Stichtag 1. September

So bereiten Sie sich auf das Glühbirnen-Verbot vor

Erst die 100-, dann die 75- und jetzt die 60-Watt-Birne: Die EU schafft alle Glühlampen ab. Wer nicht verzichten will, muss schnell handeln.

Foto: picture-alliance / Jan Haas

Ein Beleuchtungsklassiker verabschiedet sich: Zum 1. September wird die 60-Watt-Glühbirne verboten, genauer gesagt ihre Produktion und ihr Vertrieb. Damit erreicht die EU-Verordnung von 2009 die nächste Stufe. Bisher fielen ihr 100- und 75-Watt-Glühlampen zum Opfer. 2012 folgen Glühbirnen unter 60 Watt und 2016 teils die Halogenlampe. Wer möchte, kann der Glühbirne zumindest eine Zukunft in seinen eigenen vier Wänden geben.

Gibt es einen Ansturm auf 60-Watt-Glühbirnen?

Hamsterkäufe – wie in den vergangenen Jahren – wird es geben, aber verhaltener. In Internetforen kündigen Glühbirnen-Fans zwar an, sich eindecken zu wollen, und auch auf der Auktionsplattform Ebay werden verstärkt Großpackungen mit 60-Watt-Birnen angeboten – aber generell wollen nur zehn Prozent der Deutschen Lampen auf Vorrat kaufen. Dies ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Lampenherstellers Osram von Anfang August.

„Wer noch das Bedürfnis hatte sich einzudecken, hat das schon letztes Jahr gemacht, als die 75-Watt-Birne vom Markt genommen wurde“, sagt Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des Fachverbands Elektrische Lampen. Einzelhandelsunternehmen – wie Media-Saturn, Galeria Kaufhof und Bauhaus – gaben gegenüber Morgenpost Online an, dass sie nicht vermehrt 60-Watt-Birnen bestellt hätten. Ebenso haben Hersteller wie Osram und Philips ihre Produktion kurzfristig nicht hochgefahren.

Was spricht für die Glühlampe?

Der Energieverbrauch von Glühlampen ist zwar hoch, doch für sie spricht unter anderem ihr rötlich-bräunlich angehauchtes Licht. Das bekommen Energiesparlampen und LEDs noch nicht vergleichbar hin. Sie decken nicht das gesamte Farbspektrum ab und strahlen eher weiß-bläuliches Licht ab. Das kann zu Schlafstörungen führen.

„Bei Tageslicht ist der Blaulichtanteil sehr hoch – also signalisiert uns blaues Licht, dass man wach bleiben soll“, erklärt Thomas Worm, der mit seiner Lebensgefährtin Claudia Karstedt im Buch „Lügendes Licht“ das Glühbirnenverbot kritisch beleuchtet: „Durch kaltweiße Energiesparlampen mit ihrem hohen Blauanteil bekommt unser Hormonsystem jedoch abends und nachts falsche Signale.“

Hinzu kommen ästhetische Aspekte: Energiesparlampen und LEDs geben die Farben noch nicht exakt wieder. Das ist problematisch etwa im Einzelhandel und in Museen. Allerdings entwickelt sich die Technik in dem Bereich stets weiter.

Was ist eine gute Alternative für Glühbirnen?

Halogenlampen sparen immerhin 30 Prozent Energie und strahlen das gleiche Licht aus wie Glühbirnen. Auch bei ihnen entsteht das Licht durch einen glühenden Draht. Ab September 2016 sollen jedoch auch diese je nach Energieeffizienzklasse verboten werden.

In welchen Räumen sollte ich weiterhin auf Glühbirnen oder Halogenlampen setzen?

Diese sind im Schlafzimmer wegen ihres gemütlichen Lichts zu empfehlen und vor allem in der Küche. Sie geben nämlich beispielsweise die Rottöne von Fleisch und Rotwein richtig wieder. Unter Energiesparlampen sähe Fleisch fahl aus, findet Buchautor Thomas Worm.

Wem jedoch die Energieersparnis wichtiger ist und wer seine noch vorhandenen Glühbirnen nicht wegwerfen möchte, kann diese in Kellerräumen, Dachböden und Rumpelkammern aufbrauchen, findet Michael Koswig, Redakteur bei der Stiftung Warentest : „Hauptsache Räume, in denen man sich kaum aufhält, also vielleicht insgesamt eine Stunde im Jahr. Dann erhöhen die Glühbirnen auch nicht so den Energieverbrauch.“

Wo kann ich getrost auf Glühbirnen und Halogenlampen verzichten?

