Ob er jemals in Serie oder in Kleinserie oder überhaupt gebaut wird, steht noch nicht fest, aber bis zum Frühjahr 2011 soll eine Entscheidung fallen: Dann könnte der Vorstand von Audi grünes Licht für den neuen Sport Quattro geben, der auf dem jetzt von Morgenpost Online gefahrenen, einzigen Prototyp namens Audi Quattro Concept basiert.
Der Zeitpunkt für die Studie, die kürzlich auf dem Pariser Salon präsentiert wurde, ist perfekt, denn 1980, vor 30 Jahren, debütierte auf dem Genfer Automobilsalon der Ur-Quattro, ein Automobil, das auf den Rallyepisten sehr erfolgreich unterwegs war und den Grundstein für das Image und den heutigen Erfolg von Audi legte.
Noch bevor Audi-Chef Rupert Stadler über die Zukunft des Quattro Concept entscheidet, stand die reinrassige und puristische Fahrmaschine zu einem Test zur Verfügung. Das in Col-de-Turini-weiß lackierte Auto hat unter der sportlichen Haube mit dem langschlitzigen Lufteinlass einen Fünfzylinder-Turbobenziner. Das 183 Kilogramm leichte 2,5-Liter-Triebwerk stammt aus dem TT RS und treibt auch den neuen RS3 Sportback an. Die Leistung dieses Motors wurde für das Audi Quattro Concept von serienmäßig 340 PS auf 408 PS gesteigert. Hierzu wurde ein größerer Turbolader eingebaut und der Luftdurchsatz verbessert. Die Leichtbau-Karosserie mit vielen Karbon-Elementen würde das Serienauto auf ein Traumgewicht von rund 1300 Kilo bringen - das sind 500 Kilogramm weniger als beim aktuellen RS5, auf dessen Plattform die Studie basiert. Der Prototyp ist heute noch etwas schwerer.
Die Optik ist bullig und kraftvoll. Das Audi quattro concept macht kein Geheimnis aus seinem Potential. Auch hier sind die Gene des RS 5, aber auch die von Ur- und Sport-Quattro nicht zu übersehen. Der Radstand (2,60 Meter) des permanenten Allradlers fällt um 15 Zentimeter kürzer aus als beim RS 5. Zugleich haben die Audi-Designer den hinteren Überhang um insgesamt 20 Zentimeter gekürzt und die Dachhöhe um vier Zentimeter reduziert. Das niedrigere Dach verkleinert auch die Glasflächen und senkt damit den optischen Schwerpunkt des Fahrzeugs ab. Die kräftig konturierte C-Säule ist als Hommage an das Design des Ur-Quattro zu verstehen. Wie bei diesem findet sich am Übergang in die Fahrzeugseite das Markenemblem der vier Ringe, hier jedoch in die Oberfläche eingeprägt. In den Heckdeckel integriert ist der großformatige, ebenfalls aus Karbon gefertigte Spoiler, der bei Bedarf automatisiert ausfährt und für einen optimalen Abtrieb justiert werden kann.
Beim Start des nur 4,28 Meter langen Prototypen brabbelt es aus den beiden Endrohren brutal-aggressiv, das isteigentlich typisch für die Audi-Fünfzylinder. Bei diesem Prototypen fehlen nennenswerte Schalldämpfer, was gleich zu Beginn der Testfahrt zu einer Ganzkörper-Gänsehaut führt. Denn dieser sonore Sound erinnert an die besten und erfolgreichsten Audi-Rallye-Zeiten. Die kurvenreiche Strecke des Highway 23, auch Decker Road (nach dem gleichnamigen Canyon oberhalb von Malibu) benannt, ist für den Rallye-Racer wie geschaffen. Obwohl das Fahrwerk noch nicht endgültig abgestimmt wurde, fährt der Wagen auf sich dahin schlängelnden Bahnen wie auf Schienen. Wieselflink wedelt der Quattro mit den weit ausgestellten Kotflügeln über die Bergstrecke. In den Spitzkehren gilt allerdings besondere Vorsicht, da die Lenkung des Concept-Cars noch nicht komplett eingeschlagen werden darf. Sonst würden die breiten Räder in den Radkästen anstoßen - es handelt sich eben noch um einen Prototypen.
Der Innenraum des Coupés ist reduziert und aufgeräumt. Die Schalttafel ist schlank gestaltet und schwebt förmlich über der separaten Mittelkonsole. Durch die Verkürzung des Radstands ist gegenüber der Basis RS5 die Rückbank entfallen. Hier ist nun Platz für Helme oder Gepäck. Die filigranen Sitzschalen wiegen jeweils nur 18 Kilogramm. Karbon und Leder beherrschen die Szenerie. Warum ausgerechnet das Karbon-Armaturenbrett mit Leder bezogen wurde, ist allerdings nur schwer verständlich. Das Kombiinstrument ist digitalisiert - auch das gab es schon beim Ur-Quattro. Das große, dreidimensional geformte, und visierartige Display enthält alle für den Fahrer notwendigen Informationen - und ersetzt damit auch das klassische MMI-Mittendisplay.
Den Standard-Sprint von null auf 100 km/h erledigt der Quattro in 3,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit erreicht der Wagen bei knapp über 300 km/h. Das maximale Drehmoment liegt bei 480 Newtonmetern. Damit dieses gewaltige Moment bewältigt werden kann, gibt es eine angepasste Sechsgang-Handschaltung. Und der Verbrauch beträgt trotz aller Sportivität nur 8,5 Liter Super auf 100 Kilometer. Was also spricht dagegen, zumindest eine Kleinserie von knapp 1.000 Stück aufzulegen? Voraussichtlich nichts.
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