Griechischer Premier

Papandreou dachte angeblich mehrmals an Rücktritt

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"Griechenland entscheidet über gar nichts mehr", beklagt der Premier einem Bericht zufolge. Er soll schon zweimal seinen Rücktritt angeboten haben.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat laut einem Pressebericht in den vergangenen Wochen mehrmals an Rücktritt gedacht. Wie die „Financial Times Deutschland“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtet , sprach Papandreou in den vergangenen drei Wochen zweimal mit Vertrauten über seinen Rücktritt. Er habe beide Male „seinen Rücktritt angeboten“ und dann doch weitergemacht, hieß es demnach im Umfeld Papandreous.

Der Regierungschef halte der Zerreißprobe zwischen den Protesten der eigenen Bevölkerung gegen den verschärften Sparkurs auf der einen Seite und den Auflagen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) auf der anderen nicht mehr lange stand.

Papandreou fühle sich machtlos, zitierte die Zeitung einen „Insider“. „Griechenland entscheidet über gar nichts mehr.“

Ein Rücktritt des Regierungschefs inmitten der Dauerverhandlungen um neue Hilfen und während der Durchsetzung von Zehntausenden von Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst wäre eine „Katastrophe“, sagte der Insider dem Bericht zufolge. „Aber wenn sich die Amtsmüdigkeit erst einmal in seinem Kopf festgesetzt hat, wird er den Schritt früher oder später auch tun.“

Ein Regierungssprecher dementierte jede Rücktrittsabsicht und sagte der „FTD": „Die Informationen, die Sie erhalten haben, sind Blödsinn.“

Er wuchs in den USA, Schweden und Kanada auf

Papandreou hat das politische Handwerk von der Pike auf gelernt. Schon sein Großvater Giorgios war griechischer Regierungschef. Als 1967 eine Obristenjunta die Macht übernahm, floh die Familie ins Ausland. Giorgios und drei Geschwister wuchsen in den USA, Schweden und Kanada auf.

Nach dem Ende der Junta 1974 baute Vater Andreas Papandreou die Pasok-Partei auf und führte Griechenland in den 80er- und 90er-Jahren als Regierungschef. Giorgios profilierte sich erst als Parlamentarier und Oppositionsführer, dann unter sozialistischen Regierungen als Bildungs- und vor allem als Außenminister. Dabei halfen dem Kosmopoliten nicht nur sein auf Konsens gerichteter Charakter, sondern auch fließendes Englisch, Französisch und Schwedisch.

"Einmischung in innere Angelegenheiten"

Nach der Jahrtausendwende präsentierte sich Papandreou zwar als Modernisierer seiner Partei. Doch in den Wahlkampf 2009 zog er mit der alten Aussage, es sei genug Geld für Wohltaten da. Nach dem Wahlsieg musste Papandreou allerdings Griechenlands Schuldenstand und Defizit immer weiter nach oben korrigieren. Jahrzehntelang hatte der Staat über seine Verhältnisse gelebt - vor allem dank eines von Andreas Papandreou begründeten Patronagesystems, bei dem die Politik Wähler mit Beamtenstellen und Jobs bei Staatsunternehmen lockte.

Im Herbst 2009 war klar: Nur wenn Griechenland den 1,3 Millionen Menschen starken Staatsapparat, in dem jeder vierte arbeitende Grieche beschäftigt ist, radikal verkleinert, kann es seine Finanzen sanieren. Der langjährige Minister Theodoros Stathis sagte der "New York Times", er habe Papandreou Ende Juni 2010 gedrängt, den Griechen diese bittere Wahrheit zu verkünden. Der Premier folgte seinem Rat nicht.

Und Papandreou hat bis heute weder den Apparat verkleinert noch hat er milliardenschweren Staatsbesitz verkauft. Beides hatte er im Januar 2010 angekündigt. Doch als die Inspektoren der Kreditgeber auf die Umsetzung pochten, protestierte Papandreou beim damaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gegen die "unakzeptable Einmischung in die inneren Angelegenheiten".

"Meine Aufgabe ist, das Land zu retten", sagt der Premier. Er scheut auch jeden Pomp: Nach seiner Amtsübernahme wählte er statt des Luxus-BMW seines Vorgängers einen gebrauchten Toyota Prius als Dienstwagen. Vor wichtigeren Schritten scheut er jedoch zurück. Etwa davor, die Macht zahlreicher Griechenland blockierender Lobbys zu brechen - von Seeleuten bis zur reichen, aber praktisch steuerbefreiten Kirche.

Mitte Juni rief er seinen Freund Antonis Samaris an, den Oppositionsführer, mit dem er sich Anfang der 70er-Jahre beim Studium in den USA ein Zimmer teilte. Der Premier bot Samaras eine große Koalition an - selbst wenn er dafür sein Amt niederlegen müsste. Er scheiterte, auch am heftigen Widerstand seiner Partei, die offenbar nicht eingeweiht war.

Seitdem hat sich Papandreou von der innenpolitischen Front weitgehend zurückgezogen. Dort kämpft Finanzminister Evangelos Venizelos - ein alter Rivale, der Papandreou einst beim Streit um die Parteiführung unterlag. Einer aktuellen Umfrage zufolge stehen nur noch 15 Prozent der Griechen hinterm Premierminister. Ein schwacher Trost: Oppositionsführer Samaras kommt nicht einmal auf 25 Prozent Zustimmung.

( AFP/smb )