„Energiesparlampen lassen sich gut im Wohnzimmer einsetzen, vor allem in Lampenschirmen. Dann wirkt das Licht wärmer und diffuser“, sagt Osram-Sprecherin Nadine Kleinert. Außerdem kämen immer mehr Energiesparlampen mit wärmerem Licht auf dem Markt. „Eine kühlere Lichtfarbe ist im Arbeitszimmer sinnvoll, um sich besser konzentrieren zu können“, sagt sie. Deshalb könne man dort ruhig Energiesparlampen verwenden.

Energieeffizienzexpertin Irmela Benz vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) rät allerdings, Energiesparlampen nicht als Leselampen oder Nachttischlampen zu gebrauchen, da von ihnen elektromagnetische Strahlung ausgeht. „Es ist schließlich noch nicht geklärt, welche Auswirkungen die Strahlung auf die Gesundheit hat“, sagt sie. Grundsätzlich befürwortet der BUND jedoch Energiesparlampen. Stiftung-Warentest-Redakteur Michael Koswig kann außerdem beruhigen: „Wir haben die Strahlung bei Energiesparlampen untersucht, aber es wurden keine überhöhten Werte festgestellt.“

Werde ich auch nach dem 1. September noch 60-Watt-Glühbirnen kaufen können?

Ja, ab dem Stichtag sind nur die Herstellung und der Vertrieb verboten. Die Händler dürfen allerdings abverkaufen, was schon in Umlauf gebracht wurde. Im Internet, etwa auf der Auktionsplattform ebay, finden Interessenten auch noch die bereits verbotenen 100-Watt- und 75-Watt-Glühlampen.

Geschäfte, wie Lichtservice Schrader in Hamburg, haben sich auf den Handel mit verbotenen Glühbirnen spezialisiert: Im Gegensatz zu den großen Handelsketten hat sich das Geschäft im großen Stil mit 60-Watt-Birnen eingedeckt. Außerdem kauft es Reste auf, die noch bei Händlern schlummern.

Kann ich verbotene Glühbirnen in Ländern außerhalb der EU noch erwerben?

Ja, sofern sie in den Ländern ebenfalls nicht verboten sind. „In den Ländern, wo es nicht verboten ist, werden wir auch weiterhin Glühlampen produzieren und anbieten – je nach Bedarf“, sagt Osram-Sprecherin Nadine Kleinert: „Aber bereits heute machen wir 70 Prozent unseres Umsatzes mit energieeffizienten Produkten.“

Dass international die Produktion von Glühbirnen zurückgeht, weiß auch Jürgen Waldorf vom Fachverband Elektrische Lampen: „Viele Staaten setzen auf energiesparenden Lampen, vor allem Schwellenländer wie China. Dort gibt es ein Energieversorgungsproblem, und man ist bemüht den Stromverbrauch zu senken.“

Kann ich verbotene Glühbirnen von einem Aufenthalt außerhalb der EU mitbringen?

Nein, egal ob zu gewerblichen oder privaten Zwecken – verbotene Glühbirnen dürfen nicht in die EU eingeführt werden. „Aber es wird bei kleineren Mengen meist nicht geahndet“, sagt Buchautor Thomas Worm.

Gibt es Ausnahmen beim Glühbirnenverbot?

Sogenannte Speziallampen, die in Autos, Backöfen und Kühlschränken zu finden sind, bilden eine Ausnahme. Ebenso Lampen mit besonders niedriger Lichtleistung (unter 60 Lumen) und hoher Leistung (über 1200 Lumen). Bis zum 1. September 2012 sind außerdem noch Glühbirnen unter 60 Watt erlaubt.

Wie kann ich Glühbirnen möglichst lange verwenden?

„Zu häufiges Ein- und Ausschalten ist nicht gut“, sagt Buchautor Thomas Worm. Das würde die Lebensdauer einer Glühbirne reduzieren, die insgesamt 1000 Stunden beträgt: „Es ist eher empfehlenswert, das Licht zu dimmen.“