Thomas Ruhl kann sich noch gut daran erinnern, als die R-Klasse 2006 auf den Markt kam. Er hoffte auf einen großen Erfolg. Mercedes wollte mit dem Wagen einen Raumkreuzer mit viel Platz zum Verreisen bieten. Bis zu sieben Personen passen sowohl in die lange als in die kurze Version (4,92 Meter), die es beide in Deutschland gibt. In den USA ist das anders, dort gibt es nur die 5,16 Meter-Langversion.

Unter der Bezeichnung Sports Tourer sollte einerseits der sportliche Anspruch des Vierrad getriebenen Wagens betont werden, andererseits sollte zusammen mit der B-Klasse eine neue Fahrzeug-Familie gegründet werden. Zu den Erkennungszeichen gehören die gefeilte Form des Vorderwagens und die Falte in der Haubenmitte.

Jetzt, zwei Modellüberarbeitungen später, spricht Ruhl, der Leiter dieser Baureihe bei Mercedes-Benz, über die Verbesserungen der R-Klasse, die kommende Woche auf der Messe in New York vorgestellt werden. In den Handel kommt dieser Wagen im September. Die Veränderungen sind nötig. Die Nachfrage nach dem Wagen soll besser werden. Innen gibt es neue Farben und Farbkombinationen, neue Hölzer und Dekore, aber die „wesentlichen Änderungen finden an der Front statt“, sagt Ruhl. Der Kühlergrill wirkt jetzt massiver, er sei zuvor nicht „maskulin“ genug gewesen. Nun kommt die R-Klasse optisch eher einem sportlichem Geländewagen nahe, weil das Auto nun auch am Heck weniger elegant wirkt. Beispielsweise sind bei dem überarbeiteten Modell die Endrohre jetzt in die Bugschürze integriert.

Mercedes nimmt damit einen zweiten Anlauf, um die R-Klasse eher den Ansprüchen der Kunden anzupassen. Nicht Geländewagen, nicht Kombi, aber auch nicht Limousine – Interessenten wussten offenbar viel zu oft viel zu wenig mit dem Wagen und seinem Konzept anzufangen. Das änderte sich auch 2008 nicht, als das erste Mal die Front verändert wurde und von diesem Zeitpunkt an auch ein Heckantrieb angeboten wurde. Durchsetzen konnte sich die R-Klasse nicht, auch wenn bei Mercedes nicht über Absatzzahlen gesprochen wird. Vor allem nicht im Vergleich zu den erhofften Zahlen. Überraschend gut ist die Nachfrage wenigstens in China.

Auch dort wird man von den Verbesserungen profitieren, die auch ein optimierter Dieselmotor verspricht. Der R300 CDI BlueEfficiency mit 190 PS kommt jetzt im Durchschnitt mit 7,6 Litern Diesel aus. Beim R350CDI 4matic ist gelungen, was sich jeder Hersteller wünscht, aber nicht schafft. Der Sechszylinder-Diesel konnte in der Leistung von 224 PS auf 265 PS gesteigert werden, aber der Verbrauch sinkt um 0,8 Liter auf nun 8,5 Liter im Durchschnitt. Dieser Motor erlebt in dem Raumkreuzer seine Premiere.

Die R-Klasse muss allerdings auf viele Benzinspartechniken verzichten, die bei der Konkurrenz von BMW zur Serie zählen. So fehlt der R-Klasse eine Start-Stopp-Automatik, die es bei Mercedes in Verbindung mit der 7Gtronic immer noch nicht gibt. Sie soll als erstes in der E-Klasse eingesetzt werden. Es gibt auch keine Bremsenergie-Rückgewinnung. Verbessert hat Mercedes trotz steilerer Front die Aerodynamik, zum Beispiel durch die Unterbodenverkleidung, die nun weiter nach hinten verlängert ist. Das Getriebe mit der 7Gtronic-Automatik, die in der R-Klasse zur Serie gehört, ist verbrauchsoptimiert und wird beim Stehen an der Ampel vom Motor getrennt. Der Fahrer muss nicht mehr bremsen, um ein Davonrollen zu verhindern. Auch das spart Treibstoff.

Fahrzeuge wie die R-Klasse, die vor allem einen hohen Nutzwert haben, sollten natürlich auch möglichst leicht zu handhaben sein. Zum Beispiel beim Umlegen der Sitze. Aber da ist der gerade erst eingeführte Kombi der E-Klasse der überarbeiteten R-Klasse einen Schritt voraus. Beim größten Kombi der oberen Mittelklasse, der ein Ladevolumen von fast 2000 Litern hat, lassen sich die Fond-Sitze über Hebel vom Heck aus verstauen. Sind die Vordersitze im Weg, fahren sie automatisch nach vorn. Dieses Detail gibt es auch in der R-Klasse. Aber die Sitze müssen von Seite aus umgelegt werden.

Für die vollkommen neue R-Klasse, die vermutlich in drei Jahren auf den Markt kommt, bleiben also noch Verbesserungsmöglichkeiten.