Archäologen der Masaryk Universität entdeckten bei einer Ausgrabung in der Nähe des Dorfes Lány im Süden von Tschechien eine rätselhaft bronzene Gürtelschnalle, die auf einen bisher unbekannten heidnischen Kult hinweist. Der frühmittelalterliche Verschluss stammt aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. und zeigt eine Schlange, die ein froschähnliches Wesen verschlingt. Motive, die in mehreren europäischen Mythologien vorkommen. In einer Studie, im „Journal of Archaeological Science“ veröffentlicht, stellten die Forscher ihre Untersuchungsergebnisse vor.
Motive aus der slawischen Mythologie
Die Interpretation der Verzierungen sei „sehr kompliziert“, sagt Jiří Macháček, Erstautor der Studie. Dem Fachportal Medievalists.net erklärt er: „Das Motiv der Schlange, die ihr Opfer verschlingt, taucht in der germanischen, awarischen und slawischen Mythologie auf. Es war ein universell verständliches und wichtiges Ideogramm. Über seine genaue Bedeutung können wir heute nur spekulieren, aber im frühen Mittelalter verband es die verschiedenen Völker Mitteleuropas auf einer spirituellen Ebene“.
In der slawischen Mythologie spielten Drachen und Schlangen eine wichtige Rolle. Demnach symbolisierten sie den slawischen und baltischen Gott der Unterwelt „Veles/Velnias“. Eine weitere von den Slawen verehrte Gottheit war die weibliche „Mokosh“, die für Fruchtbarkeit stand und bei welcher Wasser sowie Spinnen zentrale Symbole waren.
Die Schlange, die das froschähnliche Wesen verschlingt, könnte laut der Forschenden den Mythos von der Erschaffung der Welt darstellen, aber auch Fruchtbarkeitspraktiken.
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Gürtelschnalle deutet auf unbekannten heidnischen Kult hin
Das Fundstück gehört zur Gruppe der sogenannten „Awarengürtel“, die im 7. und 8. Jahrhundert in Mitteleuropa hergestellt wurden. Die Gürtelschnalle wurde wahrscheinlich von einem Awaren getragen, ein Reitervolk mit nordostasiatischer Abstammung, das nach Europa migrierte, könnte aber auch von einer Kultur stammen, die von den kulturellen Praktiken der Awaren beeinflusst war.

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Die Archäologen hielten ihren rätselhaften Fund zunächst für einzigartig. Später fanden sie heraus, dass noch andere Gürtelschnallen mit identischen Motiven in verschiedenen Teilen Mitteleuropas gefunden worden waren, die Hunderte Kilometer voneinander entfernt lagen.
„Wir stellten fest, dass auch in Deutschland, Ungarn und noch einmal Tschechien fast identische Artefakte ausgegraben wurden. Mir wurde klar, dass wir es hier mit einem bisher unbekannten heidnischen Kult zu tun hatten, der im frühen Mittelalter, vor der Ankunft des Christentums, verschiedene Regionen Mitteleuropas miteinander verband. Deshalb organisierten wir ein internationales Forschungsteam, das die Artefakte im Detail untersuchte“, so Studienleiter Macháček.
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Gürtelamaturen stammten aus der gleichen Werkstatt
Das Team analysierte die Gürtelverschlüsse mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (EDXRF), Rasterelektronenmikroskopie (SEM), Blei-Isotopenanalyse und digitaler 3D-Morphometrie. Bei den Untersuchungen kam unter anderem heraus, dass der größte Teil der Bronze stark vergoldet war und mit einem Wachsmodell gegossen wurde.

Eine chemische Analyse der Bei-Isotope in der Bronzelegierung deuten darauf hin, dass das für die Herstellung verwendete Kupfer im slowakischen Roten Gebirge gewonnen wurde. Die dreidimensionale (morphometrische) Analyse legt nahe, dass einige der Gürtelarmaturen aus der gleichen Werkstatt stammen.
Mit den Ergebnissen erhoffen sich die Archäologen, zukünftige Funde effizienter vergleichen zu können. Zudem würden die Ergebnisse zu dem Verständnis der prähistorischen und frühgeschichtlichen Gesellschaft auswirken.
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