Generalstreik

Randalierer werfen Brandsätze auf Athener Polizisten

Das öffentliche Leben ist lahmgelegt, Tausende Griechen strömen zu Protesten in die Hauptstadt. Die Gewerkschaften erwarten den größten Streik seit Jahrzehnten.

Ein Generalstreik und Straßenschlachten haben das öffentliche Leben im schuldengeplagten Griechenland lahmgelegt . Vor dem Parlament in Athen, das am Abend weitere harte Einschnitte für die Bevölkerung auf den Weg bringen wollte, setzte die Polizei massiv Tränengas gegen gewalttätige Demonstranten ein.

Sie hatten die Sicherheitskräfte mit Steinen und Brandsätzen beworfen und zeitweilig zum Rückzug gezwungen. Auch an anderen Orten kam es vereinzelt zu Zwischenfällen. Der Generalstreik, zu dem die beiden größten Gewerkschaften aufgerufen hatten, soll 48 Stunden dauern.

Den Demonstranten gelang es erstmals, bis zu den Stufen am Fuß des Parlamentsgebäudes vorzudringen. Über dem zentralen Syntagma-Platz, an dem auch die Volksvertretung ihren Sitz hat, stand dicker Rauch. Ein Reuters-Reporter berichtete, das Tränengas sei auch im Parlamentsgebäude zu riechen gewesen.

Nach Erwartungen der Gewerkschaften soll der Streik der größte seit Jahrzehnten werden. Es gebe eine „neue Dimension des sozialen Widerstands“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der für den öffentlichen Dienst zuständigen Gewerkschaftsverbands ADEDY, Ilias Vrettakos. „Wir hoffen, dass dieses Aufgebot Auswirkungen auf die politischen Entwicklungen hat.“

Das Athener Parlament plant ein Votum über neue unpopuläre Sparmaßnahmen, mit denen Griechenland sich weitere internationale Finanzhilfe sichern will . Selbst einige Abgeordnete aus den Reihen der regierenden Sozialisten haben angedeutet, dass sie möglicherweise gegen Teile des Sparplans stimmen wollen. Sollte Griechenland jedoch nicht bald eine dringend benötigte weitere Kredittranche erhalten, kann es nach eigenen Angaben schon im November keine Gehälter und Pensionen mehr zahlen.

Großaufgebot der Polizei in Athen

Mit einem Großaufgebot bereitete sich die Polizei in Athen auf einen Ansturm von Demonstranten vor. Bei einem zweitägigen Ausstand im Juni war es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften gekommen .

Auch dieses Mal lieferten sich in Athen rund 200 jugendliche Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, attackierten die Demonstranten eine Metallbarrikade vor dem Parlamentsgebäude im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Einige Demonstranten warfen Brandsätze und Steine, die Polizei setzte Tränengas ein. An der Kundgebung in Athen beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 70.000 Demonstranten, landesweit waren es mehr als 125.000. Es waren die größten Proteste seit dem Beginn der schweren Finanzkrise im vergangenen Jahr.

Die Verkehrsbehinderungen hielten sich zunächst in Grenzen: Während die Fähren im Hafen blieben, taten die Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs mit zeitweiligen Arbeitsniederlegungen ihren Protest kund, sollten aber Busse und U-Bahnen in Betrieb halten. Auch im Flugverkehr war Entspannung angekündigt: Dort sollten die Flüge am Nachmittag wieder aufgenommen werden.

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