Nach Sanktionsbeschluss

Iran plant Öl-Blockade gegen Europa

Mit einem Öl-Embargo ab Jahresmitte will die EU den Iran von seinen Atom-Plänen abbringen. Doch das Land reagiert nun mit einem sofortigen Lieferstopp.

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Die iranische Regierung will offenbar dem Öl-Embargo der EU zuvor kommen. Einem Bericht der britischen "Financial Times " zufolge, will das Parlament ein Gesetz verabschieden, das einen sofortigen Stopp der Öllieferungen nach Europa vorsieht. Bisher hatte der Iran nur mit einer solchen Maßnahme gedroht.

Mit dem Lieferstopp reagiert das Land auf die geplanten Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union. Dem Iran wird vorgeworfen, unter dem Deckmantel der Energieerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten, was die Führung in Teheran bestreitet. Spätestens ab dem 1. Juli darf laut Embargo kein Öl mehr aus dem Iran in die EU importiert werden.

Die europäischen Vertreter wollten mit der Übergangszeit vor allem die südeuropäischen Staaten schützen. Italien, Griechenland oder Spanien sollten ausreichend Zeit bekommen, sich Alternativen zu suchen.

Iran-Sanktionen könnten Öl um bis zu 30 Prozent verteuern

Ein Stopp iranischer Öl-Exporte könnte den Preis nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 20 bis 30 Prozent nach oben treiben. Finanzsanktionen, wie sie die USA verhängten, seien gleichbedeutend mit erlassenen Einfuhrverbot der Europäischen Union, hieß in einem IWF-Bericht an die G 20. Dadurch würde der fünftgrößte Öl-Produzent der Welt pro Tag rund 1,5 Millionen Barrel weniger ausführen können.

Aus der Branche kamen dagegen andere Einschätzungen: Der französische Öl-Riese Total rechnet nicht mit einem größeren Einfluss des Embargos der EU auf den iranischen Absatz oder den Öl-Markt im Allgemeinen.

Das Öl werde anderweitig verkauft, sagte Konzernchef Christophe de Margerie am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die Islamische Republik könnte auch Preisnachlässe gewähren, um den Verkauf zu beschleunigen. Total selbst hält sich nach eigenen Angaben bereits an das Embargo und hat seine Käufe gestoppt. Zuvor hatten die Franzosen pro Tag rund 80.000 Barrel abgenommen.