Kommentar

Warum wir in Berlin begabte Schüler stärker fördern müssen

Wenn es um Förderbedarf bei Schülern geht, sind meist Schwächen gemeint. Doch auch Schüler, die sehr begabt oder gar hochbegabt sind, brauchen zusätzliche Zuwendung und Bestärkung, meint Regina Köhler.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Ein Mantra der Bildungsexperten lautet seit Jahren: Kinder müssen individuell gefördert werden. In der Praxis geht es dabei aber meist nur um leistungsschwache Kinder. Für starke Schüler gibt es viel zu wenig Angebote. Begabtenförderung gilt hingegen als Luxusproblem. Sie findet nur statt, wenn gerade Zeit ist.

Das soll sich jetzt ändern. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, leistungsstarke Kinder stärker zu fördern, und dazu erstmals eine Förderstrategie beschlossen. Neben dem Überspringen von Klassen oder der frühen Einschulung empfiehlt die KMK unter anderem zusätzliche Projekte und Freiräume im Unterricht, Extraaufgaben für Begabte. Zudem: Spezialklassen für Hochbegabte oder gar eigene Schulen.

Dieser Schritt ist überfällig. Seit 15 Jahren zeigen Pisa-Studien und Ländervergleiche immer wieder, dass vergleichsweise wenig Kinder die besonders anspruchsvollen Mathematikaufgaben lösen oder sehr anspruchsvolle Texte verstehen können. Das macht deutlich, dass sich die Schulen zu wenig um die leistungsstarken Schüler kümmern. Dabei werden gerade diese Schüler am Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland dringend gebraucht.

Das Inklusionskonzept bietet eine große Chance

In Berlin gibt es wenigstens schon mehrere Eliteschulen und sieben Schnelllerner-Gymnasien. Einige Bildungseinrichtungen wie die Anna-Lindh-Grundschule in Wedding oder das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Spandau haben bereits ein spezielles Konzept zur Begabtenförderung. Ausreichend ist das aber noch lange nicht.

Denn am Ende ist es auch eine Frage der Bildungs- und Chancengerechtigkeit, wenn in den Schulen nicht nur die schwachen, sondern auch die starken Schüler gefördert werden. Und es gehört zur Inklusion – dem gemeinsamen Lernen von Kindern, die ganz unterschiedliche Fähigkeiten haben. Diesbezüglich haben die Berliner Bildungspolitiker jetzt eine große Chance. Sie entwickeln gerade ein Inklusionskonzept und könnten dabei die Förderung begabter Kinder zur Regel machen und so dafür sorgen, dass die Talentförderung nicht mehr dem Zufall überlassen bleibt.