Studie

Shooting Break – Mercedes zeigt Lifestyle-Kombi

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Thomas Geiger

Mit dem coupéhaften Viertürer CLS hat Mercedes 2003 einen neuen Trend gesetzt und viele Nachahmer auf den Plan gerufen. Jetzt präsentiert der Hersteller mit dem Shooting Break eine Studie, die das Konzept auf einen Kombi überträgt. 2011 soll das Auto auf den Markt kommen und könnte erneut Trends setzen.

Mercedes ist mal wieder auf der Suche nach neuen Nischen. Nachdem sie beim CLS vor sieben Jahren mit dem ersten viertürigen Coupé einen ausgesprochen guten Riecher bewiesen und einen Trend gesetzt, dafür aber vor fünf Jahren mit der R-Klasse offenbar weit daneben gelegen haben, versuchen sie es jetzt mal wieder mit einem Raumkonzept – allerdings mit sehr viel mehr Elan und Eleganz. Auf der Autoshow in Peking zeigt Mercedes am Freitag das Concept Shooting Break, das mehr ist als nur ein Vorbote des neuen CLS. „Denn mit etwas Geduld wird man auch diese Karosserieform auf der Straße sehen“, bestätigte ein Mercedes-Manager.

Während das allerdings noch zwei Jahre dauern kann und bis dorthin sowohl die liebevollen Ablagen für Laptop oder Golfbälle in den Seitentaschen als auch der vornehm ausgeschlagene Ladeboden unter der sehr schräg stehenden Heckklappe verschwunden sein werden, hat das Gesicht mit der sanften Nase bereits den letzten Schliff bekommen: „Bis zur B-Säule entspricht die Studie dem Serienmodell“, heißt es in Stuttgart: Nur der seidenmatte Silberlack und die großen 20-Zöller auf den Achsen kommen vor der Produktionsfreigabe noch herunter. Und auch innen wird es wohl nicht bei den vier bequemen Einzelsitzen und der wunderbaren Orgie aus warmen Hölzern, glänzendem Lack und hellem Leder bleiben. Denn ein bisschen mehr Bodenhaftung ist bei einem Zielpreis von etwa 60.000 Euro durchaus angeraten.

Nichts mehr ändern wird sich dagegen am stechenden Blick des Shooting Break. Er rührt von insgesamt 71 Leuchtdioden, die zu den ersten Voll-LED-Scheinwerfern von Mercedes gehören. Zwar gibt es die bei Audi und Lexus schon länger. „Doch zum ersten mal haben wir jetzt eine dynamische Lösung gefunden“, sagt Entwickler Uwe Kostanzer. Deshalb können die Strahler der Studie nicht nur in die Kurve leuchten, sich auf Nebel, Innenstädte, Landstraßen oder Kreuzungen einstellen, sondern auch stufenlos zwischen Abblend- und Fernlicht wechseln.

Bislang brauchen die Entwickler dafür neben den Leuchtdioden Schwenkgelenke und Reflektoren. Doch mittelfristig wollen sie ganz ohne mechanische Komponenten auskommen: Dann zerlegen sie den Lilchtkegel in viele dutzend kleine Bereiche, die sie individuell mit bis zu 100 Leuchtdioden pro Scheinwerfer ansteuern. Vor allem in Kombination mit Assistenzsystemen können damit zahlreiche neue Funktionen verwirklicht werden: So kann das Navigationssystem Abbiegehinweise als Pfeile auf die Straße werfen und die Fußgängererkennung mit einem blinkenden Suchscheinwerfer sowohl den Fahrer als auch den Passanten warnend auf drohende Gefahren aufmerksam machen.

Das ist nicht die einzige neue Technik aus der Abteilung „Licht und Sicht“, die im Shooting Break ihren Einstand gibt. Auch das Glasdach ist pfiffiger als sonst: Denn erstmals diesseits des Maybachs kann man das Fenster zum Himmel auf Knopfdruck dimmen. Dafür sorgen spezielle Metallelemente in einer Flüssigkeit zwischen den einzelnen Glasschichten, die sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung anders ausrichten und so mal mehr und mal weniger Licht durchlassen. Anders als beim Luxusliner wird die Scheibe dann allerdings nicht milchig, sondern bleibt trotzdem glasklar. Der Vorteil: Besser als mit jedem Rollo und jeder Jalousie lässt sich so die Sonnenwärme aussperren.

Schon in klarem Zustand ist die „MagicSky Control“-Scheibe besser gegen Infrarot- und UV-Strahlen isoliert als ein herkömmliches Glasdach. Ist die dagegen die Verdunkelung eingeschaltet, kommt man darunter auf Wärmewerte wie bei einem Blechdach. Die Mercedes-Entwickler sprechen deshalb von Wellness auf Knopfdruck und nennen gleich noch einen anderen Vorteil: Weil sich das Auto nicht so stark aufheizt, muss die Klimaanlage weniger arbeiten und der Verbrauch geht zurück. Kein Wunder, dass langfristig zumindest beim Parken mit dieser Technik alle Scheiben verdunkelt werden könnten.

Wie der LED-Scheinwerfer ist auch das magische Dach bereits serienreif, heißt es bei Mercedes, die den Produktionsbeginn für 2011 versprechen. Dann startet – wie passend – der neue SLK, in dessen Faltdach analog zum SL wunderbar ein Glaselement integriert werden könnte. Der Preis sei dabei kein Hindernis, sagt Entwickler Uwe Renz. Wieviel das System kostet, will er zwar noch nicht sagen. Doch anders als im Maybach wird man dafür nicht noch einmal den Wert eines Kleinwagens aufbringen müssen. „Sie werden positiv überrascht sein,“ verspricht er.

Ebenfalls Neues gibt es unter der Haube: Weil der CLS relativ seriennah daher kommen soll, verkneifen sich die Verantwortlichen zwar einen Hybrid- oder Elektroantrieb. Doch montieren sie dafür zumindest den ersten Vertreter einer neuen Verbrenner-Generation, die mit der nächsten Generation der Benzindirekteinspritzung, erweitertem Magerbetrieb, Start-Stopp-Automatik und bedarfsgerecht gesteuerten Nebenaggregaten einen deutlichen Spritsprung nach vorne machen und Mercedes wieder auf ein Niveau mit BMW und Audi bringen soll.

Verbrauchsdaten bleiben die Entwickler zwar noch schuldig. Doch zumindest die Leistungsdaten gibt es schon. Danach kommt der 3,5 Liter große V6 auf 306 PS und 370 Nm Drehmoment – mit Tempo 250 dürfte er deshalb kein Problem haben. Darf er auch nicht: Denn wo das T-Modell traditionell den Lademeister für Vertreter und Familienväter gibt, macht der Shooting Break den Eiltransporter.