“ eingestuft worden und würden akutmedizinisch versorgt. In der Mannheimer Innenstadt sollte eine psychologische Betreuung eingerichtet werden. Notfall-Seelsorger aus der gesamten Region wurden mobilisiert, um Augenzeugen, Opfer und Angehörige zu betreuen.

Polizeieinsatz in Mannheim
Bei dem Tat-Auto handelt es sich um einen älteren Kleinwagen. Der Fahrer wurde selbst verletzt und musste in einer Klinik behandelt werden.© DPA Images | Boris Roessler

Wie reagierte die Polizei?

Die Polizei hatte zunächst den Verdacht, dass der Mann kein Einzeltäter war. Sie löste deshalb auf der Suche nach möglichen Mittätern Großalarm aus: Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten sperrten die Straßen in der Innenstadt, kontrollierten ebenso alle Straßen und Brücken stadtauswärts, auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Im benachbarten Ludwigshafen gab es verstärkte Polizeikontrollen. Via Warnapp wurde die Bevölkerung vor einer „lebensbedrohlichen Lage“ gewarnt und aufgefordert, die Innenstadt großräumig zu meiden. Wer sich im Stadtzentrum aufhielt, sollte geschlossene Räume aufsuchen. Am Abend bestätigte die Polizei, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

Die Mannheimer Polizei richtete ein Hinweisportal ein, über das Augenzeugen Bild- und Videomaterial für Ermittlungszwecke zur Verfügung stellen sollte. Zugleich rief die Polizei dazu auf, keine Videos vom Tathergang oder dem noch laufenden Einsatz in den sozialen Netzwerken zu teilen. Der Aufruf verhallte aber: Auf der Plattform X und anderswo kursierten schon bald nach der Tat Bilder vom abgetrennten Bein eines Opfers.

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Wie reagiert die Politik?

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verschafften sich noch am Montagabend in Mannheim ein Bild von der Lage. Faeser (SPD) hatte von der Tat bei einem Besuch des Kölner Rosenmontagszugs erfahren, wo sie auf einem Wagen mitgefahren war; sie brach ihren Besuch sofort ab. Am Abend nahm sie gemeinsam mit Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl an einer Pressekonferenz vor Ort teil.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte den Angehörigen der Opfer von Mannheim sein tiefes Mitgefühl aus. „Es ist furchtbar, was sie durchmachen müssen“, erklärte Steinmeier über seine Sprecherin auf der Plattform X. „Den Verletzten wünsche ich rasche Genesung.“ Der Bundespräsident dankte Polizei und Rettungsdiensten.

Ähnlich äußerten sich Bundeskanzler Olaf Scholz und Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz. Scholz schrieb auf X: „Erneut trauern wir mit den Angehörigen der Opfer einer sinnlosen Gewalttat und bangen um Verletzte. Damit können wir uns nicht abfinden.“ 

CDU-Chef Merz erklärte ebenfalls auf X: „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Der Vorfall – wie auch die schrecklichen Taten der vergangenen Monate – mahnt uns eindringlich: Wir müssen alles tun, um solche Taten zu verhindern.“ Deutschland müsse wieder ein sicheres Land werden.

Auch aus dem Ausland gab es Reaktionen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versicherte den Beistand seines Landes. „An alle Menschen in Mannheim, insbesondere an die Angehörigen der Opfer dieser Gewalttat, an das deutsche Volk. Frankreich steht an Ihrer Seite“, schrieb Macron auf X. Der französische Staatschef veröffentlichte die Nachricht sowohl auf Französisch als auch auf Deutsch.

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Welche vergleichbaren Vorfälle gab es zuletzt?

Mitte Februar erst war in München ein Afghane mit seinem Auto in eine Gewerkschaftsdemonstration gerast. Dabei starben eine Frau und ein Kind, mehr als 30 wurden verletzt. Die Ermittler vermuten hier ein islamistisches Motiv. In Magdeburg hatte ein saudi-arabischer Arzt, der als Islam-Hasser bekannt war, kurz vor Weihnachten bei einer Amokfahrt sechs Menschen getötet und fast 300 verletzt.

Die 320.000-Einwohner-Stadt Mannheim ist jetzt zum wiederholten Male Schauplatz einer unfassbaren Tragödie: Ende Mai vergangenen Jahres hatte auf dem Marktplatz ein mutmaßlicher Islamist fünf Teilnehmer einer islamkritischen Kundgebung sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der Beamte erlag später seinen Verletzungen.

mit dpa