Jobmarkt

Arbeitslosigkeit im Jahr 2011 fällt auf 20-Jahres-Tief

Im Jahr 2011 waren im Schnitt 2,976 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job. Weniger Arbeitslose hatte es zuletzt vor 20 Jahren gegeben.

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Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat 2011 ein Blütejahr erlebt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Im Jahresdurchschnitt waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) 2,976 Millionen Arbeitslose registriert. Noch weniger seien es zuletzt 1991 gewesen, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Ausschlaggebend dafür sei die gute konjunkturelle Entwicklung.

Auch für 2012 zeigte sich der BA-Chef verhalten optimistisch. Mit seiner Prognose von knapp unter drei Millionen Arbeitslosen im Jahresschnitt blieb er jedoch zurückhaltender als viele Forschungsinstitute. Bremsspuren der nachlassenden Konjunktur seien auf dem Arbeitsmarkt noch nicht auszumachen. Auch finanziell beschließt die BA das Jahr positiv: Statt eines Milliardendefizits verbucht sie einen geringen Überschuss.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht den Arbeitsmarkt weiterhin in einer „grundsoliden Verfassung“. 2011 sei „ein sehr gutes Jahr für den Arbeitsmarkt gewesen“, sagte von der Leyen. Für 2012 erwarte sie ebenfalls einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler rechnet mit einer Fortsetzung der guten Entwicklung, allerdings mit langsamerem Tempo.

Das Jahr 2011 könne „als das mit Abstand erfolgreichste Jahr für die Erwerbstätigen im wiedervereinigten Deutschland bezeichnet werden“, sagte Rösler. Zum einen habe die Zahl der Beschäftigten ihren bisherigen Höchststand vom Jahr zuvor nochmals deutlich übertroffen. Zum anderen hätten aber auch die Entgelte je Arbeitnehmer kräftig zugenommen. Bei einer moderaten Preisentwicklung seien die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte deshalb wesentlich gestiegen. Gleichzeitig habe die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2011 den niedrigsten Stand seit 1991 erreicht.

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt setzte sich auch im Dezember fort. Der für die Winterzeit übliche Anstieg fiel etwas geringer aus als in der Vorjahren. Bei der BA waren nach Angaben der Behörde 2,78 Millionen Arbeitslose registriert. Dies seien 67.000 mehr gewesen als im November, aber 231.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Monatsvergleich um 0,2 Punkte auf 6,6 Prozent.

Arbeitslosigkeit geht saisonbereinigt zurück

„Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich auch zum Jahresende 2011 positiv entwickelt“, sagte Weise. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Arbeitslosigkeit erneut zurück, und zwar um 22.000 Erwerbslose. Volkswirte hatten eine Abnahme um 10.000 erwartet. „Die Erfolgsgeschichte am Arbeitsmarkt geht weiter“, sagte Andreas Rees von Unicredit.

Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank rechnet für das Frühjahr mit einer Verschlechterung als Folge der Konjunkturabschwächung: „Die Chancen stehen jedoch gut, dass es dort keine heftigen Reaktionen geben wird.“ Der Arbeitsmarkt habe die finanz- und währungspolitischen Turbulenzen wie auch die konjunkturpolitischen Eintrübungen gut gemeistert, sagte Weise. Diese Risiken blieben aber für die Zukunft bestehen. Hinzu kämen der Bedarf an Fachkräften und langfristig der demografische Wandel mit dem Rückgang des Arbeitskräfteangebots . In manchen Regionen sei ein Mangel an Fachkräften bereits spürbar und begrenze dort die Wirtschaft.

Bundesweit werden laut BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker Ingenieure für Fahrzeug- und Maschinenbau, Ärzte und examinierte Fachkräfte für die Altenpflege gesucht. Im Januar erwartet Weise den für die Jahreszeit üblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der vor allem von Entlassungen in Außenberufen und im Handel nach Abschluss des Weihnachtsbooms genährt wird.

„Für Januar erwarten wir relativ sicher einen Anstieg auf über drei Millionen“, sagte Weise, „es könnten 3,1 oder 3,2 Millionen sein.“ Für das gesamte Jahr 2012 rechne er mit einem Jahresdurchschnitt von „knapp unter drei Millionen“.

Beschäftigung steigt stark an

Die Beschäftigung hat 2011 noch stärker zugelegt als die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist. Mit durchschnittlich 2,976 Millionen waren 263.000 Arbeitslose weniger registriert als im Jahr 2010. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten legte nach Berechnungen der BA im Jahresvergleich um 719.000 auf 29,02 Millionen im Oktober zu.

Die Zahl der Erwerbstätigen – die auch Selbstständige, Beamte und Mini-Jobber umfasst – mit Arbeitsort in Deutschland stieg laut Statistikamt im November auf den Rekord von 41,61 Millionen. Das waren 521.000 mehr als vor Jahresfrist. Weise zufolge verloren 2,8 Millionen Beschäftigte ihren Job im ersten Arbeitsmarkt, 143.000 weniger als im Jahr davor.

„Insgesamt ist 2011 das Risiko, arbeitslos zu werden, geringer geworden“, sagte Weise. „Gleichzeitig sind die Chancen gestiegen, Arbeitslosigkeit durch Aufnahme von Beschäftigung zu beenden.“ In den vergangenen zehn Jahren zeige sich ein Trend zu mehr Teilzeitarbeit, mehr Befristungen und mehr Zeitarbeit. Die Normalarbeitsverhältnisse seien aber nicht weniger geworden: „Der Zuwachst ist flexibler geworden.“

Statt eines ursprünglich erwarteten Defizits von 5,4 Milliarden Euro zeichnet sich bei der BA ein geringer Überschuss von etwa 70 Millionen Euro ab. Die Behörde werde daher kein Darlehen des Bundes aufnehmen müssen. Zudem wurden in der überwiegend aus Steuermitteln vom Bund finanzierten Hartz-IV-Grundsicherung laut Weise fünf Milliarden Euro weniger ausgegeben.