Iran-Boykott

Wird nach dem Öl-Embargo das Benzin teurer?

Der Import-Stopp für Öl aus dem Iran wird nicht ohne Folgen bleiben – weder für den Iran noch für Europa. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Werden jetzt die Preise für Öl und Benzin steigen?

Ja. Ölexperten erwarten, dass die Preise für Öl und Benzin ab Mai langsam um bis zu zehn Dollar pro Barrel (159 Liter) Brent-Öl steigen dürften. Dabei ist der derzeitige Preis von 110 Dollar pro Barrel schon recht hoch. Josef Auer, Öl-Spezialist bei Deutsche Bank Research, sagte Morgenpost Online: "Ich denke, dass der Liter Benzin an den Zapfsäulen auf mittlere Sicht um bis zu zehn Cent teurer werden kann durch das Embargo."

Sollte dann auch noch wegen der anhaltenden Krise in Europa der Euro im Verhältnis zum Dollar schwächer werden, dürften die Benzinpreise im Herbst noch deutlich mehr als zehn Cent steigen.

Eine echte Ölknappheit ist aber nicht zu erwarten, der Preisanstieg ist vor allem eine "Schreckensprämie", die durch neue Unsicherheiten am Ölmarkt entsteht. Dämpfend auf den Preisanstieg könnte die Rezession in vielen Euro-Ländern wirken.

Hilfreich ist aber auch, dass der Importstopp erst ab Juli gelten soll, Frankreich hatte auf einen früheren Termin gedrungen. Aber im Juli ist die Heizperiode in Europa erst einmal vorüber und die Ölnachfrage ist nicht so groß wie im Winter.

Wie wichtig ist Öl aus dem Iran für die EU?

Insgesamt ist die Abhängigkeit eher gering. Nur 5,8 Prozent der europäischen Ölimporte kommt aus dem Iran, der Iran ist der fünftgrößte Öllieferant der EU. Allerdings sind die EU-Staaten sehr unterschiedlich auf iranisches Öl angewiesen.

Während Deutschland, Frankreich und Großbritannien kaum Öl aus Iran beziehen und darum für eine harte Gangart gegenüber Teheran wahren, hat Griechenland zuletzt mehr als die Hälfte seines Öls aus dem Iran bezogen – zu relativ günstigen Preisen. Für das Pleiteland Griechenland wird Öl jetzt auf jeden Fall teurer, das Land leidet von allen EU-Ländern mit Abstand am meisten unter dem Embargo.

Bei der Suche nach Ersatz für Öl aus dem Iran werden viele Ölhändler zögern, mit dem bankrotten Griechenland Geschäfte zu machen. Dennoch ist zu erwarten, dass osteuropäische Länder, wie die Ukraine, einspringen werden. Außerdem könnte über so genannte Graumärkte doch noch Öl aus dem Iran nach Griechenland gelangen.

Wird Saudi-Arabien Irans Öl-Lieferungen jetzt übernehmen?

Saudi-Arabiens Produktion ist mit rund 10 Millionen Barrel am Tag schon jetzt ziemlich hoch, aber es gibt noch Kapazitäten. Wahrscheinlich wird das Land einspringen, wenn es nötig sein sollte. Aber die Saudis werden versuchen, dies möglichst unbemerkt von der Öffentlichkeit zu machen. Saudi-Arabien hat Interesse daran, dass der Konflikt in der Region nicht weiter eskaliert. Auf der anderen Seite will Saudi-Arabien die Beziehungen zum Iran nicht gefährden.

Wie wird das Regime im Iran auf die neuen Öl-Sanktionen reagieren?

Das ist ungewiss. Die Hoffnung der EU ist, dass das Regime bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm einlenken wird durch den neuen Druck. Das ist aber völlig offen. Es kann genauso gut sein, dass die iranische Regierung jetzt noch weniger bereit sein wird, über das Atomprogramm zu verhandeln und sich insgesamt aggressiver gegenüber dem Westen verhalten wird.

Die iranische Regierung wird den Importstopp für Öl so interpretieren, dass die EU auf einen Regimewechsel in Teheran abzielt – zumindest kurzfristig dürften die Beziehungen darum noch eisiger werden.

Welche Folgen wird das Öl-Embargo für den Iran haben?

Je nach Dauer und Intensität können sie dem Land einen großen Schaden zufügen. Schon die bisherigen Sanktionen, die bestimmten iranischen Unternehmen sagten, Geschäfte mit der EU zu machen, haben zur Unterentwicklung des Iran beigetragen. Das Öl-Embargo bedeutet nicht nur eine neue Eskalationsstufe, sondern auch eine neue Qualität von Sanktionen, die weit mehr sind als unangenehme Nadelstiche.

Der Iran verkauft derzeit knapp ein Fünftel seines Öls nach Europa. Die Devisen nutzt das Land, um Nahrungsmittel und andere wichtige Importgüter zu finanzieren. Das wird jetzt deutlich erschwert. Mittelfristig dürften die Preise für Nahrungsmittel im Iran ansteigen, auch wenn man versuchen wird, auf Länder wie Armenien auszuweichen.

Sollte das Embargo lange anhalten, könnten die fehlenden Deviseneinnahmen zu sozialen Unruhen und wirtschaftlichen Problemen führen, die eine Destabilisierung des Regimes bewirken.