Der zweitälteste Sohn der niederländischen Königin Beatrix, Prinz Johan Friso, liegt im Krankenhaus in Innsbruck im Koma . Womöglich wird er nie wieder zu Bewusstsein kommen, nachdem er beim Skifahren von einer Lawine verschüttet worden war. Die Ärzte hatten erklärt, der 43-Jährige habe massive Hirnschäden erlitten.
Prinz Friso war am Freitag vor einer Woche in Lech am Vorarlberg mit einem Begleiter abseits der Piste unterwegs. Ein Schneebrett verschüttete die beiden. Der Begleiter konnte sich retten. Friso musste 50 Minuten lang wiederbelebt werden.
Im Rettungshubschrauber soll es dabei zu einer schweren Panne gekommen sein. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Als es um Leben und Tod ging, sei der Akku eines Reanimationsgerätes ausgefallen. Man habe Frisos Herz mit einem "AutoPulse"-Gerät wiederbeleben wollen.
"Aufgrund der Kälte war der Akku nach einer gewissen Zeit leer"
Matthias Marxgut, Bergretter der Landesleitung Vorarlberg, bestätigte laut "Bild" den Vorfall: "Nachdem ein Herzstillstand festgestellt worden war, wurde der Prinz an das Herzdruckmassagegerät angeschlossen. Doch aufgrund der Kälte war der Akku nach einer gewissen Zeit leer."
Insidern zufolge sei dies nach neun Minuten der Fall gewesen – normalerweise halte ein solcher Akku 40 bis 60 Minuten. Während ein Retter den Akku gewechselt habe, hätte ein anderer von Hand massiert. Ein Ersatzakku sei angeblich nach 15 Minuten leer gewesen.
Die Voralberger Bergrettung bestreitet jedoch dieses Detail:
Marxgut sagte am Montag der österreichischen Nachrichtenagentur Apa, dass der Einsatz "überdurchschnittlich schnell und sehr professionell" abgelaufen sei. Laut Marxgut habe der Reserveakku so lange seinen Dienst versehen, wie er benötigt worden sei. Es sei zu keiner Unterbrechung der Herzmassage gekommen.
Bergretter weisen Vorwürfe zurück
Der Bergretter wies in dem Bericht auch in Internetforen geäußerte Vorwürfe zurück, dass der Niederlande nur deshalb 50 Minuten lang reanimiert worden sei, weil er einem Königshaus angehöre. "Über die Dauer der Reanimationsmaßnahmen entscheidet immer der Notarzt", sagte Marxgut.
Gerade bei Lawinenopfern könne man hoffen, dass die Unterkühlung das Gehirn schütze, deshalb würden Rettungsmaßnahmen oft sehr lange durchgeführt. Darüberhinaus sei den Rettern zunächst klar gewesen, wer der Verletzte war.
Die "Bild"-Zeitung hatte außerdem berichtet, die Herstellerfirma des Reanimationsgerätes habe bereits im September zum Wechsel der Akkus geraten. Sowohl das Unternehmen, der der betroffene Hubschrauber gehört, als auch die Bergrettung als Eigentümerin der Reanimationsgeräte bestritten jedoch gegenüber dem Internet-Portal " Vorarlberg Online ", ein Schreiben von der Herstellerfirma erhalten zu haben, in dem der Akkutausch empfohlen wird.
Anteilnahme in den Niederlanden an Frisos Schicksal
Nach der düsteren Prognose für Friso ist die Anteilnahme in den Niederlanden an dem Schicksal der Königsfamilie groß. Die Menschen schickten immer mehr Blumen und Grußkarten zum Palast in Den Haag, berichteten niederländische Medien am Wochenende.
Derzeit wird nach einer Reha-Klinik für Friso gesucht. Königin Beatrix (74) wollte das Wochenende in den Niederlanden verbringen, aber schon zu Wochenbeginn wieder nach Lech zurückkehren. Nach Informationen des ORF wollen die Königin und Mabel, die Frau des Prinzen, gemeinsam mit den Ärzten der Klinik Innsbruck das weitere Vorgehen besprechen.
Derweil dreht sich die Debatte in Österreich auch um ein mögliches Skiverbot im Gelände. Die Tourismus-Verantwortlichen in Lech wollen das Fahren im freien Gelände jedoch trotz des Unfalls nicht einschränken. Man könne nicht "einen ganzen Berg sperren", sagte Tourismusdirektor Hermann Fercher dem ORF-Sender "Radio Vorarlberg".
dpa/mak/ehd



