Volker Heller, Leiter der Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), ist überzeugt, dass ein Neubau für seine Institution perfekt an den Rand des Tempelhofer Feldes passt. „Hier werden die Berliner selbstbestimmt lesen, arbeiten, sich bilden, aber sich auch einfach nur treffen können. Ein Ort der Kommunikation für alle Sinne wird gebaut. Mit etwa 10.000 Besuchern am Tag ist zu rechnen“, wirbt die ZLB. Die Bibliothek fördere das „herkunfts-, kultur- und generationenübergreifende Zusammenleben“.
Erst vereint an einem Standort könne die derzeit auf zwei Domizile aufgeteilte ZLB ihr volles Potenzial als Metropolenbibliothek entfalten und ein wichtiges Zeichen für Kultur und Bildung in der Hauptstadt setzen. Und schließlich: „Die neue Bibliothek ist ein Ort der Freiheit des Geistes. Darum wird sie auf dem Tempelhofer Feld gebaut, hier, wo schon seit 2010 Freizeit im allerschönsten Sinn möglich ist. Sie ist Erweiterung und Bereicherung dieses öffentlichen Raums.“
Doch ob der Neubau der zentralen Berliner Bibliothek gebaut wird, ist ungewiss. Der CDU liegt das Projekt längst nicht so am Herzen wie dem Koalitionspartner SPD. Viele Berliner sagen, dafür habe die Stadt kein Geld. Und ob ein Neubau dann auf dem Tempelhofer Feld realisiert würde, ist ebenfalls ungewiss. Denn eine Bürgerinitiative kämpft dafür, dass am Rand des Feldes gar nichts gebaut wird – keine Wohnungen, keine Gewerbegebäude und auch keine Bibliothek. Sie lehnt den Masterplan des Senats für das Tempelhofer Feld ab und hat erfolgreich einen Volksentscheid erwirkt. Über den stimmen die Berliner am 25. Mai ab, parallel zur Europawahl.
Zwei Gesetzentwürfe stehen am 25. Mai zu Wahl
Zur Abstimmung stehen zwei Gesetzentwürfe. Der erste stammt von der Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ und spricht sich gegen jegliche Veränderung am derzeitigen Gelände aus. Die Argumente der Initiative zielen dabei vor allem auf die Einzigartigkeit dieser weiten Freifläche, die sich zum beliebtesten Park Berlins entwickelt habe. Der andere Gesetzentwurf wurde vom Abgeordnetenhaus formuliert und stützt den Masterplan von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Er sieht konkret vor, 230 Hektar als städtische Grünfläche zu sichern. Auf drei Baufeldern am Rande des einstigen Flugfeldes sollen insgesamt 4700 Mietwohnungen gebaut werden, davon zunächst am Tempelhofer Damm 1700 Wohnungen. Weitere Wohnungen sind an der Neuköllner Oderstraße sowie am Südring geplant, außerdem Gewerbeflächen, Kitas, eine Schule und ein Sportgelände. Der Volksentscheid gehört zu den wichtigsten politischen Themen dieses Jahres in Berlin.
„Was wird aus dem Tempelhofer Feld?“ lautet deshalb auch das Thema des nächsten Leserforums in unserer Reihe „Morgenpost vor Ort“. Die Diskussion findet am Mittwoch, 7. Mai, im ehemaligen Transitbereich des Flughafengebäudes am Columbiadamm 10 statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Allerdings müssen Sie sich vorher anmelden. Jeder Leser kann ab 18.30 Uhr dabei sein und mit den sechs Experten diskutieren.
Spannende Diskussion über eine Grundsatzentscheidung
Auf dem Podium debattieren zunächst Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), Michael Schneidewind von der Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“, der Direktor der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), Volker Heller, Antje Kapek, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, und Isabell Jürgens, Fachredakteurin der Berliner Morgenpost für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Moderiert wird die Diskussion von Morgenpost-Autor und Kolumnist Hajo Schumacher. Die Gesprächsrunde soll etwa eine Stunde dauern, danach können sich die Teilnehmer im Publikum einschalten.
Das Gespräch wird sich unter anderem um die Frage drehen, ob angesichts der aktuellen Wohnungsnot in Berlin auf eine Bebauung am Rande des Tempelhofer Feldes verzichtet werden kann. Thema wird aber auch sein, ob die im Masterplan vorgesehenen 4700 Wohnungen nicht viel zu viele sind, wie massiv die Neubauten werden und wie der Verkehr abgewickelt werden soll. Welche Freizeitnutzungen werden auf dem Feld künftig noch möglich sein, bleiben etwa die Sportflächen und die Gemeinschaftsgärten erhalten? Hat der Senat genug unternommen, um die Bürger bei den Planungen einzubeziehen?
All das wird am Mittwochabend besprochen werden. Und sicherlich wird auch die Frage behandelt, welche Garantien es gibt, dass künftig nicht noch weitere Bereiche des Tempelhofer Feldes bebaut werden. Die Teilnehmer erwartet also eine spannende, kontroverse Diskussion über eine Grundsatzentscheidung für die Zukunft Berlins – und eine wichtige Entscheidungshilfe für den Volksentscheid am 25. Mai.





