Das Dach des erst vor fünf Jahren eröffneten Berliner Hauptbahnhofs ist undicht. Vor allem durch den 321 Meter langen Glasbau in Ost-West-Richtung tropfe es bei Regen an einigen Stellen durch, bestätigte ein Bahn-Sprecher einen Bericht des RBB. Krähen würden picken, doch auch das Material porös. Der Konzern lasse die Schäden jetzt prüfen. Für das kommende Frühjahr sei eine größere Überholung des Glasdachs vorgesehen. Die Gewährleistungsfrist für das Dach ist allerdings bereits abgelaufen.

Sobald wie möglich sollen die Stellen repariert werden. Das hänge aber auch vom Wetter ab. "Dafür muss es vor allem trocken sein", sagte der Sprecher.

An Europas modernstem Kreuzungsbahnhof mussten nach Bahnangaben in den vergangenen Jahren immer wieder defekte Glasscheiben ausgewechselt werden. Das sei aber bei einem so großen Bauwerk nicht ungewöhnlich, betonte der Sprecher.

Die Krähen pickten aus reinem Spieltrieb die Dichtungen aus den Fugen des Glasdachs, erklärt Jens Scharon vom Naturschutzbund Berlin (Nabu) dem RBB. Sie können den Hauptbahnhof künftig immer wieder beschädigen: "Gerade in den Wintermonaten kommt es immer wieder vor, dass Vögel die Dichtungen an Fenstern und Fassaden abpicken", sagte Nabu-Ornithologe Markus Nipkow

Vor einigen Jahren gab es wegen Krähen ein ähnliches Problem mit dem Dach des Berliner Olympiastadions . Im Behördendeutsch hieß es damals, die Fugenprofile seien gerissen und die Abdeckbleche durch Vogelbisse beschädigt. An einigen Kanten waren Löcher in die Silikon-Abdeckung gehackt worden. Inzwischen wird anderes Fugenmaterial verwendet, das den Vögeln nicht mundet.

Auch im Stadion von Hannover 96 gibt es ähnlichen Ärger: Dort zerstören die Vögel seit Jahren immer wieder das Dach – allerdings auf Suche nach Futter: Unter dem Dach leben Insekten.

Naturschützer führen die Krähen-Plage in Städten auch auf die Landflucht der besonders geschützten Saatkrähen zurück: Der Chemieeinsatz in der Landwirtschaft vernichte zunehmend die traditionellen Lebensräume. Die Jagd, zunehmende Bebauung und das Fällen von typischen Brutbäumen machten den Vögeln das Leben schwer.

Krähen stehen unter Naturschutz. Große Kolonien mit mehr als 600 Brutpaaren gibt es unter anderem im westfälischen Soest, im Nordwesten unter anderem in Jever, Diepholz und Achim bei Bremen sowie in Leer.

Das vermutlich zweckfreie, rein spielerische Verhalten der Berliner Krähen erinnert an eine Plage in den Bergen der neuseeländischen Südinsel. Dort nehmen Keas die Rolle der Krähen ein.

Der auch Bergpapagei genannte Vogel (Nestor notabilis) ist wegen seines hübschen und exotischen Aussehens und seiner Neugier ein Liebling aller Touristen – sofern sie nicht mit dem eigenen Auto in die Berge gekommen sind. Denn der Kea ramponiert ihre Autos, denn mit seinem kräftigen Schnabel rupft er die Gummidichtungen der Fenster und Türen heraus.

Besonders die jungen Tiere erfreuen sich an diesem Spiel. Auch das Tuning der Karosserien nimmt sich der Kea manchmal vor, indem er den glänzenden Autolack mit kräftigen Schnabelhieben verschönert.

Doch gegen den gefiederten Rabauken sind auch in Neuseeland nur gewaltfreie Maßnahmen erlaubt, denn der Vogel steht unter Artenschutz. Seine Population hat deutlich abgenommen, weil die Tiere lange Zeit von Farmern erschossen und vergiftet wurden (und bisweilen noch werden).

dpa/AFP/dapd/cl/wom