Bremer Klinik

Drei Frühchen nach "hygienischem Zwischenfall" tot

Am Klinikum Bremen-Mitte starben drei Frühgeborene an einer Infektion mit Keimen. Sieben weitere Kinder sind schwer erkrankt. Der Staatsanwalt ermittelt.

Foto: Wikipedia/Bukk

Im Klinikum Bremen-Mitte sind seit August drei Frühchen wegen Keimen gestorben. "Wir kennen leider nicht die Quelle der Infektion", sagte der Gesundheits-Staatsrat Joachim Schuster auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Seit Ende Juni wurde der Keim bei 15 Kindern nachgewiesen. Davon seien sieben schwer erkrankt, sagte der Geschäftsführer des Klinikverbunds, Diethelm Hansen. "Wir stehen an einem Punkt, an dem wir noch nicht endgültig wissen, ob wir das Problem im Griff haben." Die Kinder starben am 8. August sowie am 16. und 27. Oktober.

"Wir haben natürlich auf der Station Maßnahmen eingeleitet, die eine weitere Verbreitung des Keims verhindern", sagte Hansen. Danach sei die Zahl der Infektionen auch zurückgegangen, bis im Oktober erneut ein Baby daran gestorben sei.

"Die Ursache ist extrem schwierig zu finden", sagte Schuster. Die Quelle könnten Menschen aber auch Gegenstände sein. Die sogenannten ESBL-Keime kämen im Darm vor und würden in einer mutierten Form gefährlich.

Der Keim gehört zur Familie der Enterobakterien (Enteron = Darm) und ist resistent gegen Antibiotika. Als ESBL-Keim bezeichnet man eine Reihe von Krankenhauskeimen, die eines gemeinsam haben: Der große Teil der herkömlichen Antibiotika schlägt bei einer Infektion nicht an.

Die Neugeborenen-Station wurde geschlossen. Zur Stunde sei ein Krisenteam des Robert-Koch-Institutes dabei, die Situation zu untersuchen, wie das Klinikum mitteilte.

Staatsanwalt ermittelt, Politiker fordern Aufklärung

Es seien Zeugen einbestellt und Ermittlungen eingeleitet worden, sagte der zuständige Staatsanwalt Uwe Picard im Vorfeld der Pressekonferenz. Nähere Einzelheiten wollte er nicht bekanntgeben.

Nach Bekanntwerden der Todesfälle forderte die oppositionelle CDU sofort eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und zeigte sich schockiert.

"Es ist das Schlimmste, was Eltern nach der Geburt eines Kindes passieren kann", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Rainer Bensch, nach einer Mitteilung. Sollten zwei Kinder wirklich bereits im August gestorben sein, dann sei dies eine grobe Verletzung der Informationspflicht durch die Gesundheitssenatorin.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Bremer Grünen, Kirsten Kappert-Gonther, sagte in einer Mitteilung: "Wir erwarten restlose Aufklärung, wie es zu den Todesfällen kommen konnte. Wir wollen insbesondere auch wissen, ob sich tatsächlich schon im August ein Todesfall ereignet hat und wer diese Information zurückgehalten hat. Sollte sich das bewahrheiten, muss das Konsequenzen haben."

Kindstod-Fälle in Passau, Siegen und Mainz

Tausende Menschen sterben jedes Jahr, weil sie sich im Krankenhaus mit gefährlichen Keimen anstecken. Dass Babys in deutschen Kliniken wegen hygienischer Mängel sterben, passiert allerdings selten.

Anfang Oktober hatte sich ein frühgeborener Junge in der Passauer Kinderklinik mit einem multiresistenten Keim angesteckt und war gestorben. Drei andere Säuglinge, die sich ebenfalls infiziert hatten, wurden wieder gesund.

Die Ursache des Todes von drei Frühgeborenen in einer Kinderklinik in Siegen im September 2011 ist auch nach zwei Monaten nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft in Siegen ermittelt weiterhin wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung.

Die bisherigen Untersuchungen haben allerdings noch keinen Aufschluss darüber gegeben, warum die Babys starben. Man warte immer noch auf Ergebnisse einer Hygiene-Untersuchung, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft

Im August 2010 hatte bereits der Tod von drei Babys in der Mainzer Uniklinik für Aufregung gesorgt. Sie hatten auf der Intensivstation mit Bakterien verunreinigte Infusionen erhalten. Die Klinik traf den Ermittlungen zufolge keine Schuld.