Neujahr im Afrikanischen Viertel in Wedding. Der Bordstein der Seestraße ist nicht nur mit Raketen-Packungen, Böller-Hülsen und Batterien bedeckt, sondern auch mit nasser und sandiger Erde. Zwischen den Tramstationen Seestraße und Amrumer Straße stehen am Mittwochmittag gelbe Wägen der BVG, weiß-rote Absperrungen sind aufgebaut, dazwischen stehen Personen in orangefarbenen und gelben Neon-Jacken und gucken in ein großes Loch, neben den Tramgleisen. Was war passiert?

An Silvester brach hier, gegen 20 Uhr, eine Wasserleitung, eine Transportleitung aus Tegel. Der Rohrbruch hatte schwerwiegende Folgen: In mehreren Bezirken fiel die Wasserversorgung aus. In Wedding, Moabit, Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Frohnau, Mitte war der Wasserdruck schwach oder es ging gar nichts mehr. Bis Mitternacht normalisierte sich die Lage nach Angaben der Wasserbetriebe. In der Seestraße staute sich das ausströmende Wasser, die Straße musste gesperrt werden. Inzwischen ist der See wieder verschwunden, die vierspurige Straße zumindest in Richtung Müllerstraße wieder befahrbar. Die Fahrbahn in Richtung Plötzensee/Stadtautobahn bleibt vorerst gesperrt.
Wasserschaden in der Seestraße in Berlin-Wedding
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Heute also Silvester ohne Wasser… pic.twitter.com/PNIUa6w3aA
Auch die Feuerwehr war vor Ort an der Seestraße und sprach von einem „massiven Wasserrohrbruch“. Sie bat darum, nicht die 112 wegen des Wasserschadens anzurufen. Die Notrufnummer war wegen vieler anderer Anrufe stark belastet. Von dem Wasserrohrbruch in Berlin war auch die Löschwasserversorgung betroffen. Das sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr. Die Feuerwehr griff auf bestehende Reserven in Tanklöschfahrzeugen zurück, sagte der Sprecher. „Das sind immer mehrere Tausend Liter.“
Wasserrohbruch in Berlin: Der Bauleiter erzählt Details
Bauleiter Michael Wendt sagte der Berliner Morgenpost am Mittwoch, sie würden jetzt das Wasser abpumpen, die Leitung freilegen und dann den Schaden begutachten. Aus dem Loch führen zwei Schläuche Wasser zum Straßenrand, dort gluckert das Wasser in einen Abfluss. Daneben sind hohe Hügel Erde aufgeschüttet: der Boden, der ausgebaggert wurde, um das Rohr freizulegen. Die Leitung stammt aus dem Jahr 1928, ist 760 Millimeter dick und aus Grauguss. Der Bauleiter hält Ermüdungserscheinungen für wahrscheinlich. Warum das Rohr platzte, kann aber noch nicht gesagt werden.

An der Baustelle bleiben immer wieder Schaulustige stehen. Ein Ehepaar, das in Laufweite lebt, erzählt, dass sie mehrere Sixpacks Wasser im Keller lagern – der Wasserausfall war für sie also aushaltbar. „Die Prepperei im Keller hat sich ausgezahlt“, sagt der Mann lachend. Für ihr sieben-Monate-altes Baby sei die Böllerei das größere Problem gewesen. Ein Anwohner, der in der Seestraße geboren wurde und vor 42 Jahren in den Kiez zurückkehrte, erzählt, dass das Wasser in der Nacht hüfthoch aus dem Loch gesprudelt sei. Er hätte schon befürchtet, dass er am Morgen keinen Kaffee würde kochen können, doch noch vor Mitternacht sei das Wasser wieder aus der Leitung gekommen. Er sei nur froh, dass sein Keller nicht überschwemmt wurde.
Nach Rohrbruch: Keller an der Seestraße unter Wasser
Das Glück hatten die Bewohner im Haus an der Ecke Seestraße und Guineastraße nicht. Ein großes Loch im Bürgersteig zeigt, wo hier das Wasser in den Keller eingedrungen ist. Im Innenhof schleppt ein Mann gerade schlammige Gegenstände zu einer Mülltonne. Kniehoch habe das Wasser im Keller gestanden, sagt er. Der Keller im Nachbarhaus sieht aus wie in einem Horror-Film. Die Decke ist niedrig, die Wand kahl, der Boden verschlammt. Mitten im Gang sind große Löcher im Boden – eine Folge des Wasserschadens, wie der Anwohner berichtet.
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Wie geht es jetzt weiter? Ein Sprecher der Wasserbetriebe sagte der Berliner Morgenpost, dass ab Donnerstag die Reparaturarbeiten beginnen würden. Die Wasserbetriebe wollen die Gelegenheit nutzen und die Leitung von der Tram-Station Virchow Klinikum bis zur Müllerstraße erneuern. Darüber würde man mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) sprechen. Das würde auch bedeuten: monatelange Bauarbeiten. Am Mittwoch waren die Tram-Linien M13 und 50 zwischen dem U-Bahnhof Osloer Straße und dem Virchow-Klinikum unterbrochen.
Im Laufe des Donnerstags können die Autos auch wieder Richtung Autobahn auf der Seestraße rollen. Die BVG hat einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Man hätte Glück im Unglück gehabt, sagte der Sprecher der Wasserbetriebe. Dadurch, dass das Rohr unter einer Rasenfläche brach, hätte das Wasser gut versickern können.
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Mit dpa



