Havarie vor Giglio

Taucher bergen Frauenleiche aus "Concordia"-Wrack

Bei ihrer Suche nach Vermissten haben Taucher eine Frauenleiche im Heck der "Concordia" gefunden. Um das Schiff vor der Insel Giglio bildet sich ein Ölfilm.

Mehr als eine Woche nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ vor der toskanischen Küste haben die Rettungskräfte eine weitere Leiche aus dem Wrack geborgen. Bei dem Opfer handelte es sich um eine Frau, wie die italienische Küstenwache am Samstag mitteilte.

Taucher hätten den Leichnam im Heck des Schiffes gefunden und auf die Insel Giglio gebracht. Über die Nationalität der Frau wurde nichts mitgeteilt. Damit stieg die Zahl der Toten auf mindestens zwölf. 20 Menschen wurden noch vermisst.

Die Taucher nahmen die Suche nach den Vermissten am Samstagvormittag wieder auf. Um den Zugang zu dem Schiff zu erleichtern, sprengten sie zuvor mehrere Löcher in den Rumpf. Die Taucher suchten nach Überlebenden oder Leichen von Verunglückten.

Experten gingen jedoch davon aus, dass keiner der 21 Vermissten noch am Leben ist. Der deutsche Botschafter in Italien zeigte sich bei einem Besuch auf Giglio hingegen optimistisch, dass noch Überlebende gerettet werden könnten.

Leichter Ölfilm um das Schiffswrack

Unterdessen bestätigten die italienischen Behörden, dass sich und um das Wrack ein leichter Ölfilm gebildet habe. Es gebe jedoch keine Hinweise darauf, dass ein Teil der 2.200 Tonnen Schweröl aus den Tanks des Schiffs ausgetreten sei, sagte der Sprecher der Küstenwache, Cosimo Nicastro, am Samstag.

Bei der Substanz scheine es sich um Diesel zu handeln. Der Treibstoff wird von Rettungsbooten genutzt und dient als Schmiermittel der Maschinen an Bord der „Costa Concordia“. Der Ölfilm sei „sehr dünn und oberflächlich“ und offenbar unter Kontrolle, sagte Nicastro.

Spezialschiffe zum Absaugen ausgetretenen Öls seien in dem Gebiet, sagten Behördenvertreter im italienischen Fernsehen. Zuvor hatten Arbeiter Barrieren zur Eindämmung des Ölfilms wieder eingeholt. Die ursprünglich weißen Barrieren hatten sich grau verfärbt.

"Die Verschmutzung der Umwelt findet bereits statt“

Der Leiter des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, sagte auf einer Pressekonferenz, „die Verschmutzung der Umwelt findet bereits statt“. Auch wenn das Schweröl aus den Tanks noch nicht ausgelaufen sei, „dürfen wir nicht vergessen, dass Öle, Lösungs- und Reinigungsmittel an Bord sind – alles, was eine Stadt mit 4.000 Menschen braucht“, sagte Gabrielli in Bezug auf die über 4.200 Menschen an Bord der „Costa Concordia“.

Bei einem Besuch auf Giglio äußerte sich der deutsche Botschafter in Rom zuversichtlich, dass möglicherweise noch Überlebende aus dem Wrack geborgen werden könnten. „Die Hoffnung ist absolut da“, sagte Michael Gerdts am Samstag nach einem Treffen mit Gabrielli.

Gleichzeitig sicherte er den italienischen Behörden weitere Unterstützung aus Deutschland zu. Bereits jetzt seien Beamte des Bundeskriminalamtes sowie Psychologen des Auswärtigen Amts vor Ort, um die Angehörigen der Vermissten zu betreuen, sagte Gerdts.

In Deutschland wollen nach dem Schiffsunglück weitere Passagiere Schadensersatzforderungen geltend machen. Zu den fünf Touristen, die bereits Ansprüche in Höhe von rund 100.000 Euro gestellt hätten, würden in der kommenden Woche wohl noch weitere hinzu kommen, sagte Opfer-Anwalt Hans Reinhardt.

In den USA droht Schiffseigner eine Sammelklage

In den nächsten Tagen führe er Gespräche mit mehreren Touristen, die beabsichtigen, sich Geld zurückzuholen. Die bisherigen Forderungen kämen von zwei Ehepaaren und einer Frau aus Nordrhein-Westfalen. „Allein für die psychische Beeinträchtigung werden 2500 Euro Schmerzensgeld pro Person geltend gemacht“, sagte Reinhardt.

Auf Kreuzfahrten hätten viele Touristen ihr gesamtes Hab und Gut dabei. „Schmuck, Kreditkarten, wichtige Dokumente – nach so einem Unfall ist alles weg“, erläuterte der Anwalt das Zustandekommen der Gesamtforderung von 100.000 Euro. Generell müssten Passagiere ihre Ansprüche innerhalb von vier Wochen nach einer Reise geltend machen.

In den USA droht dem Eigner der „Costa Concordia“ zudem eine Sammelklage. Die italienische Verbraucherschutzorganisation Codacons wolle gemeinsam mit zwei US-Kanzleien Klage gegen Costa Cruises einreichen, berichtete die britische Rundfunkanstalt BBC am Samstag. Sie verlangten für jeden Passagier eine Entschädigung von 160.000 Dollar (124.000 Euro).