Der ältere Bruder des Attentäters von Toulouse hat nach Informationen aus Polizeikreisen während seiner Vernehmung gesagt, er sei "stolz" auf die Taten von Mohamed Merah. Der 29-jährige Abdelkader Merah sei zudem während des Diebstahls des Motorrollers anwesend gewesen, mit dem sein Bruder unterwegs war, als er in Toulouse und Montauban sieben Menschen erschoss, hieß es am Samstag aus Polizeikreisen. Diese beschrieben den Bruder des Attentäters als streng religiös.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die Polizei außerdem Sprengstoff seinem Auto gefunden. Wie sein Bruder Mohamed war er im Visier der Sicherheitskräfte. Abdelkader soll 2007 geholfen haben, islamistische Kämpfer in den Irak zu schmuggeln.

Der 29-Jährige und seine Lebensgefährtin befinden sich noch bis Sonntag in Polizeigewahrsam. Am Samstag wurden sie aus Toulouse in die für den Anti-Terror-Kampf zuständige Unterdirektion der Polizei am Rande von Paris gebracht. Dort soll Merah einem Richter vorgeführt werden, der über die Eröffnung eines Ermittlungsverfahren entscheiden wird. Wie ein Augenzeuge berichtete, traf gegen 11.00 Uhr vor dem Gebäude ein Autokonvoi ein, in dem sich wahrscheinlich die beiden Verdächtigen befanden.

Suche nach Unterstützern des Attentäters

Abdelkader Merah war zusammen mit seiner Freundin am Dienstag festgenommen worden, als die Polizei seinen Bruder Mohamed gestellt hatte. Sie sollten helfen, Mohamed zur Aufgabe zu bewegen. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, wurde die Mutter Merahs am Freitagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Der 23-jährige Attentäter war während seiner Taten allein, doch besteht der Verdacht, dass er Unterstützung von anderen erhielt. Merah soll zwischen dem 11. und dem 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie einen Rabbiner und drei jüdische Kinder erschossen haben.

Er wurde am Donnerstag nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von der Polizei erschossen. Zuvor hatte er nach Polizeiangaben seine Taten zugegeben. Der Islamist gab an, im Namen der Extremistenorganisation al-Qaida gehandelt zu haben.

Regierung weist Kritik an Polizeieinsatz zurück

Angesichts der Kritik an der Arbeit der Polizei berief Präsident Nicolas Sarkozy für Samstag ein Treffen ein, um Fragen der Sicherheit zu besprechen. Innenminister Claude Guéant wies die Kritik an dem Polizeieinsatz zur Festnahme des Serienmörders als parteipolitisch motiviert zurück. Er rufe alle Beteiligten zu Würde und Respekt auf, sagte Guéant der Tageszeitung "Le Figaro".

Man dürfe nicht vergessen, dass es sieben Opfer gebe, darunter drei Kinder. "Es ist inakzeptabel, die Effizienz der Polizei zu hinterfragen", sagte der Minister. Guéant hatte den Einsatz beaufsichtigt. Das Drama von Toulouse und Montauban sei eine Erinnerung an die Terrorgefahr, die immer noch über dem Land schwebe, sagte Guéant der Zeitung.

Frankreich sei noch niemals zuvor mit einem solchen Einzelattentäter konfrontiert worden. Es sei daher für die Sicherheitskräfte sehr schwierig gewesen, die Handlungen dieses "einsamen Wolfs" vorherzusagen.

"Er kam raus wie der Teufel aus der Kiste"

Guéant wies auch den Vorwurf von Sicherheitsexperten zurück, die Polizei habe es verabsäumt, Merah mit Gas außer Gefecht zu setzen. Der Attentäter hatte sich 32 Stunden lang in seiner Wohnung verschanzt. Der Einsatz von Gas werde von internationalen Konventionen verboten, stellte der Minister klar. Die Polemik komme von Leuten ohne Kenntnis der Lage.

Merah habe gesagt, er wolle den Märtyrertod, erzählte der Chef des Polizei-Einsatzkommandos, Amaury de Hautecloque, dem "Figaro". "Er wollte zu Allah und seinen 72 Jungfrauen." Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als ihn zu töten. "Er kam raus wie der Teufel aus der Kiste."

Der sozialistische Kandidat, François Hollande, hatte zuvor schwere Verfehlungen der Sicherheitsdienste vermutet. Der Attentäter Mohamed Merah, ein Franzose algerischer Abstammung, stand nach Reisen nach Afghanistan und Pakistan unter Beobachtung. Er stand an der Spitze einer DCRI-Liste von 20 Personen, die in Südwestfrankreich besonders intensiv beobachtet werden sollten. Offenbar verlor der Geheimdienst aber seine Spur. Dem 23-Jährigen gelang es, ein Waffenarsenal anzulegen.

Schwangere heiratet toten Soldaten posthum

Ein vom Serienmörder aus Toulouse erschossener Soldat wird mit einer Sondergenehmigung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy posthum verheiratet. Seine schwangere Verlobte habe dafür die nötige Erlaubnis erhalten, erklärte ihr Anwalt.

Der 25 Jahre alte Fallschirmjäger und ein weiterer Kamerad waren am 15. März in Montauban bei Toulouse durch Kopfschüsse getötet worden, ein weiterer Soldat wurde lebensgefährlich verletzt. Die posthume Hochzeit ist nach diesen Angaben in Ausnahmefällen möglich, wenn zuvor bereits der Gestorbene seine Heiratsabsicht bekundet hat. Der Präsident muss dazu aber sein Einverständnis geben.

Deutsche Islamisten distanzieren sich von Merahs Morden

Deutsche Islamisten distanzierten sich von Merahs Taten und riefen Muslime zur Besonnenheit auf. In einer schriftlichen Stellungnahme, die Morgenpost Online vorliegt, schreibt Ibrahim al-Almani, der Pressesprecher des fundamentalistischen Salafiten-Predigers Pierre Vogel: "Wir verurteilten die kürzlich begangenen Anschläge auf unschuldige Menschen aufs Schärfste, auch wenn wir bisher keine klaren Beweise dafür haben, dass der Täter aus islamischen Gründen diese Tat gerechtfertigt hat."

Weiter schreiben die Salafisten, Muslimen sei es selbst im Kriegsfall verboten, unschuldige und unbeteiligte Menschen in irgendeiner Form Schaden zuzufügen.

"Wir alle sind von den ungerechten Kriegsführungen der Amerikaner und seiner Freunde sehr bestürzt und emotional betroffen", heißt es im Statement des Vogel-Sprechers. "Jedoch wird ein Anschlag die Lage in den betroffenen Ländern nicht verbessern, ganz im Gegenteil."

Alle Muslime in Deutschland seien dazu aufgerufen, sich ruhig und friedlich zu verhalten. Niemandem sei geholfen wenn ein Muslim mit einer Bombe oder einer Schusswaffe unschuldige Menschen töte.

Offenbar an mögliche Sympathisanten des Attentäters Merah gerichtet, bieten die Salafisten um Vogel sogar Hilfe für potenzielle Nachahmer an: "Solltest du in einer Phase stecken, in der du emotional so betroffen bist, dass du auf schlechte Gedanken kommst, dann melde dich bei uns, damit wir dir helfen können, deine Gedankenwelt zu ordnen."

AFP/dpa/Reuters/ks/ff