Neues Elektroauto

Mit dem C30 E beginnt für Volvo die Zukunft

Die Schweden stellen ihr erstes Elektroauto vor und kündigen für 2012 einen Plug-in-Hybrid an. Mit Dieselmotor. Doch die sauberen Schweden haben trotzdem ein Problem.

Wer in der Hauptferienzeit, die auf der Nordseeinsel Sylt gerade begonnen hat, möglichst unbeachtet mit dem Auto vorankommen möchte, fährt am besten Porsche. Entweder den Geländewagen Cayenne oder besser noch einen 911 Carrera Cabrio. Nirgendwo in Deutschland dürfte gegenwärtig die Dichte solcher Fahrzeuge größer sein als auf Sylt.

Aufmerksamkeit dagegen versprechen andere Autos, zurzeit zum Beispiel der neue Volvo C 30 Electric. Auf dem Parkplatz unterhalb eines Restaurants mit dichtbewachsenen Dünen wollen zwei ältere Herren wissen, ob der C 30 für den Notfall denn noch einen Benzinmotor an Bord habe.

Sylt ist für Elektroautos ideal

Das hat der Volvo nicht, und auf Sylt ist das auch nicht nötig, wo doch bereits zwei Stromtankstellen in Zusammenarbeit mit Citroën montiert worden sind.

Auf der Insel fahren also nicht nur die verführerischten Luxuslimousinen durch die Dünen, sondern hier ist auch die Versorgungslage mit Strom für Autos in Deutschland außergewöhnlich gut. Das findet auch der Präsident des Sylter Golfclubs.

Auf der Terrasse des Clubhauses hat er es sich in seinem Korbstuhl gemütlich gemacht. Er sagt, Sylt sei für Elektroautos ideal. Weil die Insel ja nicht so groß sei und der Speicher von modernen E-Autos dann sicher für einen Tag reichen würde.

160 Kilometer Reichweite

Der Volvo schafft eine Strecke von rund 160 Kilometern, ohne "nachzutanken". Sagen die Volvo-Leute. Ausprobieren kann man das bei den ersten Testfahrten nicht, denn bei jedem Stopp werden die Testwagen gleich ans Ladekabel gelegt.

Volvo hat gleich zwei Lithium-Ionen-Speicher im Bereich des Mitteltunnels untergebracht. Sie besitzen eine Kapazität von 24 kW/h und wiegen zusammen 280 Kilogramm. Für einen Wagen der Kompaktklasse ist das enorm viel. Der C30 kommt dadurch insgesamt auf 1660 Kilogramm. Das sind wiederum sogar 300 Kilo mehr als bei der Serienversion.

Trotzdem: Einmal volltanken kostet rund drei Euro. Dabei treibt der 111 PS-Elektromotor den bei seiner Einführung als Schneewitchensarg bezeichneten Kompaktwagen so munter voran, dass man hinter dem Steuer ganz überrascht ist, wenn der Tacho plötzlich 130 km/h anzeigt - die Höchstgeschwindigkeit.

Nur als Leasingfahrzeug zu haben

Der Volvo unterscheidet sich aber nicht wesentlich von anderen Elektroautos, die als Versuchsfahrzeuge nun immer öfter auf den Markt gebracht werden. Er bedeutet den Aufbruch der Schweden (unter chinesischer Regie) in eine saubere Zukunft. Doch die hat einen Haken.

Zwar wird der C30 Electric schon ab Ende August ausgeliefert, sagt die schwedische Produktmanagerin Annelie Gustavsson, doch lediglich als Leasingfahrzeug. Zum Preis von: 1600 Euro monatlich.

Der Privatkommen dürfte bei einer solchen Forderung erst einmal in Luftnot geraten, doch Volvos Geschäftsführer in Deutschland, Bernhard Bauer, bleibt gelassen. "Wir haben mit dem elektrischen C30 in erster Linie Unternehmen und Geschäftskunden im Blick. Das sind Firmen, die mit dem Wagen ein Statement abgeben wollen. Ein Statement für sauberes Fahren."

Gleichzeitig aber gibt Bauer auch zu, dass die maximal 250 elektrischen Autos wertvolle Testergebnisse liefern sollen. Und zwar für die zweite Generation schwedischer Elektrofahrzeuge. Erst die soll nach den Angaben von Gustafsson auf den Markt kommen.

"Wann das sein wird, können wir heute noch nicht sagen. Es hängt von der Entwicklung der Batterien ab", sagt sie.

Eine Batterie kostet 16.000 Euro

Und natürlich von der Entwicklung der Preise. Denn allein die beiden Batterien im C30 kosten heute im Einkauf 16.000 Euro, sagt Sprecher Olaf Meidt. Elektroautos bleiben also, das beweisen auch die Schweden, Luxusfahrzeuge. Jedenfalls vom Preis her. Und natürlich auch Autos mit einem guten Image.

Das ist bei den Schweden derzeit ohnehin außergewöhnlich gut. Bei einer Bewertung durch die Marktbeobachter von J. D. Power hat Volvo als Marke bei der Frage nach der Kundenzufriedenheit am besten abgeschnitten. "Diese Position wollen wir mit allen Kräften verteidigen", sagt Deutschland-Chef Bauer.

Zum guten Image dürfte auch der erste Plug-in-Hybrid mit einem Dieselmotor beitragen, den Volvo 2012 auf den Markt bringen will. Als Modell haben die Schweden dafür den V60 ausgewählt, der ohnehin zu ihren Bestsellern zählt.

Bei Volvo könnte man heute sogar von einem kleinen Comeback sprechen. Im vergangenen Jahr gab es ein Wachstum gegenüber 2009 von etwa zwölf Prozent. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres liegt Volvo bei einem Plus von 20,3 Prozent.

In Shanghai wird gerade ein zweites Headquarter (neben Göteborg) aufgebaut. Dazu gibt es Überlegungen, nach dem Werk in Chengdu sogar noch ein weiteres in China zu errichten.

Aufladen dauert acht Stunden

Auch in China wird Volvo den C30 mit Elektromotor anbieten, der jetzt über die Inselstraßen Sylts gleitet. Direkt im Blickfeld des Fahrers liegt der Tacho und rechts daneben die Anzeigen, über den momentanen Verbrauch (oder die Rekuperation) und den Ladestand der Batterie. Sie leer zu fahren, darauf sollte man besser verzichten. Es dauert dann acht Stunden bis sie wieder voll geladen ist.

Wenn auf Sylt die Sonne scheint und der Wind nur eine Brise ist, ist Stillstand kein so großes Problem. Aber es soll Sommer geben, in denen der Sommer ausfällt. Das sind die Tage, die einen die Anzeige, die durch das Lenkrad zu sehen ist, fest im Auge behalten lassen. Aber Volvo hat ja gut nachgetankt...

Volvo C30 Electric - Technische Daten:

Dreitürige Steilhecklimousine der Kompaktklasse

Gewicht: 1660 Kilo

Elektromotor: 111 PS Leistung

Drehmoment: 220 Nm

0 – 100 km/h: in 10,9 s,

Höchsttempo: 130 km/h

Die Reise nach Sylt wurde unterstützt von Volvo