Begeistert beobachtet der 14-jährige Max, wie die Wassertropfen vom Blatt der Kapuzinerkresse abperlen. „Der Lotuseffekt“, sagt er, als sei damit alles erklärt. Während die meisten Schüler irgendwo am Strand liegen, beschäftigt sich Max in den Ferien mit den aktuellen Fragen der Forschung in der Nano-Technologie. Er ist einer von 60 hochbegabten Jugendlichen aus den siebten bis zehnten Klassen, die in dieser Woche auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See an der Junior-Akademie teilnehmen. Die Schüler, die vom Lernen nicht genug kriegen können, beschäftigen sich in dem Camp in fünf verschiedenen Kursen mit Fragen zum Thema Wasser, angefangen von den kleinsten Teilchen bis hin zu den Flüchtlingen, die häufig Grenzen wie Meere und Flüsse überwinden müssen.
Das Tagespensum ist enorm. Um 7.30 Uhr geht es mit dem Frühsport los und um 18.30 Uhr endet die letzte Kurseinheit. „Die Kinder, die hier sind, brauchen ständig neue Angebote. In der Schule werden sie oft von den Mitschülern als Streber belächelt und gebremst, hier sind sie unter Gleichgesinnten“, sagt Ulrike Krumrey von der Akademieleitung. Einige müsse man regelrecht zu Pausen zwingen, sonst würden sie auch am Abend oder beim Mittagessen nicht aufhören, an ihren Projekten zu arbeiten.
Wichtiger Tagesordnungspunkt ist deshalb auch vor dem Mittagessen eine halbe Stunde Ruhe, in der die Jugendlichen Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Fantasiereisen erlernen. Gute Noten sind kein Kriterium für die Aufnahme in die Junior-Akademie. Im Gegenteil, viele der Schüler hätten auch schlechte Noten, sagt Ulrike Krumrey, die selbst Lehrerin ist. Die Schüler würden sich langweilen und schalten im Unterricht ab. Um auf Scharfenberg dabei zu sein, müssen die Jugendlichen eine Empfehlung eines Lehrers oder einen Hochbegabten-Test vorweisen.
Camp in diesem Jahr für Klassenstufe zehn geöffnet
Die 14-jährige Emilia ist schon zum zweiten Mal dabei. Sie bezeichnet sich selbst eher als schüchternes Mädchen, doch bei der Untersuchung der Wasserqualität des Tegeler Sees lebt sie auf. Zehntklässler Felix ist sogar schon zum vierten Mal dabei. Angefangen hat er schon mit den Hochbegabten-Camps für Viert- bis Sechstklässler, die immer in der letzten Ferienwoche auf der Insel Scharfenberg stattfinden. Mit der neunten Klasse wäre für ihn im vergangenen Jahr eigentlich Schluss gewesen. Doch nun haben die Organisatoren das Camp in diesem Jahr für Klassenstufe zehn geöffnet.
Ob das Camp auch im nächsten Jahr wieder stattfinden kann, ist ungewiss. Bisher wurde die Junior-Akademie durch den Senat und durch Elternbeiträge von 300 Euro pro Kind finanziert. Im Doppelhaushalt 2016/2017 tauche das Angebot zum ersten Mal seit acht Jahren nicht mehr auf. „Wir versuchen jetzt Fördergelder von Instituten und Unternehmen zu bekommen“, sagt Krumrey. Und es gebe auch weiter Gespräche mit der Senatsverwaltung für Bildung. Vielleicht sei es möglich, aus dem Budget für die Inklusion Geld für die Gesamtkosten von 30.000 Euro zu erhalten.




