Das letzte Mal, als Deutschland beim ESC Deutsch gesungen hat, war 2007. Damals trat Roger Cicero mit „Frauen regieren die Welt“ an. „Ein österreichisches Geschwisterpärchen in der Schweiz, das auf Deutsch singt – das klingt für mich schon cool!“ So resümiert Nico Santos nach dem Auftritt von Abor & Tynna beim Finale des Vorentscheids für den Eurovision Song Contest (ESC).

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Da weiß Santos noch nicht, dass genau diese beiden mit ihrem Song „Baller“ sich mit 34,9 Prozent der Stimmen gegen die anderen acht Kandidatinnen und Kandidaten durchsetzen würden. Abor & Tynna gewinnen den deutschen Vorentscheid. Mit ihrem selbstgeschriebenen Song sollen sie also am 17. Mai im Finale des Eurovision Song Contest 2025 in Basel für Deutschland antreten.
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Stefan Raab: „Tynna ist ein super Typ, sehr untussig“
„Chef“ Stefan Raab scheint überzeugt: „Tynna ist ein super Typ, sehr untussig.“ Auch wenn der Auftritt an diesem Abend ein paar Schwächen hat – die Stimme sitzt nicht gleichmäßig –, sind sich alle darin einig: „Das ist ein Song mit internationalem Format!“ Und Raab fügt hinzu: „Das ist mit Abstand der modernste Song hier im Wettbewerb!“ Dann wendet er sich noch einmal an Tynna: „Irgendwie bist du so die junge, weibliche Udo Lindenberg. Deine A-Laute klingen häufig wie O-Laute. Mir gefällt sowas!“
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Zuschauende entscheiden über deutschen ESC-Kandidat
Neben Stefan Raab und Nico Santos sitzen am Samstagabend Yvonne Catterfeld und ESC-Gewinnerin Conchita Wurst in der Jury der Show „Chefsache ESC 2025 – Wer singt für Deutschland?“. Insgesamt neun Acts performen jeweils einen Coversong sowie ihren ESC-Titel. Fünf Acts wählt die Jury in die nächste Runde, in der dann allein das Publikum per Anruf, SMS oder Online-Vote entscheidet, wer Deutschland beim ESC 2025 vertreten soll. Erstmals können sich online auch Fans aus dem Ausland an der Abstimmung beteiligen. Und das ist bei Abor & Tynna offenbar gut genutzt worden.

Wunderkind Lyza?
Knapp auf den zweiten Platz gedrängt wird Lyza. 31,1 Prozent der Stimmen gehen an die vermeintlich noch unerfahrene Sängerin. Der Vorentscheid soll ihr erster öffentlicher Auftritt gewesen sein. Gleichzeitig muss man jedoch festhalten, dass an ihrem Song „Lovers On Mars“ ESC-Experte und Produzent Thomas Stengaard beteiligt war. Ein Pop-Song mit Country-Elementen, dem ein bis zwei Highlights fehlen. Dafür begeistert sie umso mehr mit ihrer Interpretation von „Creep“. Conchita Wurst bezeichnet daraufhin als „beste Sängerin des Abends“.

Raab zeigt sich ebenso beeindruckt von ihrer Stimme und fragt sich, wie es möglich ist, dass jemand ohne Gesangsausbildung so gut singt. Doch trotz ihrer großartigen Stimme ist die Jury nicht komplett überzeugt, ob der Song ausreicht, um beim ESC zu bestehen. So auch das Publikum: Barbara Schöneberger fragt versehentlich nicht bei den Freunden nach, wie sie den Auftritt fanden – wie sonst –, sondern einfach bei irgendwelchen Zuschauern. Das wird ihr erst bewusst, als die Zuschauerin schlicht auf die Frage, wie sie die Kandidatin findet, antwortet: „Geht so.“
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Moss Kena: Ihm fehlt der Phoenix
Den dritten Platz belegt mit 22,6 Prozent Moss Kena. Kurz vor seinem Auftritt offenbart er, dass er lange gar keine Perspektive gesehen hat und Drogen- und Alkoholprobleme hatte. Umso schöner, dass Conchita auch ihm noch eine Lobeshymne zukommen lässt: Es sei die beste Gesangsleistung des Abends. Allerdings: „Der Song ist großartig, aber er hätte noch schneller größer werden können“, erklärt sie. Das Publikum ist geteilter Meinung, doch Kena hat mit seinen Support-Touren mit Dua Lipa und Lewis Capaldi bereits bewiesen, dass er ein hohes internationales Potenzial hat.

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In den von der Jury ausgewählten Top-Fünf waren außerdem The Great Leslie sowie Leonora. Damit schieden kurz vor dem Telefon-Voting erwartungsgemäß „Beatles“-Freund Benjamin Braatz, die in Rüstungen gekleideten Feuerschwanz sowie die Band Cosby aus. Insgesamt ein würdiges Finale, das neugierig macht, wie sich Abor & Tynna am 17. Mai schlagen werden. Die Ansage von Stefan Raab ist ja klar: „Ich bin kein Typ für Kompromisse. Nur damit hat man eine Chance am Ende des Tages etwas zu gewinnen. Ich will gewinnen. Das ist das Einzige, was mich interessiert. Ich will nicht Zweiter werden. Alles oder nichts.“ Ob das Experiment „Chefsache ESC“ geglückt ist und es sinnvoll war, den Mann, der genüsslich auf der Bühne „Rambo Zambo“ singt, wiederzuholen, bleibt also noch offen.






