Grossbritannien

Polizei hält Randalierer fern – der Schock bleibt

Das riesige Polizeiaufgebot hat sich bewährt: Erstmals seit Ausbruch der Krawalle verbringen die Briten eine weitgehend ruhige Nacht. Nun sollen die Täter bestraft werden.

In Großbritannien ist es laut Medienberichten nach den Krawallen der Vortage in der Nacht zum Donnerstag weitgehend ruhiggeblieben. Es habe bis zum frühen Morgen keine Berichte über ernsthafte Störungen gegeben.

Tausende zusätzliche Polizisten seien auf den Straßen gewesen, berichtete der Sender BBC weiter. In Manchester etwa habe möglicherweise heftiger Regen Randalierer von den Innenstadt ferngehalten. Auch in anderen Städten, in denen es in den vergangenen Tagen zu Plünderungen kam, blieb es weitgehend ruhig. Erstmals wurden Zwischenfälle aus Wales gemeldet.

Erste Verurteilungen von Randalierern

Unterdessen wurden erste Randalierer zu Haftstrafen verurteilt. Zwei Männer, die an Ausschreitungen in Manchester beteiligt waren, müssen für 10 beziehungsweise 16 Wochen hinter Gitter, wie die Polizei der nordenglischen Stadt nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA mitteilte. Viele weitere Beteiligte würden folgen, hieß es.

Scotland Yard erklärte in der Nacht zum Donnerstag, allein in London seien seit Beginn der Ausschreitungen am Wochenende 820 mutmaßliche Beteiligte festgenommen worden. 279 von ihnen seien wegen diverser Straftaten angeklagt. Gerichte legten zur Bewältigung der vielen Fälle Nachtschichten ein.

Kritik an geplanten Einsparungen bei der Polizei

Das Unterhaus kommt am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammen. Premierminister David Cameron wird sich vor den Abgeordneten nach britischen Medienberichten zu den Unruhen äußern.

Der politische Druck auf den konservativen britischen Premierminister wächst. Politiker der Opposition, aber auch aus dem Regierungslager forderten, die bereits beschlossenen Sparmaßnahmen bei der Polizei zurückzunehmen.

Die Kürzung der Ausgaben für den Polizeiapparat um 20 Prozent und der damit einhergehende Stellenabbau seien weniger als ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen in der britischen Hauptstadt unrealistisch, sagte Londons konservativer Bürgermeister Boris Johnson.

Mahnwache in Birmingham gedenkt dreier Opfer

In Birmingham gedachten Hunderte bei einer Mahnwache der drei Einwanderer, die von einem Auto überfahren und getötet worden waren. Die Männer im Alter von 21, 30 und 31 Jahren gehörten nach Schilderungen von Augenzeugen zu einer Gruppe, die Geschäfte ihrer Wohngegend vor Plünderern schützen wollte.

Ein Auto habe sie mit hoher Geschwindigkeit und offenbar absichtlich auf einem Bürgersteig überfahren. Die Polizei erklärte, sie ermittle wegen Mordes gegen einen 32-Jährigen; zu dessen Identität lagen zunächst keine Angaben vor. Außerdem sei ein Fahrzeug beschlagnahmt worden.

Cameron besuchte die Stadt am frühen Abend und sprach den Hinterbliebenen der Opfer sein Beileid aus. Erneut kündigte er eine harte Hand der Polizei an. „Die meisten Leute, die wir sehen, sind keine Demonstranten. Es sind Plünderer, Diebe und Räuber – sie begehen Straftaten“, sagte er. „Sie müssen festgenommen, verurteilt und eingesperrt werden.“

Die Krawalle waren am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham ausgebrochen und hatten sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebreitet. Auslöser war der Tod des 29 Jahre alten dunkelhäutigen Familienvaters Mark Duggan, der von der Polizei erschossen worden war.

Ballistische Untersuchungen ergaben, dass der Mann selbst nicht auf die Polizisten geschossen hatte. Das hatte Scotland Yard zuvor behauptet.