"Wer wird Millionär?"

Gaby Köster die Witzigste, Manuel Neuer der Klügste

Die vom Schlaganfall gezeichnete Komikerin Gaby Köster punktete beim WWM-Promispecial mit Galgenhumor. Und Nationaltorwart Neuer zeigte, wie Länderspiele bilden.

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Da denkt man als Zuschauer immer, die Nationalkicker würden sich schon aufs nahende Spiel konzentrieren, wenn die Hymnen der beiden Staaten vor dem Anstoß erklingen. Doch was macht Keeper Manuel Neuer? Er schaut sich in Ruhe die Flagge des jeweiligen Gegners an.

So konnte er beim „Wer wird Millionär?“-Promispecial locker die 64.000-Euro-Frage beantworten und einen Joker sparen, wodurch er schließlich eine halbe Million gewann.

Auf wessen Staatsflagge steht in der Landessprache das Motto „Ordnung und Fortschritt?“, lautete die Frage, zur Auswahl standen Australien, Brasilien, Südafrika und Indonesien.

Gegen Brasilien hätte er ja schon gespielt, so Neuer, und auf der Flagge habe er zwei Worte und in der Mitte ein „e“ gesehen, was „und“ bedeutete. Also Brasilien. Richtig – da sage noch einer, Fußball würde nicht bilden.

Der Nationaltorwart war der letzte der vier Prominenten auf dem Ratestuhl. Die Dramaturgie der Sendung – von Günther Jauch wie immer bei den Promispecials durch verstärkte Unterstützung entscheidend mitgestaltet – stimmte also. Zuvor hatten bereits Maite Kelly und Michael Mittermeier je 125.000 Euro gewonnen, Gaby Köster kam auf 64.000 Euro.

Bald vier Jahre nach ihrem Schlaganfall hatte sich Köster ja erst kürzlich bei ”Stern TV“ erstmals wieder im Fernsehen gezeigt, danach aber schon wieder einige TV-Auftritte absolviert, wenngleich körperlich eingeschränkt. Auch bei Günther Jauch kam sie gestützt von ihrer besten Freundin auf die Bühne und berichtete, noch immer auf Rollator und Spezialstock angewiesen zu sein.

"Wenn’s nicht stimmt, kann ich mir ja ’n Ohr abschneiden"

Geistig jedoch ist die Humorarbeiterin topfit, und auch ihr Witz ist nicht verloren gegangen. Nachdem sie dem Zusatzjoker gefolgt war, der wusste, dass Henri de Toulouse-Lautrec 1887 in Paris seinen Kollegen Vincent van Gogh gemalt hatte, meinte sie: ”Wenn’s nicht stimmt, kann ich mir ja hinterher noch ’n Ohr abschneiden.“

Eine schwarz gekleidete Heidelbergerin aus dem Publikum war dieser Zusatzjoker, und weil sie zu fast allen Fragen die Antworten zu wissen glaubte, aber auch mal daneben lag, schoss sich Günther Jauch konsequent auf sie ein. Erst nannte er sie ”schwarze Mamba“, dann, in Anlehnung an die Priesterin, die im Tempel von Delphi den Ratsuchenden weissagte, ”Pythia“.

”Die Pythia von RTL“, so Jauch, ”darüber könnte man am Nachmittag etwas machen“. Klar, denn bei RTL, das hatte Jauch bereits konstatiert, als bei der ersten Auswahlfrage alle Promis kapitulieren mussten, sei das Niveau ”beliebig senkbar“.

Das Niveau des 23. WWM-Promispecials indes war insgesamt eher mittelprächtig, der Ablauf mitunter etwas zäh. Was auch an der Sendelänge lag. Mehr als drei Stunden wurde geraten, weil Jauch zwischendurch immer wieder ins Spendenstudio schaltete, wo andere Prominente im Rahmen des RTL-Spendenmarathons für Kinderhilfsprojekte in aller Welt sammelten, denen auch die Promispecial-Gewinne zugute kommen.

Die erste Schallplatte der Kanzlerin

Kamen am Spenden-Telefon die Millionen schnell zusammen, so kratzte beim Quiz lediglich Nationaltorwart Neuer an der einen Million, die bisher lediglich Oliver Pocher und Thomas Gottschalk 2008 sowie Barbara Schöneberger im Mai 2011 als Prominente für sich reklamieren konnten.

Bei der 125.000-Euro-Frage setzte Neuer mit Erfolg einen seiner Brüder als Telefonjoker ein, doch die verbliebenen zwei Joker gingen beide für die 500.000-Euro-Frage drauf, welche Baumart nur 1,5 Prozent in deutschen Wäldern ausmacht. Es sind weder Eichen noch Buchen noch Fichten, sondern Tannen.

Auch die Kanzlerin musste wieder für eine Frage herhalten. Was wissen wir aus Quizsendungen nicht schon alles über Angela Merkel, was wir eigentlich nie wissen wollten. Etwa dass sie den Mauerfall in einer Sauna erlebte. Und auch, dass ihre erste Schallplatte ”Yellow Submarine“ von den Beatles war, 1970 ”vermutlich als Raubkopie“ (Jauch) in Moskau gekauft, hat uns nicht wirklich interessiert.

Da war es wieder, das völlig unnütze Fernsehwissen. Aber wie man sich quasi nebenbei sinnvoll bildet und damit auch noch Geld verdient, das hat ja Nationalkeeper Neuer prima vorgemacht